Winterabend in Schladen lädt zu einer Zeitreise ein

Schladen.  Im Heimathaus Alte Mühle zeigen Exponate und ein Vortrag das sechste Jahrhundert und das Beuchter Gräberfeld.

Martina Kluck (von links), Archäologe Lothar Jungeblut, Dorothee Schacht, Steffen Busse und Anja Stadelmann sehen sich eine Keramik-Replik an.

Martina Kluck (von links), Archäologe Lothar Jungeblut, Dorothee Schacht, Steffen Busse und Anja Stadelmann sehen sich eine Keramik-Replik an.

Foto: Frank Schildener

Eine spannende Zeitreise in die Geschichte unserer Region erlebten die Besucher des Winterabends im Heimatmuseum Alte Mühle am Donnerstagabend. Es ging zu Besuch ins sechste Jahrhundert, die Zeit des Gräberfeldes von Beuchte.

Das Heimathaus in Schladen ist um eine Attraktion reicher. Seit einiger Zeit ist dort die Grab-
rekonstruktion eines Kriegers aus dem Beuchter Gräberfeld zu sehen, die zuletzt in der Abteilung Archäologie des Braunschweigischen Landesmuseums in der Wolfenbütteler Kanzleistraße zu sehen war. Aber war dieser Krieger ein sächsischer? Dieser Frage ging der Winterabend im Heimathaus Alte Mühle im Rahmen eines Vortrages des Archäologen Lothar Jungeblut nach.

Mit großem Interesse verfolgte das Publikum, jeder Platz war besetzt, die Zeitreise Jungebluts durch die Entwicklung von Stammesgebieten und der Völkerwanderung bis ins sechste Jahrhundert und zum Gräberfeld bei Beuchte. Viel Lob gab es dabei für die Ausstellung im Erdgeschoss des Heimathauses. „Die archäologische Ausstellung hier kann sich mit den allermeisten Kreismuseen messen. Die Qualität der Exponate ist sehr hoch“, sagte Jungeblut.

Über sechs Jahre lang wurde das Gräberfeld bei Beuchte ab 1954 ausgegraben, berichtete er. „Die Originalfunde sind derzeit nirgendwo zu sehen“, bemängelte er. Der Beuchter Fund sei ein Glücksfall, weil es in unserer Region nur wenige aussagekräftige Funde für das sechste Jahrhundert gebe.

Er stellte zunächst in seiner Präsentation einige Gräber aus Beuchte vor. Besonders sei die „Dame von Beuchte“, in deren Grab sich unter anderem die berühmte Beuchter Silberfibel mit ihrer rückwärtigen Runeninschrift fand. Ganz vereinfacht dargestellt, wurden mit diesen Fibeln Kleider oder Mäntel verschlossen. Ebensolches gelte für das „Kriegergrab“, das erst im Landesmuseum und jetzt im Heimathaus zu sehen ist.

Die Grabbeigaben, vergleichbar mit ähnlichen Gräbern im Westen, ließen auf einen höhergestellten Mann schließen. Neben dem rekonstruierten Grabbett waren Schwerter und Lanzen, auf einem Tisch anbei rekonstruierter Schmuck und Keramik zu sehen. Die hatten Anja Stadelmann, Steffen Busse und Martina Kluck mitgebracht.

Sie zeigen in ihrer Freizeit originalgetreu rekonstruierte Kleidung und Schmuck der Merowingerzeit, wie die Phase des beschriebenen Jahrhunderts auch genannt wird. Es war spannend, die Fotos der originalen Fundstücke in der Präsentation neben den rekonstruierten Schmuckstücken und Waffen zu sehen. Die drei Living-History-Darsteller standen während und nach dem Vortrag geduldig Rede und Antwort für die zahlreichen Fragen des interessierten Publikums. Und der Krieger, ein sächsischer? Das lässt sich aktuell nicht klären.

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