Korruptionsvorwürfe – Polizei ermittelt bei VW Financial

Braunschweig  Ein anonymer Hinweisgeber wirft Mitarbeitern von Volkswagen Financial Services Vorteilsnahme vor.

Die Zentrale der VW Financial Services AG in Braunschweig.

Die Zentrale der VW Financial Services AG in Braunschweig.

Foto: Peter Sierigk (Archiv)

Die Polizei hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig die Ermittlungen im Fall um Korruptionsvorwürfe bei Volkswagen Financial Services (VW FS) aufgenommen. Wie der Ermittlungsleiter für Korruptionsfälle der Zentralen Kriminalinspektion Braunschweig, Torsten Wellendorf, mitteilte, haben sich Mitarbeiter der Polizei und von VW FS zu einem Gespräch getroffen. Das bestätigte auch ein Sprecher von VW FS. Zu Inhalten wollten sich beide Seiten nicht äußern.

Anlass der Ermittlungen ist ein anonymes Schreiben, das die Polizei, die Staatsanwaltschaft, VW FS und auch unsere Zeitung Anfang der Woche erhielten. Darin wirft ein Hinweisgeber Mitarbeitern des VW-Finanzdienstleisters vor, illegal Kontakte zu Geschäftspartnern genutzt zu haben, um privat ihre Wohnungen und Häuser modernisieren zu lassen. Dem Hinweisgeber zufolge, der wohl selbst als Dienstleister eingesetzt wurde, ist es um Arbeiten von Malern, Trockenbauern, Fußbodenlegern, Metallbauern und Umzugsfirmen gegangen.

Wellendorf sagte: „Den Hinweis schätze ich als ernstzunehmend ein.“ Er betonte jedoch auch: „Nicht jeder Hinweis, der bei uns eingeht, hat einen strafrechtlichen Hintergrund. Es gilt die Unschuldsvermutung.“ VW FS und die Polizei hätten die gleichen Ziele, das Unternehmen unterstütze die Ermittlungen. Denen zugrunde liegt laut Wellendorf der Paragraf 299 des Strafgesetzbuches. Demnach wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer im geschäftlichen Verkehr einen Vorteil als Gegenleistung dafür fordert oder anbietet, dass er einen anderen beim Bezug von Waren oder Dienstleistungen in unlauterer Weise bevorzugt.

Um die Ermittlungsarbeiten zu unterstützen, ruft die Polizei nun den anonymen Hinweisgeber, weitere betroffene Dienstleister oder Mitarbeiter von VW FS, die von den möglichen Vorfällen wissen, auf, sich zu melden. Über eine Seite des Landeskriminalamts im Internet sei das anonym möglich. Wellendorf versichert: „Es handelt sich um einen anonymisierten Zugang. Wer diesen nutzt, ist ausdrücklich nicht zurückverfolgbar.“ Auf der Startseite www.lka.niedersachsen.de findet sich der Reiter „Korruption – Anonymes Hinweisgebersystem“. Darüber können Menschen, die nicht erkannt werden wollen, Informationen weitergeben. Laut Wellendorf ist es auch möglich, eine Art Postfach einzurichten, über das die Ermittler mit dem Hinweisgeber kommunizieren können. Auf der Internetseite sind Sicherheitshinweise aufgeführt, beispielsweise, dass man keine Informationen über den PC im Unternehmen eingeben sollte.

Die Zentrale Kriminalinspektion Braunschweig ist mit neun Mitarbeitern als Fachdienststelle für unsere gesamte Region zuständig. Wellendorf: „Wir bearbeiten permanent 20 bis 30 Fälle von Korruptionsverdacht.“ Die meisten von ihnen würden durch anonyme Hinweisgeber ausgelöst. Er betont, dass nicht aus jedem Fall auch eine Verurteilung entstehe.

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