Abgas-Skandal – Diess und Pötsch entkommen Gerichtsverfahren

Braunschweig.  Gegen Millionenzahlungen wird das Verfahren wegen Marktmanipulation gegen die Top-Manger des VW-Konzerns eingestellt.

VW-Konzernchef Herbert Diess (rechts)und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.

VW-Konzernchef Herbert Diess (rechts)und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Die zwei mächtigsten Männer des VW-Konzerns entkommen im Abgas-Skandal einer möglichen Strafe. Gegen eine Millionenzahlung hat das Landgericht Braunschweig das Verfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen VW-Chef Herbert Diess (61) und den Aufsichtsratsvorsitzendem Hans Dieter Pötsch (69) eingestellt, wie der Aufsichtsrat am Dienstagabend mitteilte. Pötsch und Diess sollen jeweils 4,5 Millionen Euro zahlen. Zuerst hatte das „Manager-Magazin“ berichtet.

Demnach gibt es mit dem ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn (72) noch keine Einigung. Jedoch werde auch das Verfahren gegen ihn unter Umständen gegen Auflagen beendet. Der Rechtsanwalt Winterkorns war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte im September 2019 Anklage gegen die drei Konzernlenker erhoben. Sie wurden beschuldigt, Anleger zu spät über die drohenden finanziellen Folgen des Abgas-Betrugs informiert zu haben. Die Dieselmanipulationen waren im September 2015 bekannt geworden, damals war Winterkorn Vorstandsvorsitzender des Konzerns, Diess der VW-Marken-Chef und Pötsch Finanzvorstand. Sie waren laut Anklageschrift schon Monate vorher über den Betrug informiert, gaben jedoch keine Ad-hoc-Meldung heraus. Winterkorn, Pötsch und Diess wiesen die Vorwürfe der Ermittler zurück und sehen sich als unschuldig. Sie argumentierten unter anderem damit, dass sie die Höhe der Strafe nicht hätten ahnen können. Inzwischen summieren sich die Strafzahlungen im Dieselskandal für VW auf mehr als 30 Milliarden Euro.

Konzern übernimmt die Vergleichszahlung

Der VW-Aufsichtsrat teilte Dienstag mit, zu begrüßen, dass Pötsch und Diess der Einstellung des Verfahrens zugestimmt hätten. Sie würden damit Volkswagen „angesichts der aktuellen Herausforderungen“ entlasten. Der Aufsichtsrat könne zudem bei beiden keine Pflichtverletzung erkennen – deswegen übernimmt der Konzern die Zahlung von insgesamt 9 Millionen Euro.

Die Einstellung des Verfahrens war offenbar eine Option für die Justiz, weil die „Schwere der Schuld“ dem nicht entgegenstand. Pötsch und Diess sind damit weder frei noch schuldig gesprochen. Winterkorn ist weiterhin von der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugsverdachts angeklagt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (6)