„Einkaufshelden“ soll Kunden in die Geschäfte locken

Braunschweig.  Die App ist in Peine und Braunschweig verfügbar. Die Gründer wollen mit ihr den Einzelhandel vor Ort stärken.

Manuel Geiger, Mitgründer der App „Einkaufshelden".

Manuel Geiger, Mitgründer der App „Einkaufshelden".

Foto: Hannah Schmitz

Amazon, Zalando und Co. sind die große Konkurrenz der Einzelhändler. Deren Umsatz stagniert, obwohl sich die Mehrzahl der Menschen täglich in der Stadt aufhält. Das sagt Manuel Geiger. Der Unternehmensgründer möchte mit seinen Kompagnons Tobias Kaller und Arne Gessner diesem Trend entgegensteuern, und zwar mit ihrer App „Einkaufshelden“. Mit ihr sollen Kunden gezielt Produkte bei den Einzelhändlern vor Ort anfragen können.

Der Fokus liegt dabei auf den kleineren Händlern, als Ketten sind lediglich zwei Elektronikmärkte vertreten. „Die Kunden wissen gar nicht mehr, dass es bestimmte Händler in der eigenen Stadt überhaupt gibt. Und sie wissen auch nicht mehr, welches Sortiment die Einzelhändler vor Ort anbieten“, erklärt Geiger.

Die Anwendung für Händler und Kunden wurde von Oktober bis Dezember des vergangenen Jahres in Peine getestet. Nun ging sie vor knapp zwei Wochen in Braunschweig an den Start – bisher beteiligen sich mehr als 50 Händler, rund 180 Suchanfragen von Nutzern gingen bereits ein. Die Stadt förderte das Start-up im Rahmen der Initiative „Smart City“ mit 15 000 Euro, die die Gründer in die Weiterentwicklung der App steckten.

Im Prinzip ist auch der Braunschweiger Start noch in der Testphase, die Einzelhändler nutzen die App sechs Monate gratis. Doch die Ziele der Jungunternehmer sind hochgesteckt: „Wir möchten der Messenger-Dienst schlechthin zwischen Kunden und Händlern werden.“

Nutzer der App können den Einzelhändlern in Peine und Braunschweig über die Anwendung Suchanfragen schicken, etwa: „Ich suche einen weinroten Cashmere-Pullover mit Rundhalsausschnitt“ oder „Ich suche einen Kinderregenschirm mit Automotiven“. Auch Bilder mit dem Wunschprodukt können gesendet werden. Jeder der beteiligten Händler erhält diese Suchanfragen und hat die Möglichkeit, darauf zu antworten, wenn er das gesuchte Produkt vorrätig hat oder bestellen kann. So entsteht der Kontakt zwischen Händler und potenziellem Kunden. Dieser kann sich den Pullover oder Regenschirm zurücklegen lassen, es im Geschäft anprobieren und gegebenenfalls kaufen – ein Muss ist der Kauf nicht.

Während der Testphase wurde die Messenger-App stets weiterentwickelt. So können Händler inzwischen auch Warte-Mitteilungen senden wie: „Ich bin gerade in einem Kundengespräch, ich habe das gesuchte Produkt und melde mich sofort.“ Geiger sieht in dieser direkten Online-Kommunikation zwischen Händlern und Kunden viele Vorteile für die Beziehung. Die sei durch den direkten Austausch automatisch enger, für den Kunden sei dadurch die Hürde höher, zum Online-Versandhändler abzuwandern.

Das Geschäftsmodell der „Einkaufshelden“-App gründet auf Erkenntnissen und Studien, die Geiger zum Teil als Doktorand am Institut für Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig selbst durchgeführt hat. So hätten reale Begegnungen beim Einkaufen im stationären Handel immer noch einen Mehrwert für die Kunden gegenüber dem Online-Shopping – auch wenn sie letzteres natürlich ebenfalls schätzten.

„Wenn man den Online- und Offline-Handel miteinander verbindet, dann wird ein Schuh draus“, ist Geiger überzeugt. Nicht umsonst würde jetzt zum Beispiel der Online-Versandhändler Zalando, der Schuhe und Mode vertreibt, einen stationären Handel eröffnen. Die Messenger-App trage zudem dem Verhalten von Internet-Nutzern Rechnung: So verbrächten Menschen die meiste Zeit im Internet in Messenger-Diensten wie Whatsapp, nicht etwa auf Social-Media-Plattformen, berichtet Geiger.

Die App wird stets weiter optimiert. Das Zusammenspiel dabei mit den Händlern klappe hervorragend, sagt Geiger. Er betont jedoch, dass „Einkaufshelden“ lediglich ein weiteres Instrument für die Geschäftsinhaber zur Kundengewinnung sei. „Wir können damit keine tote Innenstadt wiederbeleben“, so der 31-jährige Unternehmensgründer. Die App sei darauf angewiesen, dass die Geschäftsinhaber sie als Werkzeug auch aktiv nutzten. „Es ist kein Selbstläufer“, sagt Geiger.

Ole Siegel, Vorsitzender der City-Gemeinschaft in Peine, hat das Pilotprojekt in Peine mit angestoßen. Er stellt heraus, dass auch die Kunden die App herunterladen und mitmachen müssten. „Die Bevölkerung muss auch versuchen wollen, ihrer Innenstadt eine Chance zu geben, um Arbeitsplätze zu sichern und Einkaufsmöglichkeiten zu behalten“, sagt Siegel. Der Sportgeschäftinhaber sieht die App als „Zusatzgeschäft“, mit der er sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

„Wie müssen erreichen, dass unsere App für die Händler relevant ist und sie mit ihr Umsatz machen“, resümiert Geiger. Bisher finanziert sich das Start-up noch nicht selbst. Anfragen aus anderen Städten, „Einkaufshelden“ dort anzubieten, gibt es hingegen schon zahlreiche.

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