Das moderne Heiligendorf hütet viele alte Schätzchen

Heiligendorf.  „WN bei uns“: Bewohner und Vereine halten den gut 860 Jahre alten Ort lebendig.

Idylle pur: die Schwinkermühle an der Schunter.

Idylle pur: die Schwinkermühle an der Schunter.

Foto: Katharina Keller

Der Blick über die Schunterwiesen und das plätschernde Wasser im Hintergrund lassen schon einmal kurz die Zeit vergessen. Ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfgeschehens von Heiligendorf befindet sich die Schwinkermühle mitten in dieser Idylle – es ist eines der Schmuckstücke des Ortes.

Die Mühle an der Schunter ist weit älter als 500 Jahre, sie wurde 1317 das erste Mal urkundlich erwähnt. Gemahlen wird längst nicht mehr. Die Pläne, hier ein Museum und Café anzusiedeln, sind ebenfalls Geschichte. Zum Bedauern von Ortsbürgermeister Marco Meiners – und vieler anderer Heiligendorfer.

Geschichten erzählt Heiligendorf jede Menge: Im Jahr 2003 feierte der Ort im Hasenwinkel sein 850-jähriges Bestehen. Die erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1153, als der Bischof von Halberstadt „Helgenthorp“ als abgabenpflichtiges Dorf erwähnt, berichtet Martina Weinert, die Vorsitzende des Vereins Heiligendorfer Kultur- und Brauchtumspflege (HKB). Sie hat die geschichtlichen Eckdaten für eine Übersicht zusammengetragen: Heiligendorf gehörte zu dem Besitz der Welfen, wobei es infolge der Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Linien der Welfen mehrfach den Besitzer wechselte; 1428 kam es endgültig zum Fürstentum Lüneburg. Später gehörte es zum Kurfürstentum und Königreich Hannover und wurde 1866 schließlich preußisch.

Die Historie hat der HKB an der ein oder anderen Stelle im Ort dokumentiert. An der „Alten Molkerei“ an der Barnstorfer Straße 18 beispielsweise. Heiligendorfer Historie erlesbar zu machen, das ist das Ziel. Vier Tafeln hat der Verein inzwischen aufgestellt. Auch auf dem Kirchplatz steht eines, es war das erste. Ein Schwarz-Weiß-Foto ist zu sehen. Helene Müller wird zitiert. Sie ist 1905 in Heiligendorf geboren und erzählt von ihrer Schulzeit. „So weiß ich heute auch noch genau, wie am Lütjerforthsbach der große Findling zu Tage kam, der 1913 als Erinnerung an die Befreiungskriege auf dem Schulhof aufgerichtet wurde“, heißt es hier unter anderem. „Die Tafeln kommen gut an“, berichtet die HKB-Vorsitzende.

Heiligendorf ist also ein Ort mit viel Historie. Im alten Ortskern stehen viele schmucke alte Häuser, liebevoll restauriert. „Hier ist viel passiert“, berichtet Meiners und blickt zu dem einen und anderen Haus. Die engen Gassen haben Charme. „Mit der Eingemeindung nach Wolfsburg 1972 begann eine rege Bautätigkeit im Ort, die Zahl der Wohngebäude versechsfachte sich. Im Dorf sind heute noch die unterschiedlichen Häuserformen im niedersächsischen Stil, im thüringischen Stil oder die Mischformen gut zu erkennen“, erläutert Martina Weinert.

Heiligendorf ist aber nicht nur ein Ort mit sehr viel Vergangenheit, sondern auch mit großer Zukunft: Hier entstehen Baugebiete wie etwa „Krummer Morgen“, den es am nordöstlichen Ortsrand einmal geben soll. Eingebettet werden in das Baugebiet soll ein Hospiz.

Aktuell hat Heiligendorf rund 2400 Einwohner. „Perspektivisch sind wir bei 3000“, berichtet Marco Meiners während des Rundgangs durch den Ort. Das Dorf wächst – und somit werden unter anderem auch die Rufe nach mehr Betreuungsplätzen in der DRK-Kindertagesstätte laut. Eine Idee des Ortsbürgermeisters ist die Entstehung einer zusätzlichen Bauernhof-Kita. Im kommenden Jahr wird es zudem zusätzlich eine weitere erste Klasse geben – dann also ist die Grundschule Schunterwiesen mit ihren Standorten Hattorf und Heiligendorf dreizügig.

Und weil es viele Kinder im Ort gibt, wünscht sich der Ortsbürgermeister auch einen schöneren Spielplatz für die Kleinen. In der Nähe des Kirchplatzes gibt es zwar einen, allerdings: „Es wäre schön, hätten wir hier auch Spielgeräte für die ganz kleinen Kinder“, betont Meiners unter anderem. „Heiligendorf wächst. Aber die Infrastruktur reicht nicht. Wir haben einige dicke Bretter zu bohren“, sagt er.

Es gibt einige Baustellen aus seiner Sicht. Eine weitere ist beispielsweise die Sanierung der Mehrzweckhalle, auf die die Heiligendorfer ebenfalls sehnsüchtig warten. Eine Besonderheit in Wolfsburg ist unter anderem das Lehrschwimmbecken im Sportzentrum. Und die Heiligendorfer sind sehr stolz drauf. Hier finden unter anderem Kurse für die Kleinen statt. Besonders attraktiv: Das Wasser ist stets 30 Grad warm.

Eine weitere Besonderheit in Heiligendorf ist der Familien-Sportverein für Naturisten Wolfsburg. Vor fast 50 Jahren kauften Verantwortliche das Gelände am Ortsrand in Richtung Barnstorf: 5,5 Hektar ist es groß – und der Verein hat in den vergangenen Jahrzehnten einen naturnahen und sehr idyllischen Freizeitpark geschaffen.

Der Ortsteilabend der Wolfsburger Nachrichten, „WN bei uns“ in Heiligendorf, findet am Donnerstag, 14. November, in der Mehrzweckhalle, Neue Straße, statt. Einlass ist um 17.30 Uhr, dann laden bereits die Stände der Vereine und der WN zum Informieren ein. Das Programm beginnt um 18 Uhr. Alle Heiligendorfer sind eingeladen, der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei

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