Berlin. Woolworth eröffnet immer mehr Läden. Der Chef verrät die Geheimnisse des Erfolgs und warum der Discounter keinen Onlineshop betreibt.

Ob Hertie, Horten, Strauss, Kaufring, Karstadt oder Kaufhof – viele Kaufhäuser sind vom Markt verschwunden oder stecken in der Krise. Gleichzeitig erlebt ein traditionsreicher Handelsname nach seiner Insolvenz unter neuem Besitzer und Management eine Renaissance: Woolworth. Die Discounterkette wächst nicht nur in Deutschland mit mehr als 630 Läden rasant, sondern will von hier aus auch Europa erobern.

„Das Potenzial ist groß. Wir sehen mittelfristig in Europa 5000 Woolworth-Filialen, davon mehr als 1500 in Deutschland“, sagt Roman Heini, Vorstandschef und Mitgesellschafter von Woolworth. In Polen wurden in diesem Jahr schon sieben Filialen eröffnet, weitere 13 sollen bis April 2024 folgen. In Österreich sind bis dahin acht Filialen geplant. Neben Wien und Eisenstadt will Heini noch keine konkreten Standorte verraten. „Aber in Süd- und Osteuropa gibt es noch großes Potenzial für unser Geschäftsmodell.“

Woolworth ist einer der ältesten Discounter der Welt. 1879 von Frank Winfield Woolworth in den USA erfunden, wurde 1927 in Deutschland die erste Filiale in Bremen eröffnet. Nach langem Aufschwung folgte der Niedergang. Der deutsche Unternehmer Stefan Heinig übernahm 2010 nach der Insolvenz 158 Standorte und setzte die Woolworth GmbH mit neuem Konzept und Firmensitz in Unna auf eine neue Erfolgsspur. Dem Unternehmen gehören auch die Markenrechte an „Woolworth“ für ganz Europa – inklusive Großbritannien.

Woolworth: Eine Traditionsmarke mit Potenzial

Mitten in der Corona-Pandemie trat Roman Heini 2021 ins Unternehmen von Heinig ein, dem auch die Discountkette Tedi gehört, wurde CEO und Mitgesellschafter. Obwohl ihre Namen sich sehr ähneln, sind Heini und Heinig weder verwandt noch verschwägert. „Es war ein interessanter Start – alle Läden waren wegen der Pandemie geschlossen“, erinnert sich der 47-jährige Manager an seine ersten Arbeitstage bei Woolworth. Doch das konnte sein Engagement weder trüben noch bremsen.

Woolworth-Chef Roman Heini bezeichnet sich selbst als „Kind des Discounts“. Er hat zuvor als Manager bei Aldi Süd und Lidl gearbeitet.
Woolworth-Chef Roman Heini bezeichnet sich selbst als „Kind des Discounts“. Er hat zuvor als Manager bei Aldi Süd und Lidl gearbeitet. © Funke Foto Services | Reto Klar

Gestartet ist Heini 2021 mit 453 Filialen und 463 Millionen Euro Umsatz. Heute betreibt Woolworth bundesweit mehr als 630 Filialen mit einem Umsatz von 641 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2021/22 – und erzielte einen Überschuss nach Steuern von 25,8 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich in gut zwei Jahren von 5000 auf 10.000 verdoppelt. Und auch im laufenden Geschäftsjahr sei Woolworth „gut unterwegs“, so der CEO. Zum geplanten Umsatzanstieg will sich Heini nicht äußern, 900 Millionen könnten es aber wohl werden, heißt es bei Branchenkennern.

Heini bezeichnet sich selbst als „Kind des Discounts“. Seit den 1990er Jahren arbeitete er bis 2017 bei Aldi Süd, baute das Geschäft in Großbritannien, der Schweiz und in Deutschland aus. Danach war der Betriebswirt für Lidl in den USA aktiv.

Woolworth: Das Geheimnis des Erfolgs

Woolworth ist in vielen Groß- und Kleinstädten präsent. Kleine und große Filialen zwischen 500 und 3000 Quadratmetern befinden sich in bekannten Einkaufsstraßen, Innenstädten, aber auch in Vorort-Stadtteilen. Die Märkte sind schlicht eingerichtet. Je nach Filialgröße gibt es bis zu 10.000 Artikel, hauptsächlich im Nonfood-Bereich, so Heini.

Haushaltswaren und Damenbekleidung zählen zu den großen Umsatzbringern. Hinzu kommen Reisetaschen, Gartenartikel, Porzellan, Bastel-, Party- und Dekoartikel, Kindersachen – und vor allem Saisonartikel. Hier umfasst das Sortiment über das ganze Jahr etwa 18.000 Produkte. „Wir sind ein großer Weihnachtsartikelanbieter“, sagt Heini. Aber auch zu Karneval, Ostern, Halloween oder zur Strandsaison bietet Woolworth eine breite Palette.

Woolworth verzichtet weitgehend auf Markenartikel. „Über 90 Prozent unserer Artikel sind Eigenmarken“, sagt Heini. „Diese sind die DNA und der Erfolg eines Discounters.“ Man wolle ein „breites Angebot zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis bieten“.

Woolworth-Chef: Der Markt der Discounter wächst weiter

So kosten Winterpullis oder Cargo-Hosen aktuell 13 Euro, Wintermäntel und Jacken 30 Euro, Stiefel 20 Euro, Mützen und Hausschuhe je 5 Euro. „Vielleicht ist unsere Mode nicht immer der allerletzte Schrei aus Paris, aber sie ist gut und funktionell – und Preis-Leistung stimmen“, so Heini. Der Woolworth-Chef weiß, dass man die rund 80 Millionen jährlichen Kunden nicht enttäuschen dürfe. „Unzufriedene Kunden kommen sonst nicht wieder.“

Discounter erleben in Zeiten hoher Inflation einen Boom, da immer mehr Menschen stärker aufs Geld schauen müssen. „Die Reallöhne sind gesunken, da die Inflation stärker steigt als die Löhne“, sagt der GfK-Handelsexperte Martin Langhauser. „Ob Möbel, Lebensmittel, Elektro- oder Gartenartikel – immer mehr Shopper kaufen dort, wo es günstig ist.“ Solange die Inflation anhält, hätten Nonfood-Discounter deshalb gute Wachstumschancen. „Je mehr Filialen ein Anbieter hat, desto kürzer werden die Wege zum Kunden. Dies kann den Zuspruch noch erhöhen.“

Auch der Woolworth-Chef ist überzeugt: „Es gibt einen ökonomischen Markt für Discounter und es wird ihn weiter geben.“ Gerade Menschen mit mittleren oder niedrigen Einkommen spürten die Inflation besonders. „Ich sehe den Discountmarkt weiter wachsen. Wir sind erst am Anfang.“

Woolworth: Das Onlinegeschäft lohnt sich nicht für Discounter

Dabei prognostiziert Heini dem Nonfood-Discountermarkt eine ähnliche Entwicklung wie im Lebensmittelmarkt. „In Europa gibt es noch keinen dominanten Player im Bereich Nonfood- und Fashion-Bereich. Dieser Markt wird aber in den nächsten 10 bis 15 Jahren weiter wachsen und sich auf wenige Anbieter konsolidieren. Die Marke Woolworth hat das Potenzial und die Chance, eine führende Rolle zu spielen.“

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Das Wachstum sieht Heini dabei nicht im Onlinehandel. Im Gegenteil: „Die Zukunft des Discounters im Online-Geschäft sehe ich nicht. Dafür sind die Kosten für den Versand und die Retouren zu hoch“, sagt Heini. „Die Logistikkosten müssten auf die Preise der Artikel aufgeschlagen werden. Sie würden also mehr kosten als im Laden. Die Artikelkosten stehen somit mit den Transportkosten in keinem Verhältnis.“

So hat Woolworth zwar einen Internetauftritt, aber bewusst keinen Onlineshop. „Bei Woolworth wird es keinen Onlineshop geben“, so der CEO, „zumindest nicht in den nächsten drei bis fünf Jahren. Wir glauben an den stationären Handel.“