Aus für Kaufhof in Braunschweig, Aus für Karstadt in Goslar

Braunschweig.  Voraussichtlich 146 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Verdi-Sekretär Buschbom-Helmke kritisiert die Strategie des Warenhauskonzerns.

Das Kaufhof-Kaufhaus in der Braunschweiger Innenstadt.

Das Kaufhof-Kaufhaus in der Braunschweiger Innenstadt.

Foto: Norbert Jonscher

Schwarzer Freitag für die Beschäftigten der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof, schwarzer Freitag auch für die Innenstädte in Braunschweig und Goslar. Unter den 62 Filialen, die der Warenhauskonzern schließen will, befinden sich Kaufhof in Braunschweig und Karstadt in Goslar. Das sagte Eberhard Buschbom-Helmke, Verdi-Handelssekretär für die Region Südost-Niedersachsen, unserer Zeitung auf Nachfrage.

146 Mitarbeiter, 79 in Braunschweig und 67 in Goslar, verlieren ihren Arbeitsplatz. Der ohnehin angeschlagene Konzern war durch die Corona-Schließungen der Warenhäuser noch mehr in wirtschaftliche Schieflage geraten und musste Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren beantragen. Die ersten Häuser sollen frühestens am 31. Oktober geschlossen werden.

Filialen in Braunschweig und Goslar schließen: Kritik von Verdi

Buschbom-Helmke kritisierte die Schließung beider Häuser in unserer Region. Sowohl Kaufhof in Braunschweig als auch Karststadt in Goslar seien profitabel. Das habe für den Insolvenzverwalter jedoch keine Rolle gespielt. „Ihn haben nur die steigenden Mieten interessiert.“ Der Gewerkschafter befürchtet, dass das Kaufhaussterben weitergehen könnte. „Allein durch die Schließung der Häuser, ist das Unternehmen nicht gesund.“

Buschbom-Helmke kritisiert auch falsche Entscheidungen des Managements. So sei beispielsweise das Onlinegeschäft viel zu spät erschlossen worden, in den Warenhäusern sei zudem zu stark am Personal gespart worden, worunter die Beratung gelitten habe. Schädlich sei zudem das Einrichten zentraler Kassen gewesen.

Stellenabbau bei Galeria Karstadt Kaufhof
Stellenabbau bei Galeria Karstadt Kaufhof

Verdi-Sekretär: „Reißt Goslars Innenstadt das Herz heraus“

Der Verdi-Sekretär befürchtet durch das Aus der beiden Kaufhäuser eine Schwächung des Einzelhandels in den Innenstädten von Braunschweig und Goslar. Mit Blick auf Goslar sagte Buschbom-Helmke: „Das reißt der Innenstadt das Herz heraus.“

Abfindung erst nach Ende des Insolvenzverfahrens?

Nach seinen Angaben wird es wegen des Insolvenzverfahrens keine sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter geben. Sie erhielten eine Abfindung von maximal 2,5 Monatsgehältern, die aber erst am Ende des Insolvenzverfahrens ausgezahlt würde. Und das könne viele Jahre dauern. Beispiele der insolventen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr hätten gezeigt, dass die Mitarbeiter nur etwa ein Zehntel der ihnen zustehenden Summe erhalten hätten.

Damit die betroffenen Beschäftigten nicht ins Bodenlose fielen, sei der Aufbau einer Beschäftigungsgesellschaft geplant. Dort sollen die Mitarbeiter ein Jahr lang qualifiziert werden, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.

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