Gerhardt: Nur noch Zuschauer beim VfL Wolfsburg

Wolfsburg.  Der 25-Jährige war in der Vorsaison noch Stammspieler beim VfL, jetzt geht er durch eine schwere Phase.

Yannick Gerhardt.

Yannick Gerhardt.

Foto: Darius Simka / regios24

Yannick Gerhardt sendete am Wochenende ein Zeichen, das rund ums Bundesliga-Spiel des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen (2:3) gar nicht die Beachtung bekam, die es eigentlich verdient hätte. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler verbrachte einen Teil seines Samstags in Braunschweig, wo er einen Protestzug gegen die AfD begleitete, die in der Löwenstadt am Wochenende ihren Parteitag abhielt. Gerhardt teilte ein Foto auf seinem Profil im sozialen Netzwerk Instagram, auf dem zu erkennen ist, dass er vor einer Bühne steht, auf der ein Plakat hängt mit der Aufschrift: „Stoppt die AfD.“ So häufig sich Fußballer und Vereine aus Angst vor Gegenwind um politische Meinungen drücken, so wohltuend ist es doch, wenn sich einige Akteure mal aus ihrer Deckung wagen.

Trister Bundesliga-Alltag

Tags drauf war für Gerhardt dann wieder Bundesliga-Alltag angesagt – und der sieht für ihn sehr, sehr trist aus. Sein letzter Einsatz im Team von Trainer Oliver Glasner hatte der 25-Jährige am 30. Oktober beim 1:6 im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. Im gesamten November schaute Gerhardt seinen Mannschaftskollegen zu. Häufig von der Ersatzbank aus, aber zuletzt auch zweimal von der Tribüne aus. Beim 2:0-Sieg in Frankfurt nominierte ihn Glasner nicht ins 20-köpfige Bundesliga-Aufgebot, und auch das 1:0 in der Europa League beim PFK Oleksandrija erlebte er von den Zuschauerrängen der EM-Arena von 2012 in Lwiw mit. Eine schwere Zeit für einen der Stammspieler der Vorsaison.

Unumstritten unter Labbadia

Unter Bruno Labbadia stand der Linksfuß in 30 Bundesliga-Spielen auf dem Rasen, erzielte zwei Tore und lieferte sechs Vorlagen. Erstmals in seiner Zeit beim VfL, zu dem er im Sommer 2016 für 13 Millionen Euro vom 1. FC Köln kam, war Gerhardt unumstritten – und dieses Vertrauen zahlte der Linksfuß zurück. In Labbadias ballbesitzorientiertem System war er wichtig, um im Positionsspiel mit dem Ball Räume für die eigene Mannschaft zu schaffen. Und um im Spiel gegen den Ball Räume für den Gegner zuzulaufen. Und diese Aufgabe füllte Gerhardt mit viel Fleiß aus. „Der Trainer hat mir von Anfang an gesagt, dass ich für ihn nur im zentralen Mittelfeld infrage komme. Da hatte ich Freiheiten und konnte meine Stärken zeigen“, sagte er damals.

In Glasners Hierarchie Anfang Dezember jedoch steht der 25-Jährige nur noch an fünfter Stelle. Maximilian Arnold und Josuha Guilavogui sind im Zentrum der Viererreihe im zentralen Mittelfeld fest gesetzt – noch. Denn mit Xaver Schlager drängt jener Spieler auf den Startelfplatz, der den VfL-Verantwortlichen im Sommer 12 Millionen Euro wert war und der als einer der Schlüsselspieler des neuen Trainers aus Salzburg nach Wolfsburg gekommen war. In den ersten beiden Bundesliga-Partien gegen Köln und Berlin überzeugte Schlager vollends, danach zog er sich einen Knöchelbruch zu. Aber von dem hat sich der 22-Jährige mittlerweile erholt und wird daher zeitnah in Glasners Startelf rutschen. Auch Elvis Rexh-becaj lag im internen Ranking zuletzt vor Gerhardt und saß in Frankfurt auf der Bank, während der Ex-Kölner auf die Tribüne musste. Bei der Europa-League-Partie in Lwiw gab es das gleiche Bild. Der 25-Jährige war wie so häufig zuletzt nur Zuschauer.

Chance gegen Saint-Étienne?

Es sind sehr schwere Zeiten für den Stammspieler der Vorsaison. Sportliche Schlagzeilen darf er derzeit nicht schreiben, dafür ist die Konkurrenz im Mittelfeld zu groß. Vielleicht bekommt er im Gruppenfinale gegen Saint-Étienne in der Europa League einen Einsatz. Glasner kündigte an, in der Partie am 12. Dezember die Reservisten der vergangenen Wochen einzusetzen. Gerhardt ist wie Yunus Malli, Lukas Nmecha oder Felix Klaus einer von ihnen – bleibt er es auch in Zukunft?

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