Neues Quartier soll Generation Z nach Wolfsburg locken

Wolfsburg.  Auf einem Kongress in der Wolfsburger Autostadt zeigt Peter Kern, was die Signa-Unternehmensgruppe sich für den Nordkopf vorstellt.

Peter Kern ist Projektmanager bei der Signa-Gruppe, die in Wolfsburg ein ganzes Quartier plant.

Peter Kern ist Projektmanager bei der Signa-Gruppe, die in Wolfsburg ein ganzes Quartier plant.

Foto: Darius Simka / regios24

Grau ist alle Theorie. Bunt und anregend waren dagegen die Bilder, mit denen Peter Kern, Senior-Projektmanager bei Signa, am Donnerstag beim Mobilitätsgipfel in der Autostadt veranschaulichte, was die Unternehmensgruppe am Wolfsburger Nordkopf vorhat.

Ein Quartier für die Generation Z soll im ersten Abschnitt der sogenannten Nordhoff-Achse entstehen. Er umfasst das gesamte Gebiet vom Nordkopf mit der Markthalle über den Hauptbahnhof, den Signa „einbeziehen und weiterdenken“ möchte, über einen Teil der Bahntrasse und heutige Parkflächen bis hin zum Schachtweg. „Frisch und dynamisch“ soll das Viertel werden, so Kern: mit hohen, vernetzten Gebäuden, Bürohäusern mit attraktiven Gemeinschaftsflächen, Geschäften, Kultur- und Freizeitangeboten. Im E-Cube würden gerade erste Entwürfe heiß diskutiert. Auch der „Mobilität von morgen“ soll das neue Quartier als Testfeld und Reallabor dienen, Prototypen sollen zu sehen sein. Auf Visualisierungen tauchen Kabinenfahrzeuge auf, die aussehen wie Sedric – der Prototyp von Volkswagen für autonomes Fahren.

Warum das Ganze? Die „riesige Fuge“ zwischen Stadt und Werk soll geschlossen werden. Volkswagen habe sich zum Sprung über den Kanal entschlossen, berichtet Kern. Der Konzern habe hohe Ziele, neue Arbeitsplätze entstehen. Die aber wollen in Zeiten des Fachkräftemangels erst einmal besetzt werden. Junge Leute könne man nicht mehr mit der Option locken, ein Einfamilienhaus zu bauen, erläutert Kern den aus ganz Deutschland zum Kongress angereisten Stadtplanern, Mobilitätsberatern, Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern. Den potenziellen Arbeitnehmern soll mit dem neuen Viertel ein Angebot gemacht werden, das sie nach Wolfsburg zieht und Pendler davon überzeugt, ihren Lebensmittelpunkt zu verlegen.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, wo bei der popkulturellen Bildsprache der gezeigten Visualisierungen Wolfsburg bleibe, antwortet der Signa-Vertreter, Popkultur passe doch super zu Wolfsburg: „Die Wolfsburger müssen sich wohlfühlen, und auf dieser Basis kann ich es weiterentwickeln, um internationale Talente anzuziehen.“

Dafür müssen die Parkplätze verschwinden. Nicht ersatzlos natürlich. Kern versichert, dass man die Stellflächen nicht einfach wegnehmen wolle, auch Signa werde einen riesigen Bedarf an Parkplätzen haben. Und doch sollen den Wolfsburgern andere Mobilitätsangebote schmackhaft gemacht werden, damit sie ihr Auto zu Hause lassen. Das ist nötig, damit die Bewohner ländlicher Bereiche weiterhin mit dem Auto in die Innenstadt gelangen. In puncto Parkplätze, sagt Kern, müsse man mit Volkswagen und dem Betriebsrat sehen, was möglich ist.

Auf einem Plan ist entlang der Heinrich-Nordhoff-Straße eine Route für autonomes Fahren eingezeichnet, Mikromobilität soll sich innerhalb des Quartiers abspielen. Von Shuttles, E-Bikes, Car-Sharing ist die Rede. Auf Höhe des Kraftwerks könnte laut der Karte eine Verkehrsverbindung zwischen den beiden Kanalseiten entstehen. Mit dem Reallabor „Woven City“, das Toyota errichten will, kann der Stadtplaner Kern nichts anfangen: „Sorry, das ist 60er-Jahre.“ Als Referenzprojekte für Wolfsburg zeigt er Entwürfe für einen Google-Bürokomplex in London mit einem öffentlichen Park auf dem Dach, das südliche Überseequartier in Hamburg, die IT Universität Kopenhagen. Immer wieder tauchen Holzbauten auf – CO2-Ausstöße sollen vermieden werden.

Wann geht es los? Laut Kern sehr schnell. „Der Bedarf von Volkswagen ist auch sehr groß.“ Ende 2020, Anfang 2021, sagt er auf Nachfrage, könnten die Kongressteilnehmer vielleicht schon mehr wissen.

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