„Markthalle“ eröffnet in Braunschweig

Braunschweig.  Sie ist das Vorzeigeprojekt der Warenhauskette Real. Einzelhandelsexperte Huth bezeichnet sie als „Geschenk“ für die Region.

Eine Pizza aus hausgemachten Weizenteig wird im Gastronomiebereich der Markthalle in Krefeld serviert.

Eine Pizza aus hausgemachten Weizenteig wird im Gastronomiebereich der Markthalle in Krefeld serviert.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa (Archiv)

Im Oktober dieses Jahres eröffnet in Braunschweig die „Markthalle“ der Warenhauskette Real. Es ist nach Krefeld bundesweit erst der zweite Standort. Die „Markthalle“ ist ein Vorzeigeprojekt der Metro-Tochter, deren Umsatz seit Jahren schrumpft. Nach Informationen unserer Zeitung investierte Real in Krefeld rund 25 Millionen Euro, in Braunschweig sollen 17 Millionen Euro in den Umbau der Filiale an der Otto-von-Guericke-Straße fließen.

Die „Markthalle“ soll dem Kunden Wochenmarkt-Atmosphäre bieten, an Ständen werden die Lebensmittel verkauft. Eine Unternehmenssprecherin schwärmt: „Ein Markt mit besonderem Flair von Genuss und Lebensfreude“ entstehe, der an Marktplätze in Italien oder Spanien erinnere. In einem Gastronomiebereich auf der insgesamt mehr als 30 000 Quadratmeter großen Fläche sollen Kunden sich Gekauftes zubereiten lassen können. Zugleich reduziert die Warenhauskette das Non-Food-Angebot – etwa Kinderwagen, Fahrräder oder Outdoor-Artikel.

„Non-Food hat eine starke Konkurrenz im Internet“, sagt Joachim Hurth, Einzelhandelsexperte der Ostfalia-Hochschule. Die Konzentration auf den Lebensmittelbereich sei für Real daher nur folgerichtig. Zugleich hat der Händler sein Online-Angebot ausgebaut. So heißt es dann auch von der Unternehmenssprecherin: „Real verliert durch die Reduktion der Non-Food-Fläche keinen Umsatz, weil das durch einen gestiegenen Onlineumsatz kompensiert wird.“

Auch andere Filialen modernisiert die Metro-Tochter nach dem sogenannten Classic-Modern-Konzept. In diesen Filialen will der Händler ebenfalls Wochenmarkt-Atmosphäre schaffen – jedoch könnten die Modernisierungen nach eigenen Angaben in ganz unterschiedlichem Rahmen ausfallen. Insgesamt sollen die Filialen übersichtlicher werden, erhalten eine neue Anordnung von Warengruppen -- so soll der Kunde in einer Abteilung etwa alles finden, was zum Thema „Frühstück“ gehört – und Premium-Produkte anbieten.

Einzelhandelsexperte Hurth bezweifelt, dass Real mit der Markthalle „Geld verdient“. „Es ist ein Vorzeigeprojekt“, sagt er. Investoren sollten damit für Real, das seit Jahren Verkaufsspekulationsobjekt sei, nicht angelockt werden. Ihm zufolge geht es darum, das Image der Warenhauskette zu polieren. „Die Wirkung der Markthalle soll auf die normalen Filialen abstrahlen“, so der Ostfalia-Professor. Für die Region und Braunschweig empfindet er die Etablierung dieses Marktes „als Geschenk“ und „tolles Einkaufsziel“.

Auch Aldi Nord verpasst sich mit dem Umbau-Programm „Aniko“ ein neues Image. „Die Ansprüche der Kunden werden höher“, erklärt Hurth diese Entwicklung. Der Discounter, dessen Kunden früher nicht mit Aldi-Tüten gesehen werden wollten, präsentiert nun Weine in Holzkisten, weist in großen Lettern auf die einzelnen Abteilungen hin, verspricht „einen guten Fang“ an der Kühltheke.

Die Gänge sind breiter, die Regale in Supermarkt-Manier angeordnet, Waren neu sortiert. „Wir bleiben aber Discounter“, sagt ein Aldi-Nord-Sprecher. Noch immer stünden Paletten in den Filialen. Laut Hurth näherten sich Supermärkte und Discounter von Angebot und Optik zwar an, aber sie unterscheide mehr als die Paletten. „Aldi bleibt immer noch Discounter-günstig, weil es in seinen Filialen weniger Personal einsetzt als Supermärkte und immer noch weniger Produkte im Angebot hat.“

„Handel ist Wandel“, sagt Hurth. Dass Supermärkte und Discounter investierten sei nichts ungewöhnliches. Tatsächlich gibt auch etwa Rewe an, pro Jahr Milliarden in die Expansion und Modernisierung seines Vertriebsnetzes, in Logistik und Technologie zu investieren. Erst vergangenen Freitag hat etwa die Filiale in den Braunschweiger Schlossarkaden wegen Umbau geschlossen, sie öffnet wieder Ende Oktober – samt erweitertem Sortiment und neuen Kassen.

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