Koen Casteels mahnt: Wir dürfen nichts mehr liegen lassen

Wolfsburg.  Der Torhüter des VfL Wolfsburg startet die Europa-Aufholjagd. Dafür muss ein Sieg gegen Köln her, dessen Trainer ein besonderer für Casteels ist.

Koen Casteels.

Koen Casteels.

Foto: Darius Simka / regios24

Bei Koen Casteels ist unübersehbar, dass er gerade eine Woche unter der Sonne Portugals trainiert hat. Braungebrannt nahmen der Torhüter und seine Kollegen vom VfL Wolfsburg am Dienstag die Vorbereitung aufs erste Rückrundenspiel in der Fußball-Bundesliga am Samstag in Köln (15.30 Uhr) auf. Dann muss sich der VfL deutlich anders präsentieren als in den Testspielen in Portugal. Gegen den FC Seoul (1:1) und Servette Genf (1:2) enttäuschten die Wolfsburger, von Trainer Oliver Glasner und Geschäftsführer Jörg Schmadtke gab’s Ärger.

Doch nicht nur die Verantwortlichen waren unzufrieden. „Wir Spieler waren doch auch sauer auf uns“, sagt Casteels. Der Rest des Trainingslagers sei absolut positiv gewesen. „Bis auf die Spiele. Wir wissen, dass wir in der Liga anders auftreten müssen.“ Denn nach den verbleibenden 17 Partien des deutschen Oberhauses wollen die Wolfsburger den erneuten Einzug in den Europapokal feiern. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Rang 6, den derzeit noch Bayer Leverkusen bekleidet, der nach 34 Spieltagen den Einzug in die Europa League bedeutet. Dafür muss die Mannschaft aber mehr als die 24 Punkte holen, die sie in der Hinrunde ergatterte. „Wir haben“, sagt Casteels, „zu viele Punkte liegen lassen. Es waren zu viele Partien dabei, die wir hätten gewinnen müssen. Diese Punkte müssen wir jetzt aufholen und dürfen nichts mehr liegen lassen.“

Schmadtke hatte zuletzt gesagt, dass sein Team wohl mindestens 30 Punkte in der Rückrunde holen muss, um auch in der neuen Saison international vertreten zu sein. „Alles andere ist Phantasialand“, sagte er. Casteels stimmt dem Geschäftsführer zu. „Viele Teams wollen oben rein. Ich denke auch, dass wir 30 Punkte brauchen.“ Einen zusätzlichen Druck spürt er durch das klar definierte Saisonziel nicht. „Wir können das schaffen, müssen aber alle wach sein“, sagt er. Mit der Punktejagd sollte der VfL schon in Köln beginnen.

Doch der FC hat zuletzt eine Menge Selbstvertrauen getankt. In der Woche vor Weihnachten holte die Mannschaft unter dem neuen Trainer Markus Gisdol drei Siege aus drei Partien gegen Leverkusen, Frankfurt sowie Bremen und sendete damit eindrucksvolle Lebenszeichen im Abstiegskampf. Mit Mark Uth (von Schalke 04) und dem vom VfL ausgeliehenen Elvis Rexhbecaj stehen dem Team zudem zwei neue bundesligaerfahrene Spieler zur Verfügung.

Und obwohl die Wolfsburger aus der englischen Woche vor Weihnachten „nur“ einen Sieg aus drei Spielen verbucht hatten, nahmen sie Zuversicht mit in die Pause. Dem starken 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach folgte ein unglückliches 1:1 gegen Schalke und eine noch unglücklichere 0:2-Niederlage beim FC Bayern. „Aus den Spielen hätten wir mehr Punkte holen müssen“, sagt Casteels, der dennoch nicht nur Unzufriedenheit, sondern auch Optimismus spürte.

Denn: „Wir haben uns viel mehr Chancen erspielt als in den Wochen zuvor. Wir müssen auf diesem Weg bleiben, aber unsere Effizienz muss besser werden.“ Daher ging Trainer Glasner das Thema auch am Dienstag in Wolfsburg noch einmal verstärkt an und ließ viele schnelle Abschlüsse in mehreren Spielformen üben. „Unsere Chancenverwertung muss besser werden“, sagt Casteels, der daran als Torhüter freilich nicht viel verbessern kann.

An Kölns neuen Trainer Gisdol hat Wolfsburgs Nummer 1 übrigens keine guten Erinnerungen. Casteels war im Sommer 2011 zur TSG Hoffenheim gewechselt, Gisdol übernahm den damals strauchelnden Klub im April 2013 und schaffte mit dem Belgier im Tor den Klassenerhalt in der Relegation gegen Kaiserslautern. Ein knappes Jahr später brach sich Casteels in Berlin das Schienbein. „Daraufhin wurde Oliver Baumann aus Freiburg geholt. Danach war für mich Ende in Hoffenheim. Das war allgemein keine schöne Zeit.“ Im Januar 2015 unterschrieb Casteels beim VfL, wurde aber zunächst für ein halbes Jahr an Werder Bremen verliehen. Mittlerweile ist er die unumstrittene Nummer 1 im Wolfsburger Tor. Und die will auch im nächsten Jahr im Europapokal spielen. Dafür müssen Punkte her. Die Aufholjagd beginnt am Samstag in Köln.

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