Der Wolfenbütteler Ingo Lutz ist Fachmann für Vintage-Brillen

Wolfenbüttel.  Mit einem Flohmarkt begann seine Leidenschaft für alte Brillen. Manchmal fragen auch Regisseure an. Zur Kulturnacht wurden die Modelle gezeigt.

Augenoptikermeister Ingo Lutz kennt sich bestens mit Vintage-Brillen aus. Besonders Modelle aus den 60er bis 80er Jahren sind gefragt.

Augenoptikermeister Ingo Lutz kennt sich bestens mit Vintage-Brillen aus. Besonders Modelle aus den 60er bis 80er Jahren sind gefragt.

Foto: Frank Schildener

Zur Kulturnacht im September war das Ladengeschäft von „Hanssen by Herr Lutz“ nahezu vollständig mit Vintagebrillen ausgestattet. Was steckte dahinter?

„Wir haben für die Kulturnacht tatsächlich alle modernen Brillen ausgeräumt und durch unsere Vintagebrillen ersetzt“, erzählt Lutz. Tatsächlich kämen fast alle alle Brillen aus eigenem Bestand.

„Früher sind nicht verkaufte Brillen aufgehoben und in Kartons gesammelt worden“, berichtet er beim Rundgang durch die Laden- und Werkstatträume. Oft seien diese Brillen als Ersatzteillager genutzt worden. „Das war ein ziemliches Durcheinander.“

Bei einem Berlinbesuch Ende der 90er Jahre trifft er Freunde, die zu einem Flohmarktgang anregen. „Das war ein Schlüsselerlebnis“, sagt er, holt dann eine Reihe Kartons aus dem benachbarten Lagerraum und stellt sie auf den Tisch, jeder Karton randvoll mit Brillen. „Auf diesem Flohmarkt wurden alte Brillen verkauft. Wir haben uns dann selbst mal mit einigen Brillen auf den Markt gestellt. Sie gingen weg, wie geschnitten Brot“, berichtet er.

„Ich mag die Formensprache und das Design alter Brillen“, sagt Lutz dann und legt eine Sonnenbrille mit hellbraunem Gestell auf den Tisch. Je nach Lichteinfall schimmern Strukturen durch, die in ihrer Farbgebung an Bernstein mit klar strukturierten Einschlüssen erinnern. „Das ist in den Kunststoff eingelegte Seide“, erklärt er dazu. Die Brille sei aus Optyl. „Dior hat damit gearbeitet. Damit waren anders mit gewöhnlichem Acetat-Kunststoff für die damalige Zeit extrem ungewöhnliche Brillen möglich“, weiß Lutz. Schnell gerät der Besuch zu einer Reise durch die Kultur- und Designgeschichte der Brille seit den späten 60er Jahren.

Aus einer Kiste befördert Lutz Brillen mit ungewöhnlichen Metallgestellen aus den 70-er Jahren. „Die Formen sind schon besonders, einige mit kleinen Strasssteinen besetzt. Das kann heute fast niemand mehr“, erzählt er. Eine Cazal-Brille der 80er, mit ihren farblichen Akzentuierungen im Rahmen, würden wir eher als Damenbrille identifizieren, ebenso andere, deren Gestelle mit Strass-Steinen besetzt sind. „Das sind durchaus Herrenbrillen“, erklärt Lutz. Später seien diese in den USA besonders in der Rap-Szene beliebt gewesen. Vintage sei durchaus auch bei Designern wie Armani ein Thema gewesen, der die sogenannte Schubert-Brille, ein dünnes Rundgestell mit Gespinstbügel hinter dem Ohr, neu gestaltet hatte.

Offenbar gibt es einen Markt dafür. „Oft kommen Sammler ins Geschäft und fragen tatsächlich nach einer bestimmten Brille.“ Hin und wieder fragten auch Film-Requisiteure nach Brillen. „Dann wälzen wir Zeitungsausschnitte und Bilder und schauen, ob wir das in unserer Sammlung haben oder besorgen können“, führt er aus.

Das Interesse sei groß, immer wieder kämen Rundmails aus ganz Deutschland von Firmen auf der Suche nach Brillen. „Das ist ein super spannendes Thema, an dem wir auch in Zukunft dran bleiben wollen“, sagt er schließlich.

Wenn man schon Sammler bedient: Wie ist das eigentlich selbst mit dem Sammeln? Viele Brillen habe er nicht. Allerdings nenne er eine Reihe Sonnenbrillen sein eigen, unter anderem jene, wie sie auch U2-Sänger Paul David „Bono“ Hewson getragen habe. Die liege bei Nichtgebrauch mit anderen zusammen in der Vitrine.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder