Treffen am Samstag die US-Buddies aufeinander?

Wolfsburg.  Dortmunds Reyna und Wolfsburgs Llanez kennen sich gut. Für ein Duell der beiden müssen aber noch Variablen gelöst werden

Ulysses Llanez (rechts) hat schon sein erstes Länderspiel für die US-amerikanische Nationalmannschaft gegen Costa Rica absolviert. Bei den Profis des VfL Wolfsburg darf der 19-Jährige mittrainieren, spielen aber bisher noch nicht.

Ulysses Llanez (rechts) hat schon sein erstes Länderspiel für die US-amerikanische Nationalmannschaft gegen Costa Rica absolviert. Bei den Profis des VfL Wolfsburg darf der 19-Jährige mittrainieren, spielen aber bisher noch nicht.

Foto: Ric Tapia/Icon Sportswire via www.imago-images.de / imago images/Icon SMI

Ulysses Perez Llanez Senior hat schon frühzeitig seinen Weihnachtswunsch geäußert. „Alles, was ich mir zu Weihnachten wünsche, ist Uly gegen Gio am Samstag“, schrieb er unter der Woche bei Twitter. Uly, das ist sein 19 Jahre alter Sohn Ulysses Llanez, der seit Sommer in der Akademie des VfL Wolfsburg zum Profi ausgebildet wird. Und mit Gio ist Giovanni Reyna gemeint, eineinhalb Jahre jünger als sein dicker Kumpel Llanez, aber schon mindestens eineinhalb Stufen weiter auf der Karriereleiter.

Denn der 17-Jährige hat in dieser Saison bei Borussia Dortmund Fuß gefasst. Und am Samstag stehen sich die beiden US-Buddies womöglich auf dem Rasen der VW-Arena gegenüber, wenn der VfL von 15.30 Uhr an den BVB empfängt. Dafür müssen allerdings zwei Variablen aufgelöst werden: Llanez muss von seinem Trainer Oliver Glasner ins Team berufen werden, und Reyna muss fit werden.

Denn eigentlich stand dem Dortmunder am vergangenen Samstag schon ein ganz großer Auftritt bevor. Trainer Lucien Favre hatte den Angreifer in die Startelf berufen, ausgerechnet im Derby gegen Schalke 04. Doch beim Aufwärmen spürte Reyna ein ungewöhnliches Ziehen in den Adduktoren, woraufhin der BVB den Teenager aus Vorsicht aus der Mannschaft nahm. Bitter für den US-Amerikaner, der in seinem jungen Alter schon einiges durchmachen musste.

Geboren wurde er im englischen Durham, weil sein Vater Claudio im Jahr 2002 Profi beim AFC Sunderland war. Zwischen 1997 und 1999 hatte der Mittelfeldspieler beim VfL Wolfsburg gekickt und in 55 Partien acht Tore erzielt. Aus der VW-Stadt ging Reyna zu den Glasgow Rangers, dann zu Sunderland, danach zu Manchester City, um dann im Sommer 2008 seine aktive Karriere bei New York Red Bulls zu beenden. Seine Söhne folgten dem Vater auf dessen Stationen. Echte Freundschaften zu schmieden, ist schwierig, wenn Kinder häufig umziehen. Das verband Giovanni umso enger mit seinem vier Jahre älteren Bruder, der ihm ein großes Vorbild war, wie Mutter Danielle der „Sports Illustrated“ berichtete. Doch jener Bruder verstarb im Juli 2012, er hatte Krebs. Für Giovanni, damals neun Jahre alt, brach eine Welt zusammen. „Ich werde jetzt nie ein guter Fußballspieler sein, denn mein großer Bruder hat mir alles beigebracht“, habe ihr Sohn damals zu Mutter Danielle gesagt, erzählte sie. Doch es kam zum Glück ganz anders.

Reyna wagte wie Llanez im Sommer 2019 den Schritt aus den USA nach Deutschland. Beim BVB kam er zunächst in der U19 unter, spielte sich aber schnell ins Blickfeld der Verantwortlichen des Profikaders. „Er hat sich eingelebt, bei uns und in Deutschland. Er ist aus unserem Lizenzspielerkader nicht mehr wegzudenken“, sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bereits im Winter. Zorc: „Er hat mich schon im Sommer bei der USA-Reise überzeugt. Das halbe Jahr in der U19 hat ihm noch mal gutgetan.“ Auch Trainer Favre schwärmt von den physischen Voraussetzungen und der schnellen Auffassungsgabe des jungen Angreifers. Reynas Mitspieler Mats Hummels lobte: „Er dreht mit dem Ball auf, was enorm wichtig ist. Das ist, was große Fußballer am Ende ausmacht.“ Elf Profi-Spiele stehen mittlerweile in Reynas Statistik. Darauf wartet sein Kumpels Ulysses Llanez noch.

Der Wolfsburger, der von Los Angeles Galaxy zum VfL gekommen war, trainiert mittlerweile immerhin mit den Profis. Zuvor hatte er in einem halben Jahr in 16 U19-Spielen elf Tore erzielt und sechs Treffer seiner Kollegen vorbereitet. Dazu feierte er zu Jahresbeginn bereits sein Debüt im US-amerikanischen Nationalteam, in dem er sogleich den 1:0-Siegtreffer gegen Costa Rica erzielte. Beim VfL hat er die große Bühne jedoch noch nicht betreten. Zum 20er Kader in Augsburg gehörte Llanez ebenfalls noch nicht, obwohl die Alternativen auf den offensiven Außen selten für Gefahr gesorgt haben.

Trainer Glasner geht behutsam mit Llanez um. „Er hat gemerkt, dass im Training ein anderer Wind weht“, sagte der VfL-Coach vergangene Woche. „Er versucht, immer zu lernen, und zeigt die guten Anlagen, die er hat. Er wird seinen Weg machen“, ist Glasner überzeugt. Fragt sich nur: Wann? Geht es nach Llanez Senior, ist es bereits am Samstag soweit. Für ihn wäre Weihnachten dieses Jahr bereits im Mai, wenn Gio gegen Uly spielt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder