Kita-Plätze erleichtern Planung

Salzgitter  In Salzgitter debattieren Politiker und Vertreter der Wirtschaft über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Kinderbetreuung im Kindergarten „Frech Daxe“ der VW FInancial Services AG.

Kinderbetreuung im Kindergarten „Frech Daxe“ der VW FInancial Services AG.

Foto: privat

Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen gemeinsam daran arbeiten, dass Familie und Beruf künftig besser harmonieren. Darauf verständigten sich Vertreter aller Lager am vergangenen Freitag bei der Diskussionsrunde „Die neue Vereinbarkeit: Gut für die Familie – gut für die Wirtschaft!“ im Gästehaus der Salzgitter AG in Salzgitter-Lebenstedt. Initiiert hatte die Veranstaltung der SPD-Bezirk Braunschweig und dessen Vorsitzender, Bundestagsabgeordneter Hubertus Heil.

Wie sich die Familie mit dem beruflichen Alltag bei Galeria Kaufhof in Braunschweig vereinbaren lässt, stellte Geschäftsführerin Susanne Hollenbach den Gästen vor: „Bei uns ist es einem Elternteil möglich, sich deutlich länger Elternzeit zu nehmen als üblich.“ Auch Teilzeitangebote gebe die Tarifvereinbarung her. Wichtig sei dem Unternehmen, dass die Mitarbeiter nach ihrer Pause überhaupt zurückkommen. Denn: „Schließlich haben wir viel in die Mitarbeiter investiert, daher wollen wir sie und ihre Fähigkeiten natürlich behalten.“

Rifat Fersahoglu-Weber von der Arbeiterwohlfahrt im Bezirk Braunschweig kennt diese Probleme genau. „Wir haben bei uns zu 80 Prozent Frauen als Angestellte“, sagte der Awo-Vorstandsvorsitzende. Besonders in seinem Segment mache sich der Fachkräftemangel aktuell bemerkbar. „Daher ist uns sehr daran gelegen, die Kollegen aus der Elternzeit auch so schnell wie möglich wieder bei uns zu haben.“

Doch weit mehr als die Elternzeit beschäftige die Awo-Mitarbeiter ein anderes Thema: Die Pflege von Angehörigen. „Im Schnitt ist unsere Belegschaft zwischen 47 und 48 Jahre alt, und für mehr als die Hälfte davon ist die Pflege von Angehörigen ein Thema“, sagte Fersahoglu-Weber.

Darauf, dass dieses Thema auch gesellschaftlich an Relevanz gewinne, habe die Awo bereits reagiert. „Mit Pflegefällen werden Angehörige meist sehr spontan konfrontiert. Deswegen haben wir eine Notpflege-Hotline geschaltet, mit der sich betroffene Familienmitglieder telefonisch erste wichtige Tipps im Umgang mit Pflegebedürftigen holen können“, erklärte Fersahoglu-Weber.

Was die Braunschweiger Volkswagen Financial Services AG für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unternimmt, erläuterte Christiane Hesse, im Vorstand verantwortlich für den Bereich Personal. Außer Teilzeitmodellen biete das Unternehmen auch die Unterbringung von Kindern in der betriebseigenen Kindertagesstätte an, sagte sie.

„Allerdings nur für Mitarbeiter.“ Die Öffnungszeit der Kinderbetreuung von morgens 7 Uhr bis abends 20.30 Uhr unterstütze Eltern bei der Planung der Berufstätigkeit, sagte Hesse. Allerdings sei bekannt, dass mehr Mitarbeiter das Angebot am Vormittag ausschöpfen. Denn: „Kaum ein junges Elternteil will am Nachmittag bis spät abends arbeiten – da soll meist Zeit für die Familie sein.“

Zur Optimierung des familiären und beruflichen Alltags – und da waren sich alle Redner einig – sei vor allem Eines wichtig: Flexibilität – des Arbeitgebers und der Angestellten. Das schließe auch ein, statt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von einer „lebensphasenabhängigen Personalpolitik zu reden, die die Pflege von Angehörigen mit einschließt“, ergänzte Hesse.

Erforderlich sei es auch, dass sich verstärkt Männer mit den Themen Elternzeit und Pflege auseinandersetzen. Schließlich sei die Rollenverteilung diesbezüglich schlichtweg zu traditionell. Hesse: „Und das trägt nicht zur Einführung eines fortschrittlicheren Modells bei.“

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