„VW geht auf seine eigenen Fans los“

Wolfsburg  Der VW-Konzern hat einen VW-Fan abgemahnt, weil der im Internet historische Golf-Prospekte kostenlos zum Download angeboten hat.

Andreas Peters ist seit Jahren VW-Fan. Seine VW-Fanseite Doppel-Wobber brachte ihm eine Abmahnung aus Wolfsburg ein.

Andreas Peters ist seit Jahren VW-Fan. Seine VW-Fanseite Doppel-Wobber brachte ihm eine Abmahnung aus Wolfsburg ein.

Foto: privat

Andreas Peters lebt in der Nähe von Berlin und ist mindestens sein halbes Leben lang VW-Fan: Mit 18 bekam der heute 36-Jährige seinen ersten Golf. „Inzwischen fahre ich einen Golf 6. Meine Freundin fährt einen Golf 3.“ Seit dem Jahr 2000 betreibt Peters die Internetseite Doppel-Wobber. Wer etwas über den Golf wissen will, egal welche Generation, erfährt es dort: Herstellercodes, Motorkennungen, Lacke – kein Thema ist zu speziell. Auch historische Golf-Prospekte von VW konnte man sich beim Doppel-Wobber herunterladen.

Vor kurzem aber bekam Peters Post aus Wolfsburg: Die VW-Rechtsabteilung warf ihm vor, mit den Prospekten die Urheberrechte des Konzerns zu verletzen. Um das nicht vor Gericht austragen zu müssen, sollte Peters nicht nur die Download-Möglichkeiten entfernen. „Die haben mich auch aufgefordert, alle Prospekte in meinem Besitz zu vernichten“, sagt Peters. Außerdem sollte er VW den Schaden ersetzen, der durch die Downloads entstanden ist. Er fragte sich: Wo hat der Konzern einen Schaden, wenn jemand Broschüren ins Netz stellt, die VW sowieso umsonst verteilt?

Peters sagt, er hätte von VW eine Genehmigung erhalten, die Downloads anzubieten, finde diese aber nicht mehr. Aber wenn schon: „Die hätten ja auch einfach mal anrufen können, dann hätte ich die Prospekte aus dem Netz genommen.“ Peters berichtete auf seiner Seite über die harsche Abmahnung. Er ist nicht der Erste, dem so etwas passiert ist. „Es rollt eine Abmahnwelle. VW geht mit dem Holzhammer auf seine eigenen Fans los“, sagt Bernd Frank, der auf seiner Internetseite Fusselblog über den Fall Doppel-Wobber berichtet. Schon wer eine Käfersilhouette auf eine Fußmatte drucke, bekomme es mit den Anwälten aus Wolfsburg zu tun.

„Immer wieder gibt es Versuche, mit unserem guten Namen Geschäfte zu machen“, so erklärt der Konzern sein mitunter rigoroses Vorgehen. Peters machte mit seinen Prospekten keine Geschäfte, er ist einfach nur ein VW-Fan, dem nun horrende Strafen angedroht wurden. Das empörte die Netzgemeinde. Hunderte von hämischen Kommentaren finden sich in Foren und auf Facebook. Tenor: „VW, schämt euch in Grund und Boden!“

Das tun sie in Wolfsburg angesichts der Proteste nun offenbar auch. „Wir sehen ein, dass wir in diesem Fall über das Ziel hinausgeschossen sind“, sagt Konzernsprecher Eric Felber. „Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür.“ Als auch der „Spiegel“ im Netz groß über den Fall Doppel-Wobber berichtete, erhielt Peters einen freundlichen Anruf aus der VW-Rechtsabteilung und eine Mail: Man bedaure den Vorfall, Peters müsse seine Prospekte nicht vernichten. „Wir sind bemüht, die Fans mit ordnungsgemäß gestalteten Materialien versorgt zu sehen. Das allein war unsere Absicht.“

Peters, im Hauptberuf Mobilfunk-Techniker, nimmt die Entschuldigung an. „Ich hoffe, ich habe für andere etwas erreicht, denen es ähnlich ergehen könnte.“ Man möchte Doppel-Wobber Peters wünschen, dass er nicht demnächst noch Ärger mit Burger King bekommt – die Fastfood-Kette hat die Rechte am Namen Doppel-Whopper.

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