„Der meint wirklich uns“ – Würdigung für die Trostinsel

Wolfsburg  Beim Gemeinsam-Preis wird die Arbeit der Trauerbegleiter der Hospizarbeit ausgezeichnet.

Die Kulisse des Braunschweiger Dom beeindruckte, der Rahmen ebenso. Die Krönung des Abends war schließlich der zweite Preis für die Vertreter der Wolfsburger Trostinsel beim Gemeinsam-Preis unserer Zeitung. „Heute gibt es kein anderes Gesprächsthema bei uns. Wir haben immer und immer wieder darüber geredet und sind ganz stolz“, freut sich Brigitte Werner einen Tag nach der großen Ehrung. Sie hat die Leitung des Sozialdienstes im Verein Hospizarbeit Region Wolfsburg inne und war gemeinsam mit dem Vorsitzenden Günther Wagner, ehrenamtlichen Trauerbegleitern und eine Gruppe von betroffenen Kindern und Jugendlichen bei der Preisverleihung dabei. Etwas nervös waren die Wolfsburger schon während des Ehrungsabends. Und als Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer dann eine persönliche Geschichte begann zu erzählen, war schnell klar: Die Laudatio, die Hofer da hält, hält er auf die Ehrenamtlichen der Wolfsburger Trostinsel. Die Kinder und Jugendlichen tippten und blickten sich aufgeregt an: Der meint wirklich uns.

Gemeinsam mit den Trauerbegleitern nahmen die Heranwachsenden den Preis entgegen. „Das war uns sehr wichtig“, berichtet Brigitte Werner. Denn auch, wenn es primär um die Würdigung der insgesamt 25 speziell geschulten Ehrenamtlichen gegangen sei, gehörten die Kinder schließlich dazu, betonte die Leiterin des Sozialdienstes – und die Kinder freuten sich unheimlich über die Wertschätzung der Leser, die das Engagement mit vielen Stimmen würdigten: Die Trostinsel bietet regelmäßige Treffen in Räumen in der Eichendorffstraße an. Die trauernden Kinder, die ein Familienmitglied verloren haben, haben hier Zeit und Raum – sie können traurig sein, sie können miteinander sprechen, malen. Sie dürfen ausgelassen sein. Rund 100 Familien aus der Region nutzen das Angebot mittlerweile. Die Kinder und Jugendlichen dürfen dabei so lange bleiben, wie sie eben wollen.

Hofer betonte in seiner Rede: „Ich sage ganz deutlich: Unsere Gesellschaft braucht solche Trostinseln.“ 2500 Euro Preisgeld gab es für die Wolfsburger Anlaufstelle. „Darüber freuen wir uns sehr. Schließlich finanziert sich dieses Projekt über Spenden – und das Geld können wir gut gebrauchen“, sagt Werner, die sich beeindruckt zeigt, wie breit aufgestellt unsere Region in Sachen Ehrenamt ist. Allen voran Leonie Bartschs Engagement findet die Wolfsburgerin toll: Die junge Frau setzt sich für Kinder in Ghana ein und wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. „Sie ist Einzelkämpferin und Tolles auf die Beine gestellt.“ Nach der Preisverleihung ging es übrigens für die Gruppe schnell wieder zurück nach Wolfsburg: Vor allem die Jungs drückten auf das Tempo, um das Relegationsspiel des VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel noch sehen zu können. „Die Mädels wären hingegen gerne noch geblieben“, berichtet Werner schmunzelnd.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder