Mobiler Hufschmied aus Leidenschaft

Wolfenbüttel  Der Wolfenbütteler Christoph Schlomm ist einer der wenigen in der Region, der den seltenen Beruf ausübt.

Früher gab es in jedem Dorf einen Hufschmied. Landwirte und Reiter brachten ihre Pferde zum Beschlagen. Heute ist es umgekehrt. Der Hufbeschlagschmied kommt zum Kunden. Der Wolfenbütteler Christoph Schlomm ist einer der wenigen in der Region, der diesen seltenen Beruf ausübt.

„Ich hatte schon immer die Idee, Hufschmied zu werden“, sagt er gleich zu Beginn unseres Besuches in seiner Werkstatt im Wolfenbütteler Stadtteil Linden. Der 29-Jährige reitet selbst seit vielen Jahren schon und ist auf Turnieren unterwegs.

Am Berufsbild des Hufschmieds hat sich in den letzen 100 Jahren alles geändert, bis auf eines: Das Bücken ist geblieben. Seine mobile Werkstatt auf Kleinbusbasis hat er sich selbst deshalb ergonomisch eingerichtet. „Die Arbeit ist hart genug, da muss ich sie mir gesundheitlich so angenehm wie möglich machen“, erklärt er. So ziemlich alle Gerätschaften lassen sich auf einer angenehmen Arbeitshöhe aus dem Fahrzeug ziehen und bedienen. Eingerichtet ist er für drei Arbeitskräfte.

Das altertümliche Beschlagen gebe es durchaus noch, erzählt er. Neue Techniken und neue Erkenntnisse hätten den Beruf jedoch komplett verändert. Er ist modern geworden „Genauso, wie es für uns Menschen für jede Lebenslage den richtigen Schuh gibt, ist das Angebot für Beschläge von Pferden enorm vielfältig geworden. Viele seien inzwischen aus Kunststoff. Und wie die Geleinlagen bei unseren menschlichen Schuhen gebe es auch Geleinlagen für Beschläge. Es gibt sogar orthopädische Beschläge, berichtet Schlomm.

„Für die meisten Fälle führe ich Rohlinge auf dem Wagen mit“, erzählt er. Sie werden dann vor Ort angepasst. „Auch für Pferde gibt es Schuhgrößen“ berichtet er weiter. Die Größe ¾ entspreche etwa einer 40/42 beim Menschen. Die Rohlinge sind nach dem Idealhuf geformt. „Von 500 Pferden hat den eines“, so Schlomm. Hat man früher das Pferd warm beschlagen, geht es heute auch anders. Früher wurden die Hufeisen im Schmiedefeuer über Kohlen glühend gemacht, heute erledigt das ein gasbetriebener Ofen auf dem Fahrzeug. Natürlich nicht bei den Kunststoffbeschlägen.

„Die Kunst des Schmiedens ist weniger das Schmieden selbst als das richtige Sehen“, erklärt er. Der Schmied müsse sich die Formen aller vier Hufe genau merken und danach die Eisen vorbereiten. Das Ausarbeiten eines Beschlages ohne Erhitzen erfordere ordentlich Kraft.

Für jeden Typ Pferd und für jeden Zweck gebe es eigene Beschläge. „Für Rückepferde in der Forstwirtschaft gibt es sogar Spikes“, erklärt er. Die werden wie beim Fußballschuh verschraubt. „Das passiert erst am Einsatzort“, so Schlomm. Wichtig sei, dass ein Pferd gut laufen könne.

Unterwegs arbeitet er nicht ganz alleine. Je nach Arbeitsauftrag fahren Helfer mit zum Kunden. Und auf dem Hof arbeitet Stefanie Walter als Tierärztin und Chiropraktikerin.

Auf seinem Hof in Linden gibt es mehrere Reitbahnen. „Dort können wir die Tiere bei unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten ansehen und merken, wo möglicherweise orthopädischer Bedarf ist“, erklärt er. In der eigenen Schmiede kann er Spezialbeschläge und -nägel selbst herstellen.

Wer heute Hufschmied werden wolle, müsse sich auf eine fast dreijährige Ausbildung einstellen, die staatlich zertifiziert ist. „Nur wer das staatliche Zertifikat hat, darf sich auch als Hufschmied selbstständig machen“, erklärt er. Sie beginnt mit einem einmonatigen Lehrgang an einer staatlichen Beschlagschule.

Anschließend muss man zwei Jahre bei einem Hufschmied mitfahren und schließlich noch einmal vier Monate an einer staatlichen Beschlagschule lernen und seine Prüfung ablegen. „Ich habe die in Leipzig gemacht, weil dort die tierärztliche Hochschule angegliedert ist“, schließt er.

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