„Stadtbücherei Wolfenbüttel ist auf einem sehr guten Weg“

Wolfenbüttel.  Wegen der Pandemie mussten die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Freundeskreises der Stadtbücherei Wolfenbüttel abgesagt werden.

Zum internationalen Tag des Buches veranstaltet der Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel jedes Jahr einen Bücherflohmarkt, dessen Erlös der Stadtbücherei im Kulturbahnhof zugute kommt.

Zum internationalen Tag des Buches veranstaltet der Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel jedes Jahr einen Bücherflohmarkt, dessen Erlös der Stadtbücherei im Kulturbahnhof zugute kommt.

Foto: Karl-Ernst Hueske (Archiv)

In diesen Tagen wollte der Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel eigentlich sein 25-jähriges Bestehen feiern. Aber die Feierlichkeiten mussten wegen der Pandemie abgesagt werden. Sie sollen 2021 nachgeholt werden. Über den Verein, der die Stadtbücherei seit einem Vierteljahrhundert unterstützt, sprach Redakteur Karl-Ernst Hueske mit der Vereinsvorsitzenden Gabriele Drewes.

Was war zum Jubiläum geplant?

Am 14. November hatten wir eine Festveranstaltung in der Stadtbücherei mit unseren Mitgliedern, den Mitarbeitern der Stadtbücherei und einigen Gästen geplant.

Lassen Sie uns einmal zurückblicken. Warum wurde 1995 der Freundeskreis überhaupt gegründet?

Schon Anfang 1974 wurde über eine Fusionierung von Stadt- und Kreisbücherei in den Fraktionen diskutiert, aber verworfen. 1995 kam es wieder auf die Tagesordnung, „um Kosten einzusparen“. Die Stadtbücherei, zentral in der Kommissstraße gelegen, sollte in die viel zu kleinen Räume der Kreisbücherei im Bildungszentrum in die Harzstraße umziehen. Es formierte sich ein empörter Aufschrei in der Bevölkerung. Danach gab es keine politischen Mehrheiten mehr für die Zusammenlegung. Am 14. November 1995 gründeten 27 Bürgerinnen und Bürger den Freundeskreis, „um die Arbeit der Stadtbücherei als kulturelle und soziale Institution zu fördern“ heißt es in der Satzung.

Die Anfangsjahre waren also vom Kampf gegen die geplante Schließung der Stadtbücherei geprägt.

Ja, aber wir wollten neben der finanziellen und ideellen Unterstützung von Anfang an eigene Veranstaltungen und Aktivitäten für jedes Alter anbieten. Damit soll die Stadtbücherei immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Sie soll attraktiv, interessant und lebendig sein, wir wollen die kulturelle Szene mit büchereispezifischen Angeboten bereichern. Lesen ist eine Schlüsselkompetenz, deshalb war und ist uns die Leseförderung sehr wichtig, um Lesekompetenz zu erlangen.

Aber nach diesem Kampf ging es aufwärts für die Stadtbücherei und zwar mit neuen Räumen im Kulturbahnhof. Wie kam es dazu?

Nach und nach wurden der Stadtbücherei Räume im Haus in der Kommissstraße weggenommen. Bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises 1998 brachte deshalb der Vorstand den Bahnhof als neuen Standort der Stadtbücherei ins Gespräch. Nach diversen Widrigkeiten wurde acht Jahre später der umgebaute Kulturbahnhof und die Stadtbücherei in neuen Räumen mit neuen Möbeln eingeweiht. Ein Erfolg unserer politischen Lobby-Arbeit.

Wie hat der Freundeskreis neben den Mitgliederbeiträgen Einnahmen erzielt?

Wir haben mehrere Möglichkeiten. Bei unseren Veranstaltungen stellen wir unser Spendenbuch auf. Zum Tag des Buches am 23. April findet jährlich ein großer Bücher-Flohmarkt statt. Seit 2007 gibt es donnerstags den kleinen Bücher-Flohmarkt im Gewölbe der Stadtbücherei. Wir werben Drittmittel ein und bekommen einzelne Spenden.

Womit hat der Freundeskreis die Stadtbücherei in den vergangenen 25 Jahren unterstützen können?

Es fing im ersten Jahr des Bestehens mit dem Kauf von Stühlen und Sitzkissen für Kinder an. Neben vielen Büchern hat der Freundeskreis die Grundausstattung von Hörbüchern finanziert. Körbe und Wagen, die große Uhr und DVD’s wurden von uns angeschafft. Der Freundeskreis übernahm den größten Teil der Kosten für das neue Erscheinungsbild der Stadtbücherei, auch das neue Logo. Die Anschubfinanzierung für die E-Book-Ausleihe und die ersten Bücher für den neuen Leseclub für 8 bis 12-Jährige wurden von uns finanziert. Zur Sprachförderung für Flüchtlinge hat der Freundeskreis Lehrmaterial besorgt und und und...

Neben der Unterstützung der Stadtbücherei fiel der Freundeskreis auch immer wieder durch besondere Veranstaltungen für seine Mitglieder auf. An welche erinnern Sie sich besonders gern?

Die Antwort fällt schwer, da wir sehr unterschiedliche Veranstaltungen hatten. Seit 1999 wurden die Frauen-Kulturtage von uns eröffnet. Die Einweihung des Kulturbahnhofes mit dem Sketch „Frau Kultur heiratet Herrn Bahnhof“, bei der Bürgermeister Gummert die Trauung übernahm, war ein Höhepunkt. Zwei Lesemarathons – „Ulysses“ und „Simplizissimus“, das große Kinderfest, Sketche und Lesungen zu den Themenjahren des Kulturstadtvereins, Lesungen bei jeder Kulturnacht, … an alle und andere erinnere ich mich gerne.

Außerdem hat der Freundeskreis auch die Wolfenbütteler Kinder- und Jugendbuchwoche initiiert.

2007 fand die erste Kinder- und Jugendbuchwoche im November statt, angelehnt an die Braunschweiger Jugendbuchwoche. Ein fünfköpfiges ehrenamtliches Projektteam vom Freundeskreis hatte Sponsoren gefunden, alle Lesungen organisiert, Flyer und Plakate entworfen und betreute die Autoren in der Woche. Seit 2010 ist die Woche mit über 100 Lesungen an den Schulen und mehreren öffentlichen Lesungen ein fester Bestandteil der Wolfenbütteler Kulturszene. Wenn Corona es zulässt, soll die 13. Auflage im März 2021 sein.

Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung der Stadtbücherei?

Die räumliche und personelle Situation der Stadtbücherei ist zurzeit gut. Durch die Neukonzeption ab 2017 bis 2022 stellt sich die Stadtbücherei modern und neu auf. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen werden von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Das Medienverhalten hat sich geändert, hier wird die nötige Medienkompetenz vermittelt. Wenn auch die baulichen Veränderungen abgeschlossen sind, haben wir eine Familienbibliothek, die ein nicht kommerzieller Lernort ist, an dem sich alle Altersgruppen gerne aufhalten. Ich sehe die Stadtbücherei auf einem zeitgemäßen sehr guten Weg.

Warum benötigt die Stadtbücherei immer noch Unterstützung durch den Freundeskreis und warum sollte man Mitglied dieses Vereins werden?

Es wird immer Wünsche in der Stadtbücherei geben, die das Budget nicht hergibt. Der Freundeskreis hilft dabei. Je mehr Mitglieder wir haben, desto besser unterstützen wir die Stadtbücherei ideell und finanziell, wobei Mitgliedsbeiträge und Spenden steuerlich absetzbar sind. Wir sind die Interessenvertretung der Leser.

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