Nutella und Sonnenblumenkerne helfen bei der Rübenaussaat

Gielde.  Die Zuckerrübenaussaat geht los. Lesen Sie hier, welche Arbeitsschritte dafür notwendig sind.

Zuckerrübenaussaat im Warnetal bei Gielde: Landwirt Söhnke Schlüter überprüft die Rammscheiben der Mulchsaatmaschine, über die in 21-Zentimeter-Abständen jeweils eine Zuckerrüben-Saatpille rund zwei Zentimeter tief in den Ackerboden gedrückt wird.  

Zuckerrübenaussaat im Warnetal bei Gielde: Landwirt Söhnke Schlüter überprüft die Rammscheiben der Mulchsaatmaschine, über die in 21-Zentimeter-Abständen jeweils eine Zuckerrüben-Saatpille rund zwei Zentimeter tief in den Ackerboden gedrückt wird.  

Foto: Jörg Kleinert

Es ist ein Blick hinter die Kulissen im Zuckerrübenanbau. Landwirt Söhnke Schlüter gewährte ihn uns – und das einen ganzen Sommer lang, von der Aussaat bis zur Ernte.

Der Lengder ist an diesem Vormittag auf einem Acker im Warnetal bei Gielde im Einsatz. Schlüter drillt Rübensamen-Pillen, aus denen in den kommenden Wochen die süße Hackfrucht wächst, ehe sie ab September mit dem Kampagnebeginn im Nordzucker-Werk in Schladen zu Zucker verarbeitet wird. „Etwa 65 Prozent der Zuckerrüben-Anbaufläche im nördlichen Harzvorland werden bis zu diesem Wochenende gedrillt sein“, erzählt Andreas Sonnenberg, Anbauberater von Nordzucker.

Starkregen wäre ein Problem

Die Witterungsbedingungen dieser Tage? „Optimal“, sagt Landwirt Schlüter. Die Äcker sind schön abgetrocknet, das Saatbett feinkrümelig, aber nicht zu fein. Der Boden in zwei Zentimeter Tiefe ist feucht. Genau so mag es die Saatpille. In diesem Umfeld wird sie in den nächsten zehn Tagen platzen – „aufgehen“ nennt es der Landwirt – und den Rüben-Keimling freigeben.

Fürchten – wenn man es denn so bezeichnen möchte – muss die Rübensaat in den nächsten Tagen nur wenige äußere Umstände. „Okay“, sagt Schlüter, „Starkregen muss es nicht unbedingt geben.“ Der Grund: Bei Starkregen könnte die gelockerte Oberfläche verschlämmen, dann verkrusten. Dem Rüben-Keimling wäre so der Durchbruch erschwert.

Landwirte tricksen die Feldmaus aus

Und dann ist da noch die Feldmaus. Unzählige Erdlöcher an den Feldrändern deuten auf sie hin. Zu sehen ist der flinke Vierbeiner tagsüber nicht, umso aktiver ist der kleine Nager nachts. „Die frisst die frisch gedrillten Pillen aus dem Boden“, sagt Anbau-Experte Sonnenberg. „Eine Maus schafft pro Nacht um die 1000 Pillen.“ Doch was ist gegen den Nager zu tun? „Wir haben Ablenkungsmittel“, erzählt Schlüter. Zum Beispiel an Feldrändern ausgelegte Sonnenblumenkerne. Die mag die Maus. „Der Geheimtipp ist aber Nutella. Dafür lässt die Maus auch unsere Saatpillen in Ruhe.“

Drillen: So funktioniert es

Schlüter, Säspezialist der in Gielde ansässigen und aus sechs Betrieben bestehenden Gesellschaft Agrar-Vorharz, legt die ummantelten Rübenpillen mit der 12-reihigen Drillmaschine in die Erde. Unterstützt wird er an diesem Tag von Oliver Zalesinski, Landwirt aus Gielde. Bei einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und einer Ablageentfernung von 21 Zentimetern in der Reihe bringen die beiden Landwirte pro Hektar rund 100.000 Samen in rund zwei Zentimeter Tiefe aus. „Davon sollten letztlich etwa 90.000 Pflanzen bleiben“, rechnet Schlüter vor. Setze man 800 bis 900 Gramm als Durchschnittsgewicht für eine Rübe an, komme man im Herbst theoretisch auf einen Ertrag von 70 bis 75 Tonnen Rüben je Hektar.

Bald laufen die Rüben auf

Mit einer täglichen Flächenleistung zwischen 20 bis 30 Hektar in den zuvor mit Biogassubstrat

hergerichteten Boden darf getrost von einem Vollzeit-Job gesprochen werden, sagt Schlüter. Für die rund 125 Hektar Anbaufläche der Agrar-Gesellschaft seien rund fünf Tage angesetzt. „Wegen Corona arbeiten wir in Zwei-Mann-Schichten, also zeitversetzt“, sagt der Landwirt. „Damit wir uns möglichst nicht begegnen, sollte sich doch mal einer angesteckt haben.“

Irgendwann um Ostern herum dürften die Keimlinge auflaufen, mutmaßt Sonnenberg. Dann droht dem jungen Rüben-Keimblatt die nächste Gefahr: Bei sehr feuchten Bedingungen, so Andreas Sonnenberg, können Nacktschnecken das junge frische Grün sehr schnell auffressen. „Diese kleinen Schnecken sind meist keinen Zentimeter groß“, sagt der Anbauberater. „Hat die Rübe Glück und das Hypokotyl, also der Punkt, aus dem die Laubblätter geschoben werden, bleibt erhalten, dann kann sie überleben.“

Darüber, wie es der Zuckerrübe in 14 Tagen geht, berichten wir in einem zweiten Teil in der Woche nach Ostern.

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