Braunschweig. Immer mehr Menschen veröffentlichen im Internet Rezepte oder Videos rund ums Essen. Gutes Essen gehört mittlerweile zum guten Ton.

Haferflocken verwandeln sich unter Zugabe von Milch oder Wasser und etwas Zucker in einen süßlichen Matsch, auch etwas unschön Haferschleim genannt.

Im Internet erlebt dieses einfache, schmackhafte Frühstückchen eine wahre Renaissance. Dahinter stecken die sogenannten „Foodies“, also Feinschmecker, die sich gern mit Essen beschäftigen, Essen gehen oder darüber schreiben und es fotografieren.

So geschieht es jeden Morgen weltweit, wenn unter dem Hashtag #porridge (zu deutsch Haferschleim) tausende Fotos hübscher Müslischalen einlaufen. Inhalt: Haferschleim, hübsch dekoriert mit Nüssen, Früchten oder Minzblättchen. Porridge ist cool, Porridge ist gesund, Porridge ist ein Lebensstil, möchte man meinen. 353 407 Fotos findet Instagram allein unter dem Suchbegriff #porridge.

Es ist mittlerweile kaum noch verpönt (jedenfalls unter Foodies), wenn im Restaurant jemand sein Smartphone herauskramt und ein Foto seines Essens schießt – um es dann bei Instagram hochzuladen.

Denn das Sendungsbewusstsein der Foodies ist groß. Nicht nur bei Instagram gehören Essensbilder zu den beliebtesten Motiven. Auf sogenannten Foodblogs veröffentlichen immer mehr Menschen ihre eigenen Rezepte, rezensieren Kochbücher oder stellen den Weinladen ihres Vertrauens vor. Einen Überblick über die Anzahl an Foodblogs gibt es nicht.

Klar ist jedoch: Kochen und Genießen gehört mittlerweile zum guten Ton. Selbstgekocht muss es sein, regionale Produkte bestenfalls und schön sollte es aussehen – für die Fotos. Apps wie Food.TV, die Videos vom Kochen und über Lebensmittelproduzenten bündeln und verbreiten oder die App Kitchenstories (Geschichten aus der Küche), die Videos gemeinsam mit Sterneköchen darüber drehen, wie ein ordentliches Coq au Vin zubereitet wird, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Braunschweiger Foodbloggerin Lisa Strube hat ihren Blog „That’s Food, Darling“ im Juli 2014 gegründet und hat mittlerweile knapp 8000 Fans bei Insta-gram. Sie veröffentlicht ausschließlich vegane und vegetarische Rezepte. Sie ist selbst ein großer Fan verschiedener Foodblogs.

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„Foodblogs sind definitiv eine Bereicherung“, sagt Lisa Strube. „Sie sind sehr benutzerfreundlich, man kann spezifisch suchen, nach Gerichten, Zutaten oder speziellen Ernährungsweisen. Ich speichere beispielsweise Rezepte, die mir gefallen, gerne auf der Online-Plattform Pinterest und habe so alle Rezepte an einem Ort konzentriert und immer griffbereit.“

Während sich die Feinschmecker im Internet auf Foodblogs, Instagram und Pinterest visuelle Anreize holen, erfahren auch Kochbücher durch den Internettrend „Essen“ einen Aufschwung.

Thomas Wrensch, Inhaber der Braunschweiger Buchhandlung Graff, hat die Kochbuchabteilung vor anderthalb Jahren sogar erweitert. „Viele Menschen lieben es, in Kochbüchern zu blättern und sammeln sie“, so Wrensch. „Mittlerweile bieten wir auch Gewürze und Geschirr zu den Kochbüchern an.“ Auch Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels stellt bei einem Blick auf die Umsatzzahlen fest: Das Kochbuch-Segment wächst stetig. Stevan Paul, erfolgreicher Foodblogger (Nutriculinary), mehrfacher Kochbuch-Autor (Deutschland vegetarisch) und selbst Koch, sagte jüngst in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Ein gutes Kochbuch sollte mit Sorgfalt geschrieben und gestaltet sein. Eine gewisse Opulenz schätze ich sehr, dazu gehören auch Ausstattung und Haptik. Das wäre der Wettbewerbsvorteil gegenüber Apps, E-Books und seelenlosen Kochportalen im Netz.“

INFORMATIONEN

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist der Dachverband der deutschen Buchbranche. Er vertritt die Interessen der deutschen Buchhandlungen, Verlage und Zwischenbuchhandlungen.

Auf der Internetseite www.koestlichundkonsorten.de gibt es eine großen Index deutschsprachiger Foodblogs, die Liste ist allerdings unvollständig.

Die Braunschweigerin Lisa Strube bloggt auf thatsfooddarling.blogspot.de