Lab4Land: Junge Gründer wollen Landwirtschaft revolutionieren

Schöppenstedt.  Beim Lab4Land-Programm in Schöppenstedt (Kreis Wolfenbüttel) tüfteln Start-up-Teams aus ganz Deutschland an ihren Geschäftsideen, so wie Climate Farmers.

Nick Steiner (links) und Benedikt Flock gehören zum "Climate Farmers"-Team. Das junge Unternehmen will den Boden für das Zukunftsthema regenerative Landwirtschaft in Deutschland bereiten. Im Hintergrund sind die Zelte zu sehen, in denen die Gründer-Teams derzeit in Schöppenstedt wohnen.

Nick Steiner (links) und Benedikt Flock gehören zum "Climate Farmers"-Team. Das junge Unternehmen will den Boden für das Zukunftsthema regenerative Landwirtschaft in Deutschland bereiten. Im Hintergrund sind die Zelte zu sehen, in denen die Gründer-Teams derzeit in Schöppenstedt wohnen.

Foto: Maria Osburg

Ivo Degn hat eine Vision. Der junge Gründer träumt von landwirtschaftlichen Praktiken jenseits von konventioneller Düngung und Bodenbearbeitung; von einer Bewirtschaftung, die „Mutter Erde“ stärkt. Gemeinsam mit einem Co-Gründer und dem Team ihres jüngst an den Start gegangenen Unternehmens Climate Farmers plant der 28-Jährige das Trendthema „regenerative Landwirtschaft“ in Deutschland populär zu machen und damit Stück für Stück konventionelle Methoden abzulösen. Denn momentan „führen wir einen Krieg gegen den Boden“, wie es Mitstreiter Nick Steiner ausdrückt.

Die Grundprinzipien der regenerativen Bewirtschaftung sind: so wenig mechanische, physische und chemische Beeinflussung des Bodens wie möglich; ganzjährige Bodenbedeckung; Förderung der Biodiversität von Lebewesen und Pflanzen; langer Erhalt von lebenden Wurzeln und die Integration von Tieren in den Betrieb. Das Thema ist laut Bauernzeitung in Amerika bereits „im Mainstream angekommen“, während es in Deutschland ein Nischendasein fristet. Degn ist aber überzeugt, dass der Zuspruch auch hierzulande massiv wachsen wird. Climate Farmers wollen die benötigte Infrastruktur aufbauen und konventionellen Betrieben dabei helfen, umzustellen. Dabei arbeiten sie mit und nicht gegen die Landwirte, wie das Team betont.

Teams sollen langfristig gefördert werden

Climate Farmers ist eines der vier Start-ups aus ganz Deutschland, die aktuell ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt nach Schöppenstedt in den Landkreis Wolfenbüttel verlegt haben. Das Team ist Teil des ersten Jahrgangs von Lab4Land, einem Programm, das sich an junge und neu gegründete Start-ups richtet und ihnen dabei helfen soll, sich schneller zu entwickeln. Vier Wochen lang können die Gründer und Gründerinnen auf dem Gelände des ersten dauerhaften Coworking Spaces im Landkreis Wolfenbüttel, der DStation, kostenfrei wohnen und arbeiten.

Sie werden von Mentoren beraten, können sich mit potenziellen Kunden vor Ort vernetzen und werden bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee von erfolgreichen Unternehmern und Unternehmerinnen beraten. Lab4Land wird von der Stiftung Zukunftsfonds Asse, der CoWorkland eG und der DStation getragen, die von dem Investoren-Ehepaar Ralph und Imke Dreßler betrieben wird. Die beiden sind in verschiedene Start-ups investiert und bringen ihre Kontakte in das Programm mit ein. Anfang Oktober schließt Lab4Land mit einer Präsentation vor Investoren. Ziel des sogenannten Accelerators ist es, mindestens zwei Teams im Anschluss weiter zu fördern.

Gründer campen auf dem Gelände der DStation

Das Besondere an Lab4Land ist die Fokussierung auf Innovationen für den ländlichen Raum und soziales Unternehmertum, das sich für die Lösung sozialer Probleme einsetzt. Ursprünglich sollten sieben Teams ihre Zelte in Schöppenstedt aufstellen (die Gründer sind auf dem Gelände in einem kleinen Camp untergebracht), aber nur vier Teams überzeugten. Projekt-Koordinator Lasse Kroll ist trotzdem zufrieden: „Wir haben einen tollen Start hingelegt. Wir haben spannende Teams und die Atmosphäre ist super.“

Von früh bis teilweise spät in die Nacht wird an Businessplänen gefeilt, werden Websites gebaut und vor allem: viele, viele Gespräche geführt. Denn einige Teams trafen sich in Schöppenstedt das erste Mal live, so auch das Landwirtschafts-Start-up Climate Farmers. Der Kontakt fand bis dahin telefonisch oder online statt. Die Teammitglieder sind in Deutschland verstreut, arbeiten teilweise auf Farmen im Ausland. „Hier haben wir die Möglichkeit als Team zusammenzukommen und zu reifen“, sagt Gründer Degn.

Kunden bestimmen Dienstleistungen

Climate Farmers stellt die Bedürfnisse der Kunden radikal in den Mittelpunkt, deswegen ist bislang unklar, welchen Service sie konkret anbieten wollen. Beratung und Bildungsangebote sind unter anderem im Gespräch. Antworten sollen Befragungen der Zielgruppen bringen. Ein Teammitglied ist beispielsweise derzeit unterwegs und besucht Betriebe, die bereits auf regenerative Landwirtschaft umgestellt haben.

Die jungen Gründer wollen das Wissen über die verschiedenen Praktiken sammeln und verbreiten. Denn jeder Standort ist anders und benötigt eigens angepasste Methoden für die Bewirtschaftung. „Es gibt bereits Kurse, die für viel Geld angeboten werden. Wir wollen das Grundwissen aber kostenfrei anbieten“, sagt Teammitglied Nick Steiner, „und beispielsweise dann Zusatzangebote wie Beratungen kostenpflichtig anbieten. Mir ist es wichtig, sinnvolle Dinge für den Planten zu tun.“ Das sieht Gründer Degn genauso: „Das, was wir in die Welt setzen, soll gut sein.“

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