Für Exil-Wolfsburger Daniel Lorenz ist der VfL Familiensache

Wolfsburg.  Wir sind die Fans des VfL Wolfsburg: Der 31-Jährige verfolgt sein Team aus Stuttgart und bei Twitter als „Kästorfer“.

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Foto: Privat

Der eine kennt den VfL Wolfsburg schon, als noch am Elsterweg vor 1000 Zuschauern gespielt wurde, der andere entdeckte den Klub erst später für sich. Der eine begleitet ihn zu jedem Spiel, der andere drückt lieber aus der Heimat die Daumen. Aber sie alle eint die Liebe zu ihrem Verein. In einer Serie stellen wir Fans der Grün-Weißen vor, die ihr Leben in besonderem Maße mit dem VfL verknüpfen. In diesem Teil geht es um Daniel Lorenz.

In dieser Spielzeit drückt Lorenz nicht nur dem VfL, sondern auch dem VfB Stuttgart die Daumen. Denn der 31-Jährige lebt seit drei Jahren in der Hauptstadt Baden-Württembergs, wo er bei einem Autobauer beschäftigt ist. Er bezeichnet sich selbst daher als einen „Exil-Wolfsburger“. VfL-Heimspiele in der VW-Arena besucht er kaum noch, jedoch steht er häufig in den Auswärtsblöcken, wenn die Grün-Weißen im Süden antreten. Den 3:2-Sieg der Wolfsburger bei der TSG Hoffenheim im Februar erlebte er beispielsweise live vor Ort mit. „Daher würde ich mich natürlich freuen, wenn der VfB aufsteigt, damit der VfL in Stuttgart vorbeikommt“, so Lorenz.

Früher jedoch war das anders. Da war er regelmäßig erst im Stadion am Elsterweg, dann in der Arena. Lorenz erinnert sich: „Mein Vater hat mich in der Saison 1996/1997 mitgenommen ins Stadion. Meine erste Partie war in der 2. Liga gegen den FSV Zwickau.“ Die Partie am Freitagabend endete 1:1. „Und seitdem bin ich ein Kind des VfL“, sagt er. Sein erster Lieblingsspieler war Roy Präger. „Der war in meiner Jugend schon ein Idol. Später kam noch Martin Petrov hinzu.“ Der bulgarische Linksaußen, „der die Bahn beackert hat, wie ich es selten erlebt habe“, so Lorenz.

2001 gab’s die erste Dauerkarte, die Plätze auf der Gegengerade waren für Papa und Sohn Lorenz reserviert. Das war die Zeit von Petrov, Tobias Rau, Diego Klimovicz, Tomislav Maric unter Trainer-Legende Wolfgang Wolf. Zwar schnürte Lorenz damals im Juniorenbereich die Schuhe für den SSV Kästorf und konnte daher nicht jede Partie von der Gegengerade aus verfolgen, aber dann wurde eben aus der Not eine Tugend gemacht. „An den Abenden schauten wir dann die Sportschau.“ Damit nicht schon vorher das Ergebnis des VfL-Spiels durchsickerte, wurde bei den Heimfahrten nach den eigenen Spielen das Radio ausgestellt. Smartphones gab’s noch nicht. „Und so war die Spannung bei der Sportschau noch immer groß.“

Lorenz blieb den Wolfsburgern über die Jahre treu – und nun auch über die Entfernung. Um die negativen Punkte, die so eine Fernbeziehung mit sich bringt, aufzuwiegen, bieten sich die neuen Medien als Kommunikationskanal an. Lorenz ist beim Kurznachrichtendienst Twitter als „Kästorfer“ einer der bekanntesten Akteure, die sich auf diesem Kanal mit dem VfL beschäftigen. Kaum eine Nachricht, die an ihm vorbeigeht; kaum ein Transfergerücht, das er nicht bewertet. „Es macht mir einfach Spaß, mich mit Transfers und neuen Spielern zu beschäftigen“, erklärt der 31-Jährige. „Ich würde sagen, dass ich mir da in den vergangenen Jahren ein großes Wissen angeeignet habe. Deshalb bin ich vor allem in den Transferphasen noch deutlich aktiver, um auch einen Eindruck zu vermitteln, nach welchen Spielern der VfL manchmal Ausschau hält und was man von ihnen erwarten kann.“ Im Januar 2016 war es Lorenz, der den Transfer Bruno Henriques von Goias EC zum VfL auf seinem Twitter-Profil verbreitete. Vor den Medien, die sich qua Job damit beschäftigen. Lorenz hatte zufällig einen brasilianischen Artikel gelesen.

Mittlerweile ist der 31-Jährige selbst Vater eines Sohnes. Ob er den Nachwuchs irgendwann selbst zum VfL führt, so wie es sein Vater bei ihm machte? Lorenz’ simple Antwort: „Klar.“ Wie der Vater, so der Sohn...

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