Gepuffe und Geploppe – fluffig, heiß und süß

Wolfsburg  Das Popcorn im Delphin-Kino ist berühmt. Ein Bericht aus Sicht der Popcornmaschine.

Wohl in den USA zusammengebaut, in Wolfsburg längst heimisch: die Popcornmaschine (PC) im Delphin-Kino.Foto: regios24/Anne Voß

Wohl in den USA zusammengebaut, in Wolfsburg längst heimisch: die Popcornmaschine (PC) im Delphin-Kino.Foto: regios24/Anne Voß

Mein Name ist PC. PC steht für Popcornmaschine – so nennt mich mein Pflegepersonal auf dem Dienstplan. Mein Zuhause ist das Delphin-Kino in der Wolfsburger Fußgängerzone. Was ich hier mache? Das erzähle ich euch.

Seit 2013 lebe ich in Wolfsburg. Wann genau ich das Licht der Fabrik erblickte, weiß ich nicht mehr. Zusammengeschraubt wurde ich offensichtlich in den USA – auf meiner Flanke steht etwas von Kalifornien oder Chicago. Ist ja auch egal, denn Wolfsburg ist nun meine Heimat. Mitten auf dem Tresen habe ich den besten Platz. So kann mich jeder Kinobesucher sehen.

Mit meinem glänzenden Edelstahlrahmen und dem leuchtend rot-gelben Schriftzug bin ich ein echter Hingucker. Okay, ich gebe zu, meine Maße sind nicht gerade 90-60-90, sondern eher Modell quadratisch, praktisch, gut. Aber dafür kann ich zaubern. Ich verwandle kleine gelbe Körner in süße weiße Wölkchen, die nicht nur himmlisch aussehen, sondern auch himmlisch schmecken. So heißt es jedenfalls im Wolfsburger Volksmund.

Vor jeder Vorstellung lasse ich mich neu befüllen – vorproduzieren für die Woche ist mir zuwider. Aber in meinen Bauch kommen nicht irgendwelche Zutaten. Nein, mein oberster Betreuer, er heißt Leif Boltz, schwört nur auf die besten Produkte. Das Geheimrezept hat er selbst mir noch nicht verraten. Also bekommt jeder meiner Pfleger genaue Instruktionen, wie er meinen Kessel mit Öl, Mais und Zucker zu füttern hat. Tja, und dann wird es heiß – bis über 200 Grad Celsius. Da kommen die Maiskörner in meinem Bauch ordentlich ins Schwitzen. Gut, dass das Drehkreuz die Maiskörner in Schwung hält. Doch irgendwann können die kernigen Gesellen dem Druck nicht mehr standhalten und explodieren. Das ist ein Gepuffe und Geploppe in meinem Kessel, sage ich euch. Wenn es für sie zu eng wird in meinem Kessel, fallen sie nach und nach wie weiße Flocken heraus. Keine Angst, sie landen ganz weich auf den anderen explodierten Maiskörnern.

Lange bleiben sie aber nicht in meinem warmen Schoß. Kaum hat sich der Duft von Karamell im Foyer des Kinos verbreitet, kommen sie auf mich zu gestürmt. Grundschüler, Jugendliche, Eltern, verliebte Pärchen, Singles, Rentner – alle wollen sie mein Popcorn probieren. Ja sogar von auswärts kommen sie und nehmen eine Tüte mit nach Hause, um sie beim Sonntags-Tatort zu vernaschen.

Denn mal ganz ehrlich: Kino ohne Popcorn? Kaum vorstellbar. Ob Größe S oder eine XL-Tüte – ich finde meine Abnehmer. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Immer wieder muss ich mich gegen meinen salzigen Zwillingsbruder, Erdnüsse, Salzstangen und anderen Möchtegern-Kinofilm-Begleiter durchsetzen.

Wie gut, dass ich einen Traditionsbonus habe. Na ja, und ohne übertreiben zu wollen, die zuckersüßen Wölkchen sind für die meisten Kinobesucher einfach unwiderstehlich. Gut, dass es mich in Wolfsburg gibt. Mich, die PC.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder