VW-Händler: Bleiben auf Kosten für Dieselgate sitzen

Wolfsburg  Neue Verträge mit Volkswagen bedeuten wohl Einbußen. Dabei kostet bereits der Abgas-Skandal.

VW-Neuwagen stehen an einem Autohaus in Hannover.

Foto: Stratenschulte/dpa

VW-Neuwagen stehen an einem Autohaus in Hannover. Foto: Stratenschulte/dpa

Die Autoindustrie steckt mitten in einem historischen Wandel. Neben dem Umdenken hin zu mehr E-Mobilität und Dienstleistungen bedeutet vor allem die Digitalisierung einen radikalen Wandel. Die Autos der Zukunft fahren autonom, vernetzt und mit mehr technischen Spielereien an Bord. Das wirkt sich auch auf den Vertrieb aus, deshalb ist nun ein Streit um die Kunden entbrannt. Die VW-Händler wollen etwas von Volkswagens Kuchen abhaben – und melden sich ungewohnt scharf zu Wort.

Die Verträge zwischen dem Autobauer und seinen Vertragshändlern ist Sache der Konzernmarken. Audi hat die Verhandlungen über neue Konditionen für die Volkswagen- und Audi-Partnerverband bereits aufgenommen. In dem sind nach eigenen Angaben knapp 2000 der gut 2300 deutschen Händler der Marken Audi, VW PKW und VW Nutzfahrzeuge organisiert. Sie werten die Forderungen von Volkswagens Premiumtochter als Forderungen des gesamten Konzerns – damit würden die Rentabilität des Händlergeschäfts massiv unter Druck gesetzt und so Arbeitsplätze im Mittelstand gefährdet.

Ein VW-Händler aus unserer Region erläutert den Unmut der Händler. Auch seiner Meinung nach müssen sich die Autohäuser an die neuen Wünsche der Kunden anpassen. Wer etwa für den Urlaub eine Zusatzfunktion wie eine Sprachsteuerung für sein Navigationsgerät buchen möchte, der wolle dafür nicht extra zur Werkstatt fahren. Die Kunden seien es heute aus anderen Bereichen wie der Elektronik gewohnt, Services von zuhause aus kaufen zu können. Doch mit diesen neuen Dienstleistungen wolle Volkswagen Geld mit Kunden verdienen, die die Händler gewonnen haben – die ihnen dafür sogar noch die Daten der Kunden liefern müssten. Deshalb sollten die VW-Partner an diesem Geschäft mitverdienen, findet der Händler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Das Gleiche gelte für größere Flotten, die der Konzern bisher nur teilweise direkt verkaufe. Wo solche Verkäufe bisher über einen Händler abgewickelt wurden, müsse dieser einen Ausgleich erhalten, falls VW künftig alle großen Flotten direkt verkaufe. Denn dahinter steckten teils hohe Investitionen für etwa einen großen Ausstellungsraum oder einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich um einen Großkunden kümmert. Aus dem gleichen Grund müssten die finanziellen Folgen für die Händler kompensiert werden, wenn Volkswagen mehr Autos direkt übers Internet verkauft, findet der Mittelständler.

Viele Händler seien enttäuscht: Nie haben sie sich öffentlich über den Abgas-Betrug beklagt – und jetzt das. Dabei blieben sie teilweise auf den Kosten sitzen, wie der Betroffene berichtet. Die Pauschale, die VW den Händlern für die Umrüstung zahle, reiche etwa nicht für die Arbeitszeit, die Gespräche mit wütenden Kunden koste. Außerdem trügen die Händler das Risiko, falls etwa Leasingwagen doch noch an Wert verlieren.

Der größte Schaden sei, Kunden zu verlieren, sagt der Händler. So sei der Absatz in Deutschland seit dem Abgas-Skandal gesunken. Audi übernimmt laut Verband nicht einmal die Kosten für die Rechtsstreitigkeiten wegen des Betrugs.

Nach Angaben eines VW-Sprechers hingegen zeigt sich der Konzern bei den Kosten für die Umrüstung kulant. So werde etwa neben der Vergütung der reinen Arbeitszeit anteilig auch die Kundenberatung bezahlt. Die Vergütung für die Umrüstung basiere auf den Stundensätzen für vergleichbare Servicearbeiten. „Außerdem werden Kosten für die individuelle und angemessene Ersatzmobilität, die unseren Kunden kostenfrei angeboten wird, selbstverständlich ebenfalls vom Hersteller übernommen.“

Audi prüft einem Sprecher zufolge eine Beteiligung an Gerichts- und Rechtsanwaltskosten in jedem Einzelfall. „Dabei richten wir uns nach der jeweiligen Rechtslage, nach der Erforderlichkeit sowie der Angemessenheit der Kosten.“

Zu den Details der Verhandlungen über neue Händler-Verträge wollten sich VW und Audi am Donnerstag nicht äußern, da die Gespräche noch am Anfang stehen. Der Autobauer betonte die erfolgreiche Partnerschaft mit seinem deutschen Vertriebsnetz. Die müsse allerdings in die Zukunft geführt werden. „In den letzten beiden Tagen haben wir offen, transparent und partnerschaftlich die Themen mit unseren europäischen Partnerverbänden im Rahmen der Europäischen Händlerkonferenz in Paris erörtert“, sagte eine Konzernsprecherin.

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