Berlin. Kosmetik-Kenner, Luxus-Revolutionär und Unternehmer: Der Manager Bernd Beetz ist umtriebig und facettenreich. Hilft das Galeria?

Krisenmanager kann Bernd Beetz. 2001 wurde der gebürtige Sinsheimer abgeworben, um das US-Kosmetikunternehmen Coty vor der Insolvenz zu bewahren. Coty sei damals am Ende gewesen, mit einer gebrochenen Unternehmenskultur, erinnerte sich Beetz vor ein paar Jahren im Gespräch mit der Universität Mannheim. Dort hatte er Anfang der 1970er-Jahre BWL studiert.

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Beetz, zuvor Manager beim französischen Luxus-Konzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), trat den Job an – und ging erst 2012 wieder. In der Zwischenzeit war es ihm gelungen, den Umsatz von Coty von 1,7 auf über 4 Milliarden US-Dollar zu steigern. Beetz bewies den richtigen Riecher und erschuf als Coty-Vorstandschef mit Celebrity-Düften ein vollkommen neues Segment im weltweiten Parfüm-Markt.

Bei Galeria Karstadt Kaufhof ist der neue Retter kein Unbekannter

In den vergangenen Wochen müssen Beetz erneut helfende Rufe ereilt haben – und der umtriebige Unternehmer sagte wieder zu. Gemeinsam mit dem Kanadier Richard Baker und seiner Investmentgesellschaft NRDC, zu der auch das Warenhausunternehmen Hudson‘s Bay Company (HBC) gehört, soll dem Deutschen nun die Wende bei dem insolventen Kaufhausunternehmen Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) gelingen. Beetz ist bei Galeria kein Unbekannter. Von 2018 bis 2019 war er bereits Aufsichtsratsvorsitzender der frisch fusionierten GKK-Gruppe. Erst bei der Komplettübernahme durch den bisherigen Eigentümer Signa schied er aus.

Über Beetz heißt es, er habe einen festen Glauben an den traditionellen Handel. Den Schluss lässt auch seine Vita zu. Nach dem Studium in Mannheim zog es Beetz zum Konsumgüterkonzern Procter & Gamble nach Frankfurt am Main, wo er ab 1994 verantwortlich für das Kosmetik- und Gesundheitsgeschäft in Europa war. Später arbeitete er für LVMH, Christian Dior und eben Coty. Der Konzern ist heute noch mehrheitlich im Besitz der wohlhabenden deutschen Unternehmerfamilie Reimann, die ihre Wurzeln wie Beetz in der Metropolregion Rhein-Neckar hat.

Schnelle Entscheidungen, ein Chef, der Freiräume lässt: So tickt der Galeria-Retter

Auch nach seinem Abgang bei Coty blieb Beetz dem Luxus-Segment treu. 2013 wurde er Vorsitzender des Vorstands der Mode-Luxusmarke St. Johns Knits. In New York besitzt er darüber hinaus eine Kosmetikfirma, in Berlin lässt er Brillen und in Paris Rucksäcke herstellen. Seit 2013 ist er zudem Mitglied des Aufsichtsrats der Parfümeriekette Douglas.

Menschen, die mit Beetz zusammengearbeitet haben, beschreiben ihn als „Mann schneller Entscheidungen“. Er könne Beschäftigten auch Freiräume lassen und so kreative Prozesse mit anstoßen. „Die Mannschaft muss funktionieren“, sagte Beetz einmal. Das gilt wohl auch für seine neben dem Handel zweite große Leidenschaft: dem Fußball.

Als Fußball-Mäzen schaffte er mit Waldhof Mannheim die Rückkehr in den Profisport

2016 wurde Beetz Hauptinvestor des SV Waldhof Mannheim. Der Verein gliederte zuvor seine erste Mannschaft in eine eigene Spielbetriebsgesellschaft aus. In dem neuen Konstrukt gelang mit Beetz 2019 der Aufstieg in die 3. Liga und damit die Rückkehr in den Profifußball. Beetz ist heute auch Präsident des Fußballvereins Waldhof Mannheim.

Handelsexperte: Fraglich, wie viel Beetz operativ noch beitragen kann

Mit Blick auf das neuerliche Wirken von Beetz bei Galeria äußerte sich Handelsexperte Johannes Berentzen von der BBE Handelsberatung gegenüber dieser Redaktion skeptisch: „Mit seinen 73 Jahren ist fraglich, inwieweit er noch operativ selbst beitragen kann und wie viel Input er in die Gremien bringen kann“, sagte Berentzen. Dennoch erwarte er wichtige Impulse von Beetz.

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Die Aufgabe bei Galeria sei aber groß: „Schwindenden stationären Umsätzen und fehlende Onlineverknüpfung stehen gewaltigen Investitionsstaus und eine große, teure Verwaltung gegenüber“, resümierte Berentzen.