Ärzte und Stadtvertreter klären über Genitalbeschneidung auf

Wolfsburg.  Im Konferenzraum des Klinikums geht es um Folgen und mögliche Behandlungen dieses traditionellen Ritus.

Dr. Friedrich Habermann (von links), Beate Ebeling, Maja Wagner, Gwladys Awo, Dr. Cornelia Strunz, Dr. Akhil Chandra und Sylvia Cultis sind Verantwortliche des Informationsabends.

Dr. Friedrich Habermann (von links), Beate Ebeling, Maja Wagner, Gwladys Awo, Dr. Cornelia Strunz, Dr. Akhil Chandra und Sylvia Cultis sind Verantwortliche des Informationsabends.

Foto: Darius Simka / regios24

Das Thema schien weit weg. Es ist inzwischen jedoch in Wolfsburg angekommen. Die Rede ist von der weiblichen Genitalbeschneidung, die man auch als Genitalverstümmelung bezeichnen kann. Weltweit sind 200 Millionen Frauen davon betroffen. Von Fällen berichteten Sylvia Cultus vom Integrationsreferat und die Gleichstellungsbeauftragte Beate Ebeling, was Wolfsburg anbelangt. Sie sahen und sehen dringenden Handlungs- und Aufklärungsbedarf für Betroffene, Fachkräfte und die Öffentlichkeit. „Wir müssen über das Thema Genitalverstümmelung informieren und dafür sensibilisieren“, waren sich die beiden einig. In Kooperation mit dem Klinikum, vertreten durch den Medizinischen Direktor Dr. Akhil Chandra, und mit Dr. Friedrich Habermann vom Gesundheitsamt veranstalteten Sylvia Cultus und Beate Ebeling am Dienstag einen Abend mit dem Thema „Schnitte, die Körper und Seele verletzen“.

Rund 70 Teilnehmer, Hebammen, Gynäkologen, Urologen, Geriater sowie Mitarbeiter von Beratungsstellen trafen sich im Konferenzraum des Klinikums. Darunter war Alexandra Fastnacht. Sie ist beim Diakonischen Werk in der Flüchtlingsarbeit und in der Schwangeren- sowie in der Schwangerenkonfliktberatung tätig. „Ich habe mit betroffenen Frauen zu tun“, erklärte sie. Von dem Abend erwartete Alexandra Fastnacht sich „weitere Einblicke, zum Beispiel in Studien“, um ihre Arbeit weiter zu intensivieren. Sylvia Cultus und Beate Ebeling machten darauf aufmerksam, dass weibliche Genitalbeschneidung nicht unbedingt eine Frage der Religion sei, sondern traditionellen Ursprung habe. „Wir finden diese Praxis bei Muslimen genauso wie bei Christen.“

Warum man nicht nur Betroffene beraten, sondern alle für das Thema sensibilisieren müsse, fassten sie so zusammen: „Wir müssen auch die Mädchen schützen, die hier wohnen. Sie könnten in die Heimat geschickt und dort beschnitten werden. Den Familien muss die Rechtslage verdeutlicht werden. Weibliche Genitalbeschneidung ist bei uns verboten!“ Drei Vorträge bekam das Auditorium zu hören. Die Chirurgin Dr. Cornelia Strunz aus Berlin vom „Desert Flower Center Waldfriede“, Maja Wegener, Abteilungsleiterin bei Terre des Femmes - Menschenrechte für die Frau“ und Gwladys Awo vom Verein „Plan International“ waren die Referentinnen. Dabei standen grundsätzliche Fragen zu Folgen von Genitalverstümmelung ebenso im Fokus wie die Möglichkeiten einer Behandlung. Außerdem wurden die Teilnehmer des Informationsabends darauf hingewiesen, wo Unterstützung für Betroffene – zum Beispiel in Selbsthilfegruppen – zu finden ist.

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