VfL Wolfsburg: Glasners Irrtum vor dem Gradmesser

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg empfängt am Samstag das Spitzenteam Borussia Dortmund. Im Hinspiel riss Glasners Unbesiegt-Serie in der Fußball-Bundesliga.

Das zweite von drei BVB-Toren: Raphael Guerreiro (links) traf im Hinspiel gegen den VfL Wolfsburg, Verteidiger Marcel Tisserand kam zu spät. Am Samstag gibt's das Wiedersehen.

Das zweite von drei BVB-Toren: Raphael Guerreiro (links) traf im Hinspiel gegen den VfL Wolfsburg, Verteidiger Marcel Tisserand kam zu spät. Am Samstag gibt's das Wiedersehen.

Foto: Darius Simka / regios24

Neun Bundesliga-Spiele lang blieb Oliver Glasner als Trainer des VfL Wolfsburg vom Start weg ungeschlagen – und dann kam Borussia Dortmund. Das 0:3 am zehnten Spieltag Anfang November ließ die grün-weißen Profis eine neue Seite an ihrem Coach entdecken: die des auch mal zornig werdenden Perfektionisten, der es gar nicht leiden kann, wenn Vorgaben nicht umgesetzt werden und sich Fehler wiederholen. „Wenn man weiterkommen möchte, darf man sich nicht zufrieden geben“, erklärt der 45-Jährige vor dem Wiedersehen mit dem BVB am Samstag (15.30 Uhr) in Wolfsburg.

Was war am 2. November im Signal-Iduna-Park passiert, das den ansonsten so bedächtig wirkenden VfL-Coach derart erzürnte? Bis zur 52. Minute hatten die Wolfsburger gut mitgespielt, der Borussia fast keine Chance ermöglicht. Doch dann traf erst Thorgan Harzard und sechs Minuten später Raphael Guerreiro – weil der VfL die eigenen Angriffe nicht gut genug abgesichert hatte. Als Glasners Sicht nicht zum ersten Mal in der Saison. Nur war es bis dato nicht bestraft worden. Doch die Dortmunder hatten und haben die Qualität. „Wir haben in der einen oder anderen Situation Nachlässigkeiten. Warum das so ist, werde ich die Spieler fragen“, grantelte der Österreicher damals.

Zwei formstarke Teams treffen aufeinander

Am Samstag gibt’s das Wiedersehen. Wie schon im Hinspiel treffen zwei formstarke Teams aufeinander. Hier der VfL, der seit sieben Spielen nicht mehr verloren hat und mit einem 2:1 in Augsburg aus der Corona-Zwangspause gestartet ist. Dort der BVB, der mit einem furiosen 4:0 im Revierderby gegen Schalke Platz 2 hinter den Bayern gefestigt hat. Als eine „der besten Mannschaften Deutschlands“ tituliert Glasner die Gäste, die vor allem mit ihrer Offensive regelmäßig für Glanzlichter sorgen. 72 Tore in 26 Partien – das ergibt einen Schnitt von fast drei Treffern pro Partie.

Doch es sind gerade diese Duelle, auf die die Wolfsburger und allen voran ihr Coach hinfiebern. Spiele wie zuletzt in Augsburg – so ehrlich muss man sein – wecken nicht den selben Ehrgeiz. Wenn es gilt, einen „Großen“ zu schlagen, wird der eine oder andere Kilometer mehr gelaufen, fällt so mancher Zweikampf kerniger aus. Für Glasner steht fest: Aus diesen Partien lernt seine Mannschaft am meisten. „Du kannst viel mitnehmen. Das gibt dir sehr viele Rückschlüsse für die nächsten Wochen“, erklärt der VfL-Coach, der am Dienstag (20.30 Uhr) mit seinem Team bereits wieder in Leverkusen gefordert ist.

Die VfL-Topbilanz fällt mau aus

Bislang jedoch fällt die Bilanz der Wolfsburger gegen ein Spitzenteam eher mau aus. Gegen die Bayern (1. Platz) gab’s ebenso Niederlagen wie gegen Dortmund (2.), Leverkusen (5.) und Freiburg (7.). An die Brust heften dürfen sich die Grün-Weißen dafür den 2:1-Sieg gegen Mönchengladbach (3.) sowie die beiden Unentschieden gegen Leipzig (4.). „Wir wollen in diesen Duellen mal wieder einen Sieg feiern“, gibt Glasner die Marschrichtung vor. Doch ihm ist auch klar – und das hat er seinen Spielern unter der Woche in aller Deutlichkeit gesagt –, dass dafür eine Leistung wie in Augsburg nicht reicht.

Nun könnte man argumentieren, dass die Dortmunder im zweiten Spiel nach der langen Corona-Auszeit vielleicht eher schlagbar sind, weil sich alle Teams erst wieder einfinden müssen. Solch einen Prozess hatte auch Glasner im Vorfeld erwartet. Doch offenbar geht das schneller als er und viele Experten gedacht hatten. „In Summe waren alle Mannschaften schon sehr, sehr weit“, sagt der 45-Jährige und führt als ein Beispiel das Montagabend-Spiel zwischen Bremen und Leverkusen an. „Da sind beide Teams jeweils mehr als 124 Kilometer gelaufen. Das hätte ich im Vorfeld nicht für möglich gehalten.“

Doch Glasners Mantra ist, immer noch besser werden zu wollen. „Wenn man weiterkommen möchte, darf man sich nicht zufrieden geben“, hat er ja gesagt – und da ist der BVB der perfekte Gradmesser.

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