Wolfenbütteler Gastronomie blickt in eine ungewisse Zukunft

Wolfenbüttel.  Trotz Abholservice und Bringdienst ist die Lage durchwachsen. Einige Gastronomen wollen Öffnungszeiten verlängern.

Steffi und Nourdin Tires in ihrem neuen Feinkost-Mobil. Hier wollen sie an den Adventswochenenden ihre kulinarischen Produkte anbieten. 

Steffi und Nourdin Tires in ihrem neuen Feinkost-Mobil. Hier wollen sie an den Adventswochenenden ihre kulinarischen Produkte anbieten. 

Foto: Tobias Schneider

Mittagszeit in der Wolfenbütteler Innenstadt. Die Fußgängerzone ist gut gefüllt, Menschen holen sich bei Imbissen und Restaurant ihre Mahlzeit für die Mittagspause. Vor einigen Läden gibt es sogar längere Schlangen. Ist das ein gutes Zeichen für die Gastronomie? Kommen die Restaurants doch mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise und die Weihnachtszeit? Und: Welches Lokal öffnet an den Feiertagen? Wir haben bei einigen Gastronomen nachgefragt.

Eine lange Warteschlange gab es am Mittwochmittag auch vor dem Feinkostladen Tires in den Krambuden. Dort gibt es unter anderem Burger, Sandwiches und orientalische Hackbällchen – alles zum Mitnehmen. Der Innenbereich ist für Gäste geschlossen. „Wir verkaufen seit jeher schon über Theke nach draußen. Dennoch ist das derzeit noch eine ganze andere Hausnummer“, erzählt Steffi Tires gegenüber unserer Zeitung.

Zuschuss vom Land ist noch nicht ausgezahlt

Trotz der vielen Gäste in der Mittagszeit, laufe das Geschäft derzeit eher durchwachsen. Zwar würden einige Menschen den Abholservice nutzen, allerdings kämen nicht mehr so viele Gäste, wie noch vor der Pandemie. „Das macht schon etwas mit der Psyche. Mich belastet das schon“, gibt Tires zu.

Vor allem die noch nicht ausgezahlten Zuschüsse vom Land und Bund machten Steffi und Sohn Nourdin Tires zu schaffen. Das Land Niedersachsen stellt insgesamt 110 Millionen Euro für betroffene Branchen als Überbrückungshilfe zur Verfügung. 40 Millionen sollen laut Wirtschaftsministerium für Tourismus und Gastronomie bestimmt sein.

„Leider ist noch nichts gekommen. Zum Glück haben wir von privaten Unterstützern etwas Geld bekommen. Das hat uns zu Tränen gerührt. Leider wissen wir es noch nicht, wie wir es zurückzahlen können“, so Steffi Tires.

Den Mut verlieren komme für Familie Tires jedoch nicht in Frage. Sie wollen nach vorne gehen und den Menschen zeigen, dass sie noch da sind. Seit wenigen Tagen steht deswegen ein Wagen mit ihrem Logo vor dem Laden. „Dort werden wir an den Adventswochenenden unser kulinarisches Angebot anbieten. Glühwein gibt es auch. Wir wollen am Wochenende auch bis 18 Uhr öffnen“, verrät Nourdin Tires. An Heiligabend möchten Mutter und Sohn ihr Geschäft bis zum Nachmittag öffnen.

Abholservice vom Café Kaffeezeit

An den Feiertagen öffnen möchte auch Sabine Umunna vom Café Kaffeezeit in der Okerstraße – wenn es

denn wieder erlaubt wird. Derzeit schmückt sie ihr Lokal schon einmal weihnachtlich. Sie habe momentan etwas mehr Zeit zu dekorieren, weil nicht viele Gäste vorbeikämen. Auch ihr fehlen die Zuschüsse vom Land. „Das ist schon schwer. Momentan kann ich nicht von den Einnahmen leben“, gibt sie zu.

Auch das Café Kaffeezeit bietet einen Abholservice an. Im Angebot sind neben selbst gemachten Kuchen, auch fair gehandelter Kaffee und Kürbissuppe zum Mitnehmen. Den Service würden derzeit vor allem Stammkunden nutzen. „Während des ersten Lockdowns im Frühjahr habe ich angeboten, meine Sachen mit dem Fahrrad vorbeizubringen. Jetzt im Dezember ist das dann doch zu kalt“, sagt Umunna mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

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Warten auf Anweisungen

Ihr mache das Arbeiten nach wie vor viel Spaß und es mangele ihr nicht an Kreativität und Willen, die Menschen noch in ihr Café zu locken. „Ich werde ab Samstag auch bis 18 Uhr geöffnet haben. Damit die Besucher die Chance haben, nach dem Bewundern der Weihnachtsbeleuchtung, auch noch etwas Leckeres zu essen“, sagt Umunna.

Ob das Vinum Italicum am Schiffwall an Weihnachten öffnen wird, weiß Chef Alfio Fichera noch nicht. „Wir warten auf die Anweisungen der Bundesregierung.“ Der Abholservice laufe bei ihm in der Woche eher schlecht. Nur wenige Menschen würden vorbeikommen. Am Wochenende sei es dann nur ein wenig besser. „Wir nutzen die Zeit, um etwas zu renovieren. Wir verlassen uns jetzt darauf, dass Hilfe bald kommen wird“, sagt Fichera. Auch sie hätten den Zuschuss des Landes noch nicht bekommen.

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