Schüler bringen Roboter auf Trab

Braunschweig  Ein Braunschweiger Unternehmen will sie so an technische Berufe heranführen.

Leonie (links) und Finja beobachten die Fahrt des Roboters, den sie selbst programmiert haben.

Leonie (links) und Finja beobachten die Fahrt des Roboters, den sie selbst programmiert haben.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Mit einem leichten Rucken fährt der kleine Lego-Roboter eine weiße Linie entlang. Dann bleibt er auf einmal stehen und gibt ein Geräusch von sich, das wie eine Autohupe klingt. „Er erkennt die Fahrlinie nicht mehr“, sagt die 14-Jährige Leonie.

Leonie und Finja sind die einzigen Mädchen, die an dem Digital-Camp des Software-Entwicklers fme in Braunschweig teilnehmen. Insgesamt probieren sich elf Schüler im Alter von 11 bis 15 Jahren in dem fünftägigen Feriencamp aus.

„Wir wollen Jugendliche für technische Berufe begeistern. Sie lernen Apps für das Smartphone oder einen Lego-Roboter zu programmieren“, sagt Lars Beyer von fme, der das Feriencamp leitet. Das Digital-Camp richtet das Unternehmen, das auch Niederlassungen in Frankfurt, Düsseldorf und München unterhält, zum ersten Mal aus. „Wir wollten es speziell für Kinder anbieten, weil Informatik in der Schule vernachlässigt wird“, sagt Beyer.

Das kleine Fahrzeug haben die Schüler selbst zusammengebaut. Unterstützt werden sie von fünf Auszubildenden der fme. Leonie und Finja zeigen am Bildschirm des Laptops, der vor ihnen auf dem Boden liegt, wie sie den Roboter zum Fahren bringen. Wie ein Puzzle fügen sie auf dem Laptop verschiedene Bausteine zusammen. Mit orangenen Klötzen kann zum Beispiel eingestellt werden, mit welchem Tempo der Roboter fahren soll. Bei der Farbe Gelb werden die Sensoren eingestellt. Die sind wichtig, weil der kleine Roboter sonst nicht weiß, in welche Richtung er fahren soll. „Wir haben die weiße Linie auf den Boden geklebt. Die gibt die Fahrbahn für den Roboter vor“, sagt Finja. Mithilfe eines Sensors arbeitet sich der Roboter an der Linie voran. Weil der Lichtstrahl des Sensors die Linie nicht stetig anvisieren kann, bewegt der Roboter sich ruckend. Sobald ein Hindernis die Linie kreuzt, bleibt er stehen und das hupenähnliche Geräusch ertönt.

„Wir können ihm auch ein Gesicht geben“, sagt Leonie. Auf der Oberfläche des Roboters ist ein kleiner Bildschirm mit Augenbrauen, Augen und Mund. Wenn alles gut läuft, lächelt es. Doch wenn auf einmal ein anderer Roboter seine Fahrbahn kreuzt und sie fast aufeinanderprallen, ertönt wieder die Hupe und das Gesicht verzieht sich.

Die beiden 14-jährigen Mädchen haben auf jeden Fall viel Spaß. Ob sie sich vorstellen können, später in der IT-Branche zu arbeiten, das wissen sie noch nicht. Beyer, der bei fme für die Auszubildenden zuständig ist, ist sich jedenfalls sicher, dass die zwei Mädchen am Tüfteln jetzt bereits mehr Spaß haben als noch vor dem Start des Camps.

Andere Schüler sitzen derweil im Nachbarraum vor Laptops. Sie programmieren zum Beispiel erfolgreich Sprachen-Apps – wenn sie „Hallo“ in das Smartphone sagen, erscheint auf dem Bildschirm der Text „Hallo“. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Roboter. Auch hier werden Bausteine zusammengefügt.

Lars Beyer ist von dem Interesse und Fähigkeiten der Kinder begeistert. Er will auch im nächsten Jahr das Digital-Camp anbieten.

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