Wolfsburg: Fahndungsdruck auf Doppel-Serientäter

Sülfeld.  Auf den Videos ist der Unbekannte gut erkennbar, der für Brandstiftungen und Fahrzeug-Attacken verantwortlich sein soll. Auch Bürger werden befragt.

Am Montag verteilte die Polizei Plakate in Fallersleben und klingelte in Sülfeld und Ehmen an vielen Haustüren.

Am Montag verteilte die Polizei Plakate in Fallersleben und klingelte in Sülfeld und Ehmen an vielen Haustüren.

Foto: Darius Simka / regios24

Als sich in der ersten Jahreshälfte eine Serie von Brandstiftungen im Westen Wolfsburgs entwickelte, veröffentlichte die Polizei zur Fahndung Anfang Juli ein Foto aus einer Wildkamera, das den mutmaßlichen Täter zeigte. Am Montag kam heraus: Die Aufnahme ist Teil eines Videos, das die Kamera Ende März zufällig aufnahm. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Ausschnitte des Videos am Montag veröffentlicht – weil sie davon ausgehen, dass der Mann auch für die Serie gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr verantwortlich ist, die seit August für Angst und Schrecken sorgt.

Damit nicht genug. Weil der Unbekannte mit dem Deponieren großer Steine und Nagelbretter auf Landstraßen in der Dunkelheit definitiv auch Menschenleben in Kauf nimmt, macht die Polizei mit einer ungewöhnlichen Maßnahme zusätzlich Druck: Am Montagnachmittag schwärmten zirka 60 Beamte der Bereitschaftspolizei aus, wie Polizeisprecher Sven-Marco Claus berichtete. In Fallersleben brachten sie in Geschäften und an anderen viel frequentierten Stellen Plakate an, mit denen die Bevölkerung um Hinweise auf den gefährlichen Doppel-Täter gebeten wird. In Sülfeld und Ehmen gingen die Polizisten von Haus zu Haus, klingelten an den Türen und verteilten Flyer an rund 1800 Haushalte.

Insgesamt rund 40 Taten gingen nach Angaben des Polizeisprechers bisher auf das Konto des Unbekannten. Davon etwa ein Dutzend nächtliche Brände seit Februar in Sülfeld und Umgebung. Als die Polizei Anfang Juli das Fahndungsfoto aus der Wildkamera veröffentlichte, war damit Schluss. Allerdings gab es laut Claus damals keinen einzigen Hinweis auf den Fotografierten. Im August verlegte sich derselbe Täter – so die Theorie der Polizei – auf heimtückische Taten auf Landstraßen rund um Sülfeld, wo er in der Dunkelheit große Steine und Nagelbretter auf Fahrbahnen legte. Auch wurden Steine auf fahrende Autos geworfen, wie die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen erst gestern öffentlich machte. Ende Oktober befestigte der Attentäter einen Steinbrocken an einem Seil und ließ es von der Brücke Forstweg in Sülfeld zur Nordumgehung hinabhängen. Ein LKW prallte dagegen, der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt – wie auch die anderen Autofahrer, die den gefährlichen Hindernissen nicht ausweichen konnten.

So unterschiedlich die Vorgehensweise bei den beiden Tatserien ist, so gibt es doch auffallende Parallelen: Der Täter agierte bisher jeweils im Schutz der Dunkelheit, am Rande oder außerhalb von Wohnsiedlungen – und er sorgte für Beschädigungen. Außerdem verwies Polizeisprecher Claus auf die räumlichen und zeitlichen Zusammenhänge: Alle Taten passierten in oder in der Nähe von Sülfeld, beide Serien in dichter zeitlicher Abfolge.

Dass bis dato keine Menschen zu Schaden kamen, ist laut Polizei reiner Zufall. Wolfsburgs Polizeischef Olaf Gösmann sagte am Montag, als er die neue Leiterin der Fallersleber Polizei vorstellte: „Wenn ich im Dunkeln Steine auf die Straße lege, will ich Menschen schädigen.“

Zu vielen Einzelheiten teilt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts mit: So wollte Polizeichef Gösmann gestern nicht sagen, seit wann die Fahnder der dreiköpfigen Ermittlungsgruppe beim Zentralen Kriminaldienst davon ausgehen, dass die beiden Tatserien zusammenhängen.

Auch zum Tatmotiv hielt sich die Polizei bisher bedeckt: „Es gibt mehrere Theorien, aber dazu sagen wir nichts.“ Bei den Bränden waren es stets Flächen mit so genanntem Elefantengras gewesen – eine Pflanze zur Energiegewinnung in der Landwirtschaft. Wann und wo genau die Wildkamera den mutmaßlichen Täter filmte und warum die Polizei der Meinung ist, dass die Videosequenzen den Täter beider Serien zeigen, dazu äußerte sich der Polizeisprecher ebenfalls nicht. „Wir sind auf jeden Fall sicher, dass er es ist.“

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