Die sportlichste Familie der Stadt

Wolfsburg  Turnen, Handball, Leichtathletik – die Knipphals holten einige Meistertitel für den VfL

Sie sind echtes VfL-Urgestein, aus der Vereinsgeschichte gar nicht wegzudenken: Die Mitglieder der Familie Knipphals bescheren dem Verein seit Jahrzehnten Erfolge.

„Wir hatten hier fast eine ganze Nationalmannschaft.“
Hansjürgen Knipphals, über die glorreichen Zeiten der VfL-Handballsparte.

Christel Knipphals (79) wurde im Februar für ihre 65-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Sie war als Leichtathletin mehrfache Niedersachsen-Meisterin und Norddeutsche Meisterin. Ihr Mann, der ehemalige Handball-Nationaltorwart Hansjürgen Knipphals (83), gehört dem VfL seit 61 Jahren an. Mit ihm als Torwart wurden die Wolfsburger Handballer 1963 Deutscher Meister im Feldhandball.

Der Sohn Jens Knipphals (54), ebenfalls ehemaliger Deutscher Meister, hält seit 33 Jahren den Vereinsrekord im Weitsprung. 8,14 Meter sprang er am 28. Mai 1980 in Berlin. Im selben Jahr war der Wolfsburger für die Olympiade in Moskau aufgestellt. Doch aus dem Traum jedes Sportlers wurde nichts. Westdeutschland boykottierte die Olympischen Sommerspiele wegen des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan.

Und dann ist da noch der Enkel, Sven Knipphals (27). Er startet als Sprinter für den VfL Wolfsburg, war 2012 als Ersatzmann für die Staffel bei den Sommerspielen in London dabei. Im vergangenen Jahr wurde er außerdem Vize-Meister über 200 Meter in der Halle.

Christel Knipphals erinnert sich noch genau daran, wie sie mit 14 Jahren zum VfL kam. Ihre Mutter Irma Dziomba, Sportlehrerin am Ratsgymnasium, gehörte zu den Mitbegründern des Vereins. Beide Eltern waren Turner. „Frisch, fromm, fröhlich, frei“, scherzt Christel Knipphals. „Aber dazu hatte ich keine Lust.“ Christel Knipphals wurde Leichtathletin. Ein Zeitungsfoto aus den 50er-Jahren zeigt sie, wie sie auf langen Beinen durch das neue Stadion rennt. Die Häuser im Hintergrund sind noch in Bau.

Hansjürgen Knipphals kam 1952 aus Kiel nach Wolfsburg, weil er im Werk Arbeit fand. Ein Glück für den VfL, der so den Torwart von THW Kiel dazugewann. „Später hatten wir hier fast eine ganze Nationalmannschaft“, erzählt Hansjürgen Knipphals. In jener Zeit kamen viele begabte Sportler des Berufes wegen nach Wolfsburg. „Da hat der VfL unglaublich von profitiert“, sagt Christel Knipphals. Heute hingegen sei ja nichts mehr los – außer Fußball.

Dass der Fußball hier wie andernorts alle anderen Sportarten an den Rand gedrängt hat, findet das Ehepaar betrüblich. „Diese Einkauferei hat mit unserem Sport nicht mehr viel zu tun“, sagt Christel Knipphals. Sie glaubt, dass Kinder und Jugendliche zu vielen Ablenkungen ausgesetzt sind, um sich ernsthaft für Leichtathletik oder Handball zu interessieren. Die Zeiten haben sich geändert. „Wir waren damals froh. Nach dem Krieg war es ein Erlebnis, wenn wir zu einem Sportfest nach Braunschweig fahren konnten“, sagt die ehemalige Weitspringerin und Sprinterin.

Den Leistungssport hängte Christel Knipphals 1957 an den Nagel. 1958 wurde sie Mutter. Danach spielte sie noch lange Zeit mit Begeisterung Tennis. Ihr Mann reiste als Abteilungsleiter bei VW um die Welt, hatte keine Zeit mehr, um sich regelmäßig auf dem Feld zu betätigen. Wann immer er konnte, fuhr er Sohn Jens zu Wettkämpfen. Das Interesse am Sport ist den Wolfsburgern bis heute geblieben. „Wir verfolgen alles, was sportlich ist“, sagt Christel Knipphals. Auch ihr Mann fiebert mit: „Beim Zugucken treibe ich Sport.“

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