Salzgitter AG diskutiert Nachfolger für Fuhrmann

Salzgitter.  Der Vertrag des 63-Jährigen endet nächsten Sommer. Der Konzern hüllt sich bei der Nachfolge noch in Schweigen, hat sich aber wohl schon festgelegt.

Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG.

Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG.

Foto: Bernward Comes

Der Aufsichtsrat der Salzgitter AG dürfte in Kürze einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden Heinz Jörg Fuhrmann benennen. Der Vertrag des 63-Jährigen läuft Ende Juni 2021 aus und soll nach Informationen unserer Zeitung nicht verlängert werden. Offenbar gab es zuletzt eine Handvoll Kandidaten, aus der sich nun ein Nachfolger herauskristallisiert hat. Es hieß, die Nachfolge werde nicht intern aus dem Salzgitter-Konzern nachbesetzt, der avisierte Kandidat komme zudem nicht aus der Stahlbranche. Die Salzgitter AG wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch das Finanzministerium wollte eine Anfrage nicht kommentieren. Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) sitzt im Aufsichtsrat des Stahlherstellers. Das Land Niedersachsen hält 26,5 Prozent der Anteile am Konzern.

Seit 2011 Vorstandschef

Fuhrmann ist seit 2011 Vorstandschef des zweitgrößten Stahlproduzenten in Deutschland und übernahm die Führung des Konzerns damit kurz nach der Finanzkrise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Unter Fuhrmann legte der Stahlkonzern mehrere Restrukturierungsprogramme auf, investierte unter anderem in den Standort Peine sowie in die Zukunftsfähigkeit der Tochter Ilsenburger Grobblech. Fuhrmanns Maxime ist die Eigenständigkeit der Salzgitter AG, wie er immer wieder betonte. Spekulationen um eine Fusion mit der Stahlsparte von Thyssen-Krupp gab es erst zuletzt unter dem Eindruck der Corona-Krise wieder. Die Krise hinterließ auch Spuren im Konzern: Im ersten Halbjahr 2020 verbuchte die Salzgitter AG einen Verlust von 127,8 Millionen Euro vor Steuern, unterm Strich stand ein Fehlbetrag 144,7 Millionen Euro. Im Vorjahreshalbjahr hatte die Salzgitter AG noch 96,4 Millionen Euro Gewinn verzeichnet.

Unter Fuhrmann auf dem Weg zu „grünem“ Stahl

Unter Fuhrmann hat sich die Salzgitter AG in den vergangenen Jahren zudem auf den Weg in die CO2-arme Stahlproduktion gemacht. Fuhrmann fordert dafür vehement die Unterstützung der Politik und hat Bundes- und Landespolitiker nach Salzgitter eingeladen, um sie von dem Projekt „Salcos“ zu überzeugen.

Unter anderem die Bemühungen der Salzgitter AG zum Erfolg geführt: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte der deutschen Stahlindustrie Ende August die Unterstützung des Staates bei der Finanzierung klimafreundlicher Produktionstechniken zu. Auch Thyssen-Krupp forscht beispielsweise an umweltfreundlichen Stahlherstellungsverfahren.

Ab Juli 2021 mehr Freizeit?

Fuhrmann ist gebürtige Duisburger und fing 1995 bei der Preussag AG an, aus der 1998 die Salzgitter AG hervorging. Seit 1996 ist er Vorstandsmitglied, 2001 wurde Fuhrmann Finanzvorstand des Stahlherstellers. Der 63-Jährige ist darüber hinaus Honorarprofessor an der RWTH Aachen, an der er Eisenhüttenkunde studierte. Seit 2016 ist Fuhrmann zudem Senatsvorsitzender der Fraunhofer-Gesellschaft. 80 Prozent seiner „wachen Zeit“ verbringe er mit Arbeit, wie er im Interview mit unserer Zeitung 2017 sagte. Schwer vorstellbar, dass sich der rührige Unternehmer ab Juli 2021 auf seine Altenteile zurückzieht. Aber vermutlich wird er dann zumindest mehr Zeit haben für seine Hobbies: Tennis und erholsame Kurzurlaube in Europa.

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