Effektiver Produzieren – Verschwendung war gestern

Braunschweig  Wer schneller und günstiger produzieren will, muss Abläufe im kompletten Konzern optimieren. Das haben die Deutschen von den Japanern gelernt.

Zum ganzheitlichen Produktionssystem gehört auch, dass Mitarbeiter, wie hier in der VW-Produktion, ihre Ideen einbringen.

Zum ganzheitlichen Produktionssystem gehört auch, dass Mitarbeiter, wie hier in der VW-Produktion, ihre Ideen einbringen.

Foto: Rasehorn

Was hatten diese Japaner da nur gemacht? Anfang der 90er Jahre entwickelte und produzierte Toyota doppelt so schnell Autos wie westliche Hersteller – zur Hälfte der Kosten. Zu einer Zeit, in der sich die deutsche Industrie vor allem auf die Technologie konzentrierte, hatten die Japaner bereits die komplette Struktur von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb verschlankt, erzählt Uwe Dombrowski, Leiter des Instituts für Fabrikbetriebslehre und Unternehmensforschung an der TU Braunschweig. Diesem Weg der Produktion, den viele deutsche Unternehmen einschlugen, widmete sich gestern das 6. Braunschweiger Symposium für ganzheitliche Produktionssysteme im Haus der Wissenschaft.

Es geht bei diesem System um nicht weniger als das große Ganze. „Das ganzheitliche Produktionssystem ist wie ein Regelwerk, eine Handlungsanweisung, wie Unternehmen verschwendungsarm produzieren können“, sagt Dombrowski. Der Modulare Querbaukasten in der Autoproduktion beispielsweise kann ein Teil davon sein. Aber dieses System, das die sogenannte Lean-Produktion, die wörtlich übersetzt magere Produktion, beinhaltet, wird nicht nur in der Autoindustrie angewandt. „Alle produzierenden Unternehmen können davon profitieren“, sagt Dombrowski.

Dahinter steckt vor allem eines: Transparenz. „Wissen ist Macht.“ Und früher hätten so manche Führungskräfte ihr Wissen nicht gern geteilt. Das neue System bedeutet eben auch, dass Mitarbeiter auf unteren Ebenen selbstständig Probleme erkennen, beheben oder Verbesserungsvorschläge machen. „Alle Mitarbeiter sollen unternehmerisch denken, sich als Teil des Unternehmens fühlen und dementsprechend handeln.“

Volkswagen sei mit dem ganzheitlichen Produktionssystem zum ersten Mal in den 90er Jahren in Berührung gekommen, sagt Bernhard Huck, Leiter der Abteilung Produktionssystem bei VW. Doch erst seit 2007 sei es konsequent vorangetrieben worden. „Irgendwann stößt man bei der Optimierung an Grenzen, dann kommen sie aufgrund der Werksstrukturen nicht weiter“, sagt Huck. Auf anderen Wegen aber gehe es weiter: Wenn es zu lange dauert, etwas zu schrauben, wird eben geklipst. Eine neue Methode wird entwickelt.

Dombrowksi sagt: „Wenn die Lean-Produktion nicht eingeführt worden wäre, wären wir nicht in der Lage gewesen, eine wettbewerbsfähige Position auf dem Weltmarkt einzunehmen.“ Aber es gebe noch viel zu tun: In den meisten Unternehmen beschränke sich das ganzheitliche Produktionssystem auf die Produktion, sowie Logistik oder das Qualitäts- und Instandhaltungsmanagement, sagt Dombrowski. „Die Produktentstehung sowie der Vertrieb und Service werden bisher in der Regel nicht mit einbezogen.“ Doch das sei zwingend erforderlich. In der Verwaltung seien die Prozesse nicht so optimiert wie in der Produktion. Führung sei notwendig, um diesen Kulturwandel zu unterstützen, der für eine kontinuierliche Verbesserung im Unternehmen erforderlich sei.

Das Symposium, das vom der TU Braunschweig, der Deutschen MTM-Vereinigung, der IHK Braunschweig und dem Verein Deutscher Ingenieure veranstaltet wurde, soll auch im kommenden Jahr wieder stattfinden.

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