Wohnungsbau in Wolfsburg: Stadt drückt weiter auf die Tube

Wolfsburg.  Die Zahl der Mietinteressenten in Wolfsburg scheint weniger hoch als angenommen. Die Kommune schreckt das nicht: Sie plant für die Zukunft.

160 Wohneinheiten entstehen im Baugebiet Wiesengarten bei Reislingen.

160 Wohneinheiten entstehen im Baugebiet Wiesengarten bei Reislingen.

Foto: Katharina Keller (Archiv)

Während bei Nordsteimke ab Januar das erste Baufeld für Wolfsburgs Riesen-Wohngebiet Sonnenkamp vorbereitet wird, könnten Zahlen der zwei mit Abstand größten Wohnungsgesellschaften in der Stadt Zweifel daran wecken, dass der Wohnungsbedarf in Wolfsburg so ausgeprägt ist wie angenommen. Im Rathaus ist man aber nicht beunruhigt. „Die Stadt sieht aktuell keinen Grund die Wohnbauoffensive zu drosseln“, erklärt Stadt-Sprecher Ralf Schmidt auf Anfrage.

Das Ausmaß der Wohnungsbauoffensive basierte unter anderem auf der Annahme, dass in Wolfsburg allein bei Neuland, Volkswagen Immobilien und Allertal 5000 Interessenten auf eine Mietwohnung warten. In Interviews mit den Geschäftsführern von Neuland und VWI stellte sich im Dezember heraus, dass deren Wartelisten heute um einiges kürzer sind. Bei Volkswagen Immobilien spricht man von 1500 bis 1800 Mietinteressenten, bei der Neuland von rund 1500 – in ihrem Fall, ohne genau zu wissen, ob die Angemeldeten noch alle eine Wohnung brauchen. Nimmt man an, dass viele Wohnungssuchende sich nicht nur an einen, sondern an mehrere potenzielle Vermieter wenden und daher Interessenten doppelt registriert sind, könnte die Zahl der Suchenden eher bei 2000 bis 3000 als bei 5000 liegen.

Rund 3000 Wohnungen und Einfamilienhäuser sollen allein im Sonnenkamp entstehen, zusätzlich zu Tausenden Wohneinheiten in anderen Baugebieten wie den Hellwinkel-Terrassen, den Steimker Gärten und dem Reislinger Wiesengarten. Die aktuelle Wolfsburger Bevölkerungsprognose basiert nach Angaben des Stadt-Sprechers auf der Annahme, dass in den kommenden zehn Jahren mehr als 8000 Einfamilien-, Doppel-und Reihenhäuser, Miet- und Eigentumswohnungen in Baugebieten sowie Ersatzneubauten in älteren Quartieren entstehen.

Sollten im Rathaus in Zukunft Befürchtungen aufkommen, dass zu großer Leerstand entsteht, könnte die Stadtverwaltung nach Ralf Schmidts Erläuterungen beim Neubau auf die Bremse treten, genauso wie die Investoren. Im Moment sieht sie dafür keinen Grund. „Aktuell sind über 5500 Interessenten für Baugrundstücke bei der Stadt registriert“, so der Stadt-Sprecher. Auch bildeten diese Zahlen nicht die alleinige Grundlage für den Bedarf an neuem Wohnraum, so Schmidt: „Die Stadt möchte durch die Wohnbauoffensive nicht nur quantitativ eine Nachfrage bedienen, sondern es geht dabei auch um eine qualitative Weiterentwicklung des Wohnungsmarktes, auch, um auf die künftigen Bedarfe in einer sich verändernden Gesellschaft oder auch des Arbeitsmarktes vorbereitet zu sein.“ Fehlender Wohnraum sei ein zentrales Hemmnis für Arbeitgeber, Arbeitsplätze in Wolfsburg zu besetzen – und somit ein Hemmnis für die Stadtentwicklung.

In einem gewissen Rahmen würde die Kommune Leerstand sogar begrüßen: Eine Fluktuationsreserve von etwa zwei Prozent der Wohnungen sei für einen funktionierenden Wohnungsmarkt positiv, erklärt Schmidt. Sie ermögliche Umzüge, biete Möglichkeiten für Modernisierung und Stadtumbau. Momentan steht weniger als jede hundertste Wohnung leer.

Die Erfahrungen von Neuland und Volkswagen Immobilien deuten darauf hin, dass große Wohnungen in Wolfsburg nicht ganz so gefragt sind wie von Verwaltung und Politik erwartet. VWI-Geschäftsführer Michael Leipelt erklärte im Interview, dass bei den Mietinteressenten Drei-Zimmer-Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmetern besonders gefragt seien. Die Neuland hat ihr Programm zum sozialen Wohnungsbau dahingehend geändert, dass sie künftig mehr Zwei- und Ein-Zimmer-Wohnungen statt Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen errichten wird, weil sie die größeren schlecht an den Mann bekommt. Im Baugebiet Hellwinkel-Terrassen sucht sie bis heute Erstmieter für einige gut ausgestattete Wohnungen von rund 110 Quadratmetern.

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