Jörg Schmadtke: „Ich habe keinen Disput mit Bruno Labbadia“

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg trifft auf die Berliner Hertha, bei der Bruno Labbadia Trainer ist. Um dessen Aus in Wolfsburg gibt’s noch immer Diskussionen.

Unter ihrer Führung änderte sich etwas beim VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke (von links), Marcel Schäfer und Bruno Labbadia. 

Unter ihrer Führung änderte sich etwas beim VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke (von links), Marcel Schäfer und Bruno Labbadia. 

Foto: Darius Simka / regios24

Der VfL Wolfsburg feiert am Sonntag ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Trainer. Bruno Labbadia coacht seit April Hertha BSC – und steht beim von Investor Lars Windhorst millionenschwer unterstützten Hauptstadtklub nach einem schwachen Saisonstart (ein Sieg, vier Niederlagen) unter Druck. Das ist ein Grund, warum ein gewisser Fokus auf dieser Partie liegt. Ein anderer ist die Geschichte zwischen Labbadia und dem VfL, die im Sommer 2019 zwar sportlich als Happy End ausging, zwischenmenschlich aber Fragen aufwarf.

Und das kam so: Labbadia war im Frühjahr 2018 nach Wolfsburg gekommen. Der erfahrene Trainer sollte die miserabel zusammengestellte und völlig verunsicherte Mannschaft vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Labbadia bewältigte diese Mission hauchzart über die Relegation gegen Holstein Kiel. „Das“, sagte der Ex-Profi erleichtert nach dem gewonnenen Rückspiel in Schleswig-Holstein tief in der kühlen Nacht, „war die härteste Aufgabe meiner Karriere.“ Das muss schon was heißen. Labbadia hatte zu dem Zeitpunkt schon zweimal den Hamburger SV trainiert.

Neuaufstellung fruchtet

Der VfL stellte sich nach hochnotpeinlichen zwei Jahren neu auf. Sportdirektor Olaf Rebbe musste gehen, Aufsichtsratschef Javier Francisco Garcia Sanz ebenfalls. Den VW-Mann ersetzte Frank Witter, und dessen erste Amtshandlung war die Installation eines neuen Geschäftsführers: Jörg Schmadtke. Der wiederum holte Marcel Schäfer aus den USA zurück, wo der Ex-VfL-Profi seine aktive Karriere ausklingen ließ. Der Liebling der Fans wurde zu Schmadtkes Sportdirektor.

Sommer 2018 ist der Wendepunkt

Der Sommer 2018 stellt einen Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des VW-Klubs dar. Denn einerseits kümmerten sich Schmadtke und Schäfer um die wirtschaftliche Konsolidierung der Mannschaft. Klarer gesagt: Sie räumten den aufgeblähten, überbezahlten und teils identifikationslosen Kader auf. Und andererseits implantierte Labbadia eine attraktive Spielidee.

Das in vielen langen Trainingseinheiten dauerhaft wiederholte Offensivspiel wurde stilprägend für die Grün-Weißen. Die Zuschauer hatten nach langen tristen Zeiten wieder Spaß an ihrer Mannschaft. Und sie war damit sogar erfolgreich. Die Wolfsburger schlossen die Saison auf Rang 6 ab und qualifizierten sich direkt für die Europa League. Labbadia wurde von seinen Spielern auf Händen durch die VW-Arena getragen und gefeiert. Doch er blieb nicht.

Labbadia kam Aus nur zuvor?

Schmadtke sagt heute: „Er hat seinen Vertrag auslaufen lassen.“ Stimmt. Zwar hatten sowohl Geschäftsführer als auch Trainer monatelang öffentlich bekundet, ergebnisoffen über eine weitere Zusammenarbeit sprechen zu wollen, doch dazu kam es nicht mehr. Im Frühjahr betrat Labbadia Schmadtkes Büro und teilte seinem Chef mit, dass er keinen neuen Vertrag beim VfL unterschreiben wird. Dass Labbadia mit diesem Schritt nur dem zuvorkam, was ohnehin geplant war – eine Neuausrichtung auf der Trainerposition –, ist wahrscheinlich.

Chemie stimmt manchmal nicht

Denn die Beziehung der beiden Alphatiere war zum Zeitpunkt des Entschlusses Labbadias entzweit. Schmadtkes Aussage, dass die Chemie manchmal einfach nicht stimme, hat diese Stimmung auch in die Öffentlichkeit getragen. Der Manager, vom Fußball-Magazin „11 Freunde“ als „vergeistigter Eigenbrötler“ charakterisiert, auf der einen Seite, und der Trainer, der „schöne Bruno“, auf der anderen. Zwei gegensätzliche Typen, die sich seit den 1990er Jahren kennen, weil sie sich ständig im Geschäft Bundesliga irgendwo begegnen, konnten nicht mehr zusammen – und so trennten sich die Wege. Einvernehmlich, wie es heutzutage gerne und oftmals unpassend kundgetan wird.

„Es gibt keine Probleme“

Schmadtke findet jedoch, dass es in dem Fall passen kann, weil „es beide Seiten bis zum letzten Tag ordentlich“ gemacht haben. Daher gibt es nun auch kein böses Blut vor dem Wiedersehen. „Ich habe keinen Disput mit Bruno Labbadia, es gibt keine Probleme zwischen uns. Deshalb werden wir uns am Sonntag begegnen, einen guten Tag wünschen – und alles ist gut“, stellt der Geschäftsführer klar. „Auch wenn das vielleicht für manche ärgerlich ist.“

Denn in der Öffentlichkeit herrscht oftmals noch die Annahme vor, Schmadtke hätte Labbadia im Sommer 2018 rausgeworfen. Hat der Manager aber faktisch nicht, der Trainer ist gegangen. Nach einem sportlichen Happy End.

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