Ein glücklicher Punktgewinn des VfL Wolfsburg im Breisgau

Freiburg.  Beim 1:1 des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg in Freiburg rotiert der Trainer siebenmal freiwillig und einmal gezwungenermaßen.

Eigentlich hätte die Partie des VfL Wolfsburg am Sonntag in Freiburg schon im schicken neuen Stadion stattfinden sollen. Aber die Corona-Pandemie verzögerte die Fertigstellung, sodass die Grün-Weißen noch einmal im Schwarzwald-Stadion aufliefen – und offenbarten dort, dass auch sie die eine oder andere Baustelle haben. Am zweiten Bundesliga-Spieltag lieferten sie einen uninspirierten und fehlerbehafteten Auftritt. Das 1:1 (1:1) war für die Wolfsburger ein glücklicher Punktgewinn.

Tatsächlich hatte Oliver Glasner, der Trainer des VfL, im Vorfeld angekündigt, aufgrund der hohen Belastung wieder rotieren zu wollen. Dass die Rotation so kräftig ausfiel, überraschte aber doch. Auf sieben (!) Positionen im Vergleich zum 2:0 in der Europa League gegen Desna Chernihiv am Donnerstagabend wollte der Österreicher die erste Elf verändern – mutig. So bekam unter anderem Torjäger Wout Weghorst eine Pause, für ihn begann Daniel Ginczek. Die größte Überraschung war indes Yunus Malli, der in dieser Saison noch keine Pflichtspiel-Minute absolviert hatte.

Acht Umstellungen

Zu den sieben geplanten Veränderungen kam kurz vor Anpfiff eine weitere ungeplante. Torhüter Koen Casteels hatte das Warmmachen wegen Problemen mit dem Knie abbrechen müssen, für ihn begann Pavao Pervan. Doch zunächst wirkten die Wolfsburger nicht geschockt ob des Fehlens der Nummer 1. Durch Schüsse von Joao Victor (6.) und Daniel Ginczek (8.), jeweils vorbereitet durch Malli, näherte sich der VfL dem SC-Tor früh an. Die Gäste waren in den ersten Minuten das aktivere Team.

Doch mit der elften Minute kippte die Partie zugunsten der Freiburger. Weil Maximilian Arnold nach einer Ecke gegen SC-Torjäger Nils Petersen zu spät kam und der Wernigeroder am kurzen Pfosten zum 1:0 einköpfen konnte. Der VfL verlor völlig den Faden, während die Gastgeber am Drücker waren und die Wolfsburger mit ihren präzisen Seitenwechseln immer wieder vor Probleme stellten.

Teils überfordert

Teils wirkten die Grün-Weißen gar überfordert und reagierten – ungewohnt für sie – mit Härte. Paulo Otavio, John Anthony Brooks und Arnold sahen völlig zu Recht gelbe Karten. Zurück in die Partie kamen die Wolfsburger durch einen Standard. Josip Brekalo donnerte den Ball aus gut 16 Metern aufs Tor und hatte Glück, dass die SC-Mauer ihn unter die Latte abfälschte (42.). Ein glückliches Tor für ein glückliches 1:1 zur Halbzeit.

Und es wurde nach dem Seitenwechsel nicht wirklich besser. Zwar begann die zweite Hälfte mit einem Schuss Yannick Gerhardts, den Florian Müller im SC-Tor zur Ecke abwehrte. Aber dann übernahm wieder Freiburg das Kommando. Der Treffer von Nicolas Höfler wurde korrekterweise wegen Abseits aberkannt (57.), dann zielte Christian Günter knapp daneben (61.), und wieder nur drei Minuten später traf SC-Rekordeinkauf Baptiste Santamaria (10 Millionen Euro) wuchtig den Pfosten.

Verunsicherung zu spüren

Der VfL wirkte in dieser Phase verunsichert. Das beste Beispiel: ein kurzer Abstoß Pervans, den Josuha Guilavogui passieren ließ und der daraufhin im Toraus landete. Pässe über fünf Meter landeten oft beim Gegner und nicht beim Mitspieler. Bezeichnend, aber auch ein Indiz für die hohe Belastung der vergangenen Wochen: In der 77. Minute nahm Glasner bereits die Wechsel Nummer 4 und 5 vor, während der SC – ohne die Belastung durch den Europapokal – noch gar nicht getauscht hatte.

Besser wurde es durch die Wechsel aber nicht. Der VfL hatte mächtig Dusel, dass die Freiburger mit ihren Chancen so nachlässig umgingen, auch wenn er sie noch so zuvorkommend einlud. So wie in der 90. Minute, als der eingewechselte Weghorst einen Rückpass zu kurz spielte. Lucas Höler tauchte alleine vor dem nicht immer sicheren Pervan auf, zögerte jedoch zu lange. Es wäre ein passender Schlussakt gewesen. Doch es blieb beim glücklichen 1:1 für den VfL.

Spiel kompakt:

SC Freiburg: Müller – Schmid, Lienhart, Heintz (90.+5 Gulde), Günter – Santamaria, Höfler – Sallai (78. Kwon), Grifo (78. Jeong) – Höler, Petersen (88. Demirovic).

VfL Wolfsburg: Pervan – Klaus, Guilavogui, Brooks, Otavio (77. Roussillon) – Gerhardt, Arnold (58. Schlager) – Joao Victor (49. Steffen), Malli (58. Mehmedi), Brekalo – Ginczek (77. Weghorst).

Tore: 1:0 Petersen (11.), 1:1 Brekalo (42.).

Gelbe Karten: – / Otavio (1.), Arnold (1.), Brooks (1.).

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen).

Zuschauer: 3200 im Schwarzwald-Stadion.

Personal: Bis auf die Langzeitverletzten William, Mbabu und Pongracic waren alle Profis dabei. Allerdings verletzte sich Keeper Casteels beim Warmmachen. Zum ersten Mal im Kader war Bialek, Stürmer-Neuzugang aus Polen.

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