Bonpflicht: Belege landen in Wolfsburgs Bäckereien meist im Müll

Wolfsburg.  Seit diesem Jahr gibt es in Deutschland die Bonpflicht. Das halten Bäckereien und Kunden in Wolfsburg von dem neuen Gesetz.

Für dieses Brötchen gibt es einen Beleg. Die meisten Kunden, so berichten es die Wolfsburger Händler, nehmen den Kassenzettel aber nicht mit.

Für dieses Brötchen gibt es einen Beleg. Die meisten Kunden, so berichten es die Wolfsburger Händler, nehmen den Kassenzettel aber nicht mit.

Foto: Katharina Keller

Ein Brötchen und einen Milchkaffee zum Mitnehmen. So oder so ähnlich lauten viele Bestellungen in den Wolfsburger Bäckerläden an diesem Morgen.

„Möchten Sie den Bon mitnehmen?“, fragt Verkäuferin Mandy Michler schließlich den Kunden. Der schüttelt den Kopf und erklärt: „Brauche ich nicht.“ Und verschwunden ist der Mann.

Seit Anfang dieses Jahres gilt in Deutschland die Bonpflicht. Vor allem in Bäckereien ist diese ein Thema. Die Läden benötigen bis September eine technische Sicherheitseinrichtung: So sollen die Kassen fälschungssicher gemacht werden. In erster Linie geht es dem Staat um möglichen Steuerbetrug. Also gibt es für jedes Brötchen einen Beleg.

„Ich kann ja verstehen, dass Kunden den Bon mitnehmen, wenn sie im Supermarkt einen Großeinkauf tätigen oder eventuell etwas zurückbringen müssen. Aber ein Stück Torte lässt sich schlecht umtauschen“, erklärt Bianka Bruns, die bei Cadera in der Wolfsburger Porschestraße arbeitet. „Die meisten Kunden möchten den Beleg nicht mitnehmen“, hat Kollegin Mandy Michler nach der ersten Woche im neuen Jahr festgestellt.

In der Filiale der Brotmeisterei Steinecke am Nordkopf ist die Lage ähnlich. „Wir fragen jeden Kunden, ob er den Bon haben möchte“, berichtet eine Mitarbeiterin. Seit Beginn des Jahres sei die Bonpflicht oft Thema bei den Kunden. „Ich halte diese Belege für reine Papierverschwendung“, erklärt Michael Schoor. „Kaufe ich im Supermarkt größere Sachen, dann nehme ich den Bon mit. Aber doch nicht für ein paar Brötchen.“

Auch Harry Westphal lehnt nach seinem Einkauf dankend ab. „In Österreich ist der Kunde verpflichtet, den Beleg mitzunehmen“, berichtet Westphal indes. In unserem Nachbarland gibt es in der Tat wie in Italien auch eine sogenannte Annahmepflicht von Belegen. Hierzulande ist nur das Geschäft verpflichtet, den Beleg aufzubewahren.

In der Filiale der Leifert-Bäckerei in der Porschestraße liegen derweil zahlreiche Kassenzettel auf dem Verkaufstresen. Die wenigsten Kunden nehmen den Beleg mit: „Von zehn Kunden sind es vielleicht zwei bis drei“, hat Verkäuferin Erika Otte festgestellt.

Ursula Neumann ist eine Kundin, die ihre Belege regelmäßig mitnimmt. „Das mache ich immer“, erklärt die Frau, während sie die Quittung in ihre Tasche steckt. Angewohnheit sei das. Zuhause kontrolliere sie ihre Belege stets noch einmal, bevor diese dann im Papiermüll landen. „Und wenn ich in mehrere Geschäfte gehe, ist es ja oftmals auch sinnvoll, Bons aufzuheben.“

Auch in der Sülün-Bäckerei in der Rothenfelder Straße läuft die Kasse nach dem neuen System. „Der Bon wird automatisch ausgedruckt“, erklärt Inhaber Ahmet Sülün, während er ein Käsebrötchen verkauft. Die wenigsten seiner Kunden wollen den Kassenzettel allerdings mitnehmen, fügt Sülün hinzu. Also landen diese schließlich im Müll.

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