Berlin. Als Erwachsener noch eine Fremdsprache lernen: Dafür gibt es gute Gründe. Zwei Expertinnen erklären, was zum Lernerfolg beitragen kann.

Hello, Bonjour oder Hola – im Alltag wird man mit den verschiedensten Fremdsprachen konfrontiert. Vor allem Englisch ist kaum mehr aus unserem Sprachgebrauch wegzudenken. Doch nicht alle Menschen konnten sich Fremdsprachen in der Schule aneignen. Wenn man diese auch als Erwachsener noch lernen will, dann stellen sich Fragen: Wie schwer ist das und welche Formate sind besonders effektiv?

Fit im Kopf bleiben, indem sie eine Sprache lernen – das wollen viele der Schülerinnen und Schüler, die Janet Beuche an der Volkshochschule Leipzig betreut. „Zirka 73 Prozent der Menschen, die hier eine Sprache lernen, sind über 30 Jahre alt”, erklärt die pädagogische Mitarbeiterin im Fremdsprachenbereich. Vor allem Rentnerinnen und Rentner finden sich in ihrem Unterricht wieder.

Sprachen lernen: Darum dauert es mit zunehmenden Alter länger

Dabei kann es eine Herausforderung sein, sich im fortgeschrittenen Alter noch eine Sprache anzueigenen. „Es wird mit zunehmendem Alter etwas schwerer eine Sprache zu lernen beziehungsweise es dauert etwas länger”, erzählt Beuche. Abhängig sei dies auch von den Lerngewohnheiten einer Person. Sie sagt: „Wer täglich kognitiv gefordert ist, der kann besser Informationen aufnehmen und meistens auch Sprachen besser lernen.”

Dass der Sprachlernprozess länger dauert, können Erwachsene aber mit ihrer Erfahrung ausgleichen. So erklärt es Anke Grotlüschen, Professorin für Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg. Als Kinder erzeugten wir sehr schnell neue Zusammenhänge zwischen Wörtern und ihrer Bedeutung, so Grotlüschen. Diese Fähigkeit werde mit der Zeit langsamer.

Stattdessen würden wir als erwachsene Person aber mehr Wörter und Fremdwörter kennen. „Wenn ich ein neues, ähnliches Wort lerne, dann kann ich es an die Erfahrung anknüpfen und mir dadurch merken”, so die Expertin.

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„Zum Beispiel weiß ich, dass eine Retoure heißt, etwas zurückzugeben oder zu drehen, und die Sonne wird in vielen Ländern als Sol bezeichnet”, erläutert Grotlüschen zur Veranschaulichung. „Wenn dann auf einer Verpackung „tournesol” steht, dann kann ich mir zusammenreimen, dass darin wahrscheinlich eine Sonnenblume ist, die sich immer der Sonne nach dreht.”

Sprache lernen als Erwachsener: Das entscheidet über die Dauer

Gründe eine neue Sprache zu lernen gibt es viele. Neben dem Ziel, das eigene Gedächtnis zu trainieren, kommen viele Menschen in den Unterricht, um sich auf Reisen vorzubereiten, erklärt Beuche. „Die meisten verbringen häufiger den Urlaub in einem bestimmten Land und wollen dann die Sprache dafür lernen”, sagt sie. Andere brauchten eine Sprache womöglich für ihren Beruf.

Einfach mal reden: Es ist wichtig, einer Sprache, die man lernt, oft im Alltag zu begegnen.
Einfach mal reden: Es ist wichtig, einer Sprache, die man lernt, oft im Alltag zu begegnen. © WAZ FotoPool | Markus Joosten

Sprachwissenschaftlerin Grotlüschen ergänzt, dass es auch ein Ziel des Sprachenlernens sein kann, Filme und Serien im Originalton zu sehen. Zusätzlich sieht sie, dass die Generation der 50-Jährigen in Ostdeutschland ihre Englischkenntnisse nachholen möchte, weil die Sprache damals in der Schule nicht gelehrt wurde.

Die gewünschte Sprache zu erlernen, kann unterschiedlich lang dauern. Grotlüschen stellt dazu folgende Fragen in den Raum: „Wie viel Zeit können wir aufbringen? Wie schwierig ist die Sprache? Wie oft treffen wir auf Menschen, die die neue Sprache von uns fordern? Wie hoch ist meine bisherige Kenntnis von Sprachen? All diese Punkte entscheiden darüber, wie viel Zeit man in das Verinnerlichen einer Sprache stecken muss.“

Expertin: Einfach etwas trinken gehen und sich austauschen

Da man laut Forschung eine Sprache über das Praktizieren lernt, sei es ein wichtiger Aspekt, ihr ständig zu begegnen, so die Expertin. So sei es viel beispielsweise schwerer für jemanden Deutsch zu lernen, wenn dieser in einer Flüchtlingsunterkunft isoliert ist, in der die Sprache nicht gesprochen wird, als in einer kleinen Gemeinschaft, wo ständig Deutsch gesprochen würde.

Gerade der Austausch sei in der Lernphase besonders wichtig. Neben dem Pauken von Vokabeln und Grammatik hält Grotlüschen es für wichtig, einfach auch mal mit Menschen etwas trinken zu gehen und zu versuchen, sich auszutauschen. Da komme es vor allem auf die Aussprache an, so die Professorin: „Die anderen kommen in der Regel damit zurecht, wenn die Grammatik nicht stimmt, aber wenn die Betonung falsch ist, dann wissen sie nicht, welches Wort gemeint ist.“

Zusätzlich können der Expertin zufolge vor allem regelmäßige Begegnungen wie Konversationsgruppen und individuellen Aufgaben die Lernenden motivieren. Beuche findet diesen Punkt in ihren Kursen ebenfalls wieder: „Viele sind sehr zufrieden mit den Kursen, die einmal die Woche stattfinden, weil diese sich gut in den Alltag integrieren lassen.“

Fremdsprachen: Diese sind am leichtesten zu lernen

Ob man nun Englisch, Spanisch oder Arabisch lernen möchte, ist sehr individuell. Sollten bereits Kenntnisse in einer romanischen Sprache, wie Spanisch, Italienisch oder Französisch vorliegen, dann empfiehlt Beuche eine weitere aus dieser Sprachfamilie zu lernen. Nicht ganz so komplex in der Grammatik seien Englisch oder Niederländisch, erklärt sie.

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„Am wichtigsten ist, dass man einen Bezug zu der Sprache hat, die man lernt”, führt die pädagogische Mitarbeiterin aus. „Hat man diesen nicht, dann kommt man schnell zu dem Punkt, an dem man sich fragt, warum man das überhaupt macht.” Ist der Grund aber gefunden, sollte das Lernen vor allem Spaß machen.

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Wie schnell das Ganze geht, sei dann häufig nicht entscheidend. Beuche: „Für viele war das Lernen einer Sprache in der Schule eine negative Erfahrung. Die Lernenden genießen deshalb, im erwachsenen Alter eine Sprache mit mehr Ruhe und weniger Druck zu lernen.”