Handwerks-Betriebe kommen gut durch die Krise

Braunschweig.  Nach Frühjahrs-Absturz klettert Konjunktur-Index in unserer Region wieder nach oben. Aber Dienstleistungshandwerke wie Friseure leiden weiter.

Für Maler gibt es auch in der Corona-Krise genug Aufträge.

Für Maler gibt es auch in der Corona-Krise genug Aufträge.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Im Herbst hat sich die Geschäftslage im Handwerk stabilisiert, sie ist sogar fast auf Vorjahresniveau. Wie die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade jetzt mitteilte, liegt der Geschäftsklimaindex im Kammerbezirk bei 119 Punkten, im Vorjahresquartal waren es 127 Punkte. Das sah im Frühjahr noch anders aus: Im April brach der mittels Umfrage ermittelte Stimmungswert auf 79 Punkte ein. Die Erholung lässt Kammer-Hauptgeschäftsführer Eckhard Sudmeyer aufatmen. Er sagte: „Offenbar sind viele Handwerksbetriebe bislang relativ gut durch die Corona-Krise gekommen oder konnten sich von dem Einbruch einigermaßen erholen.“

Bauhauptgewerbe wenig optimistisch

Allerdings geht es nicht jedem Handwerk gleich gut. Friseure und Fotografen zum Beispiel leiden laut Kammer immer noch unter den Folgen der Corona-Krise. Der Geschäftsklimaindex liegt bei nur 90 Punkten – 30 Punkte weniger als im Vorjahr. Wenig erfreulich sieht es auch bei den handwerklichen Zulieferern aus. So sinkt der Stimmungswerk laut Kammer in der Gruppe der Handwerke für den gewerblichen Bedarf um 14 Punkte auf einen Wert von 105 Punkten. Auch im Bauhauptgewerbe sah es wohl schon einmal besser aus. Das Geschäftsklima sank im Herbst im Vergleich zum Vorjahr um 11 Punkte auf einen Wert von 115 Punkten. Weil auch die Geschäftsaussichten pessimistischer würden, sei es wichtig, erklärt Sudmeyer, dass die öffentliche Hand weiterhin investiere und Aufträge vergebe. „Damit lassen sich Rückgänge im gewerblichen Bereich zumindest teilweise kompensieren“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Deutlich besser geht es laut Umfrage dem Ausbau-Handwerk – wozu zum Beispiel Maler und Lackierer, Fliesenleger oder Sanitär- und Heizungstechniker gehören. Dort sank der Stimmungswert im vergleich zum Vorjahresquartal nur um drei auf 126 Punkte. Die stärkste Erholung verzeichnen nach Kammer-Angaben die Gesundheitshandwerke, also Augenoptiker, Orthopädie- oder etwa Zahntechniker, bei denen der Konjunkturindex um 5 auf 155 punkte stieg.

Jeder fünfte Betrieb erwartet schlechteres Geschäft

Insgesamt beurteilen derzeit 60 Prozent der befragten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk ihre Geschäftslage als gut, 29 Prozent zeigen sich zufrieden. Damit liegen die Werte fast auf dem Vorjahresniveau, in dem 65 Prozent ihre Geschäftslage als gut und 28 Prozent als zufriedenstellend bewerteten. Bei den Betrieben im Braunschweiger Land beurteilen 57 Prozent ihre Geschäftslage als gut, 28 Prozent bewerten sie als befriedigend. Der Geschäftsklimaindex liegt hier bei 118 Punkten, sieben Punkte unter dem Vorjahreswert von 125 Punkten.

Mit Blick in die Zukunft erwartet fast jeder fünfte Handwerksbetrieb im gesamten Kammerbezirk – 19 Prozent – eine Verschlechterung der Geschäftslage. In Braunschweig sind es 20 Prozent. Rund zwei Drittel der Handwerksbetriebe erwarten für die kommenden Monate hingegen eine unveränderte Geschäftslage, von einer verbesserten Geschäftslage gehen 14 Prozent aus. „Bei den Zukunftserwartungen spielt sicherlich die allgemeine Sorge vor erneuten Einschränkungen eine große Rolle“, sagte Sudmeyer. Er glaubt, dass viele Betriebe einen weiteren flächendeckenden Lockdown nicht verkraften könnten. Solch ein Lockdown müsse deswegen unbedingt vermieden werden, sagte er.

„Corona-Krise hat gerade den kleinen und mittleren Betrieben einiges abverlangt“

Doch die Zukunftssorgen haben sich bisher nicht gravierend in der Beschäftigung niedergeschlagen. 12 Prozent der Betriebe reduzierten ihren Mitarbeiterstamm, knapp jeder fünfte meldete aber Beschäftigungszuwachs. Auftragsbestände und der Umsatz sind nach Angaben der Kammer stabil geblieben. Auch die Investitionen blieben konstant, allerdings fürchtet etwa jeder zehnte Betrieb, sie in den kommenden Monaten herunterfahren zu müssen.

Für Sudmeyer ist das ein Warnsignal: „Die Corona-Krise hat gerade den kleinen und mittleren Betrieben einiges abverlangt.“ Nun sei es wichtig, durch gezielte Maßnahmen ihre Eigenkapitalbasis wieder zu stärken.

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