Der Januar lässt die Zahl der Arbeitslosen steigen – moderat

Braunschweig  In Wolfsburg und Gifhorn trüben Ex-VW-Leiharbeiter die Quote von Jobsuchenden.

Ein Schild weist den Weg zur Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Sangerhausen.

Ein Schild weist den Weg zur Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Sangerhausen.

Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die scheinbar nicht endende Reihe von Rekorden auf dem Arbeitsmarkt ist vorerst durchbrochen. Doch auch am Mittwoch meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA) immerhin „rekordverdächtige“ Zahlen für den Januar. Zwar stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Dezember deutlich, allerdings moderat für diese Jahreszeit.

Denn vor allem wegen des Wetters nimmt die Zahl der Arbeitslosen im Januar stets zu. Außerdem laufen zum Jahresende viele befristete Arbeitsverträge aus, wie BA-Chef Detlef Scheele erläuterte. Hinzu kommt, dass sich nach dem Weihnachtsgeschäft vorübergehend eingestellte Verkäufer arbeitslos meldeten.

Allerdings wuchs die Zahl der bundesweit Arbeitslosen diesmal „nur“ um 185 000 auf 2,57 Millionen Menschen – in den Jahren zuvor waren es 240 000 bis 260 000. Die Bundesbehörde verzeichnete damit die niedrigste Januar-Arbeitslosigkeit seit 27 Jahren. Die Arbeitslosenquote legte um 0,5 Punkte auf 5,8 Prozent zu. In unserer Region stieg die Quote nur um 0,4 Punkte, lag mit 6,1 Prozent aber über dem Bundes- und Niedersachsenschnitt (5,9 Prozent).

Gerald Witt, der die Arbeitsagentur Braunschweig-Goslar leitet, zu deren Bezirk auch Salzgitter und Wolfenbüttel gehören, freute sich: „Dieser moderate Anstieg gegenüber dem Vormonat ist lediglich auf saisonale Effekte zurückzuführen.“ Im Januar 2017 hatte die Arbeitslosenquote in unserer Region noch bei 6,5 Prozent gelegen.

Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften sei weiter ungebrochen, betonte Witt. Mit aktuell 4457 Stellenangeboten liegt diese 12,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Bezirk der Arbeitsagentur Helmstedt, zu dem auch Wolfsburg und Gifhorn gehören, lag die Zahl der offenen Stellen mit 3168 ebenfalls 7,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Doch bei der Arbeitslosenquote schert der Bezirk aus der Reihe. Während die Quote in allen Städten und Kreisen unserer Region im Vergleich zu Vorjahr sank, nahm sie in Wolfsburg zu, wenn auch nur um 0,2 Prozentpunkte und mit jetzt 5,3 Prozent auf weiterhin niedrigem Niveau. Der Grund sind offenbar die ehemaligen VW-Leiharbeiter, die nicht – wie in den Jahren zuvor üblich – übernommen wurden. Neben dem saisonal bedingten Anstieg in den witterungsabhängigen Branchen habe es in seinem Agenturbezirk „vermehrt Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus der Branche der Arbeitnehmerüberlassung“ gegeben, erläuterte Ulf Steinmann, Leiter der Arbeitsagentur Helmstedt – vor allem in Wolfsburg und Gifhorn. Zu einzelnen Unternehmen äußert sich die Behörde nicht.

Dass die bundesweite Arbeitslosigkeit im Januar trotz der vergleichsweisen milden Witterung zum Jahresbeginn immer noch so zunahm, hat laut BA-Chef Scheele mehrere Gründe. So planten während der Wintermonate viele Bauunternehmen in Erwartung von Frost und Schnee von vornherein Unterbrechungen auf den Baustellen ein. „Wenn es dann nicht schneit, wird trotzdem nicht gebaut.“

Der Braunschweiger Behördenchef Witt verwies darauf, dass vor allem Ungelernte ein höheres Risiko haben, arbeitslos zu werden. Das sei auch die einzige Personengruppe, die im Vorjahresvergleich deutlich zugelegt habe, in dem Bezirk um 7,2 Prozent auf 11 932 Menschen. Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen habe keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Bundesweit 482 000 Flüchtlinge waren im Januar außerdem bei den Jobcentern und Arbeitsagenturen gemeldet; 181 000 davon waren als Arbeitslose registriert. Die übrigen 300 000 absolvierten entweder noch Sprach- und Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge oder würden in beruflichen Förderkursen der Jobcenter für den Arbeitsmarkt fit gemacht.

Als Beleg für die dennoch anhaltende Dynamik sieht die Bundesagentur die wachsende Zahl von Jobs. So lag nach Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Erwerbstätigen im Dezember bei 44,62 Millionen – 641 000 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg gehe nur auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück.

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