Berlin. Der Wohnungsbau in Deutschland bricht immer stärker ein. Nun hat Bauministerin Klara Geywitz einen überraschenden Vorstoß unternommen.

Der Wohnungsbau in Deutschland steckt in einer Krise. Nachdem die Ampel-Koalition ihr selbstgestecktes Ziel von 400.000 Wohnungen im vergangenen Jahr um mehr als 100.000 Wohnungen bereits verfehlt hatte, scheiterte sie beim Sozialwohnungsbau noch krachender: Nicht einmal ein Viertel der angekündigten 100.000 Wohnungen wurden 2022 gebaut.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) will der Entwicklung nun Einhalt gebieten – und unternimmt einen Vorstoß, der in der Branche für Aufsehen sorgt. Im Zuge des von Bundesfinanzminister Christian Lindner(FDP) geplanten Wachstumschancengesetzes will Geywitz mit steuerlichen Anreizen den Wohnungsbau wieder ankurbeln. In einem Papier, das unserer Redaktion vorliegt, schlägt das Bauministerium vor, eine sogenannte degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) einzuführen.

Wohnen: Bauministerin mit Vorstoß – das sind die Details

In den ersten vier Jahren könnten demnach sieben Prozent der Baukosten abgeschrieben werden, in den darauf folgenden vier Jahren weitere vier Prozent und in den darauf folgenden Jahren 26 Jahren weitere zwei Prozent. Aktuell gilt die sogenannte lineare AfA. Pro Jahr können drei Prozent abgeschrieben werden. Zwar gibt es bereits ein Sonderabschreibungsprogramm für den Mietwohnungsbau – mit dem neuen steuerlichen Anreiz will Geywitz aber Wohnungsunternehmen künftig besser erreichen, die dieses Sonderprogramm aufgrund geltender Beschränkungen nur schwer nutzen können. Zuletzt hatten Wohnungsunternehmen, darunter auch Branchenprimus Vonovia, ihre Neubautätigkeiten für das laufende Jahr gestoppt.

„Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize“, sagte Geywitz am Mittwoch. Die degressive Afa sei ein wichtiger Beitrag, um die Bauwirtschaft zu stabilisieren und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ob Finanzminister Lindner den Weg aber mitgeht, ist fraglich – immerhin dürften die Geywitz-Pläne Mindereinnahmen bei der Steuer in Milliardenhöhe bedeuten.

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IG-BAU-Chef spricht von einem „starken Aufschlag“

Aus der Bau- und Wohnungsbranche erntete Geywitz mit ihrem Vorstoß dagegen Zustimmung. Von einem „starken Aufschlag“ sprach der Bundesvorsitzende der Baugewerkschaft IG BAU, Robert Feiger, gegenüber unserer Redaktion. Die Pläne „würden dem Wohnungsbau einen gewaltigen Push gegeben“, sagte Feiger. Zugleich forderte der Gewerkschaftschef einen „zweiten Push“ für den sozialen Wohnungsbau: „Denn von den Abschreibungen, die Geywitz plant, haben die Akteure, die die Säulen im sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau sind, so gut wie nichts: Es muss jetzt dringend etwas für die kommunalen, genossenschaftlichen und kirchlichen Wohnungsunternehmen passieren.“ Feiger bekräftigte seine Forderung nach einem 50 Milliarden Euro schweren Sondervermögen.

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Auch der Präsident der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko, warnte davor, dass Unternehmen, die auf den sozialen Wohnungsbau spezialisiert sind, durchs Raster fallen könnten. Er forderte eine Sonderabschreibung für Unternehmen, die Mietbegrenzungen garantieren.

Experten gehen derzeit von einem weiteren Einbruch auf dem Wohnungsmarkt aus. Zuletzt fiel die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis Mai um 27 Prozent geringer aus als im Vorjahreszeitraum.