Glasner grantelt: Abwehrfehler wiederholen sich

Dortmund.  Der VfL verpasst es im Bundesliga-Spiel bei Borussia Dortmund, sich für eine gute Leistung in der ersten Halbzeit zu belohnen.

Sowohl das Gegentor zum 0:1 als auch das zum 0:2 waren vermeidbar. Am Ende verlor der VfL in der Liga im zehnten Spiel erstmals in dieser Saison. Bei Borussia Dortmund gab es ein 0:3.

Sowohl das Gegentor zum 0:1 als auch das zum 0:2 waren vermeidbar. Am Ende verlor der VfL in der Liga im zehnten Spiel erstmals in dieser Saison. Bei Borussia Dortmund gab es ein 0:3.

Foto: Darius Simka / regios24

Zum Alpenvulkan taugt Oliver Glasner nicht. Der Österreicher ist in Salzburg und damit gerade einmal am Fuß der Ostalpen geboren. Was man dem dem 45-jährigen Trainer nach der 0:3 (0:0)-Niederlage seines VfL Wolfsburg bei Borussia Dortmund, der ersten am 10. Bundesliga-Spieltag, aber anmerkte: Es brodelte in ihm. Trotz seiner freundlichen, bestimmten Art, war der Fußballlehrer mit mehreren Dingen im Spiel seiner Mannschaft nicht einverstanden. Denn sie traten nicht zum ersten Mal auf. Wie es zu diesen Fehlern kam, die sich zudem wiederholten? „Das“, so Glasner deutlich, „werde ich die Spieler fragen.“

Zunächst einmal hatte es der VfL dabei richtig gut gemacht. Nach der 1:6-Klatsche im DFB-Pokal gegen RB Leipzig waren die Wolfsburger darauf aus, hinten nichts zuzulassen. Und dem BVB fiel offensiv auch nicht viel ein. So waren es die Grün-Weißen, die mit einem Chancenplus in die Pause gingen. Zum einen war da Lukas Nmechas schöne Einzelaktion, bei der der Startelfdebütant mit einem gefühlvollen Heber die Latte touchierte (22. Minute). Und dann war da Jeffrey Brumas Chance aus kurzer Distanz nach einer Ecke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. „Die ersten 52 Minuten waren sehr, sehr gut. Wir lassen nichts zu. Die Dortmunder haben keinen Plan, weil wir sehr kompakt sind“, meinte Wolfsburgs Trainer.

Die Fehler, die Glasner granteln ließen, passierten dann kurz nach der Pause. Die Gäste hatten etwas mehr Mut gefasst und versuchten, die Borussia nun früher zu attackieren. Doch nach einem Abschlag von Dortmunds Torwart Marwin Hitz (von 2008 bis 2013 in Wolfsburg) ging es ganz schnell: Achraf Hakimi legte am Strafraum einmal quer auf Thorgan Hazard, dessen platzierter Abschluss ins kurze Eck Torwart Pavao Pervan keine Chance ließ – das 1:0 in der 52. Minute, ein Dortmunder Kontertor im eigenen Stadion. „Wir verlassen uns darauf, dass wir das schon hinbekommen, und solche Mannschaften wie Dortmund bestrafen das dann eben“, ärgerte sich der 45-Jährige merklich.

Was ihn so zürnen ließ: Es war nicht das erste Mal, dass sich die Mannschaft so ein Gegentor gefangen hat. Unter anderem zum Auftakt gegen Köln, aber auch schon am Mittwoch gegen Leipzig kamen Gegentore nach langen Abschlägen zustande. „Entweder sichern wir die Tiefe nicht ordentlich genug, wir klären nicht, wir schließen zu langsam“, so Glasner. Kapitän Josuha Guilavogui zeigte sich einsichtig, meinte: „Wir müssen an den Abständen arbeiten. Es ist sehr schade, denn wir haben nach dem Leipzig-Spiel in der ersten Halbzeit eine gute Reaktion gezeigt. Wir hatten auch die Möglichkeit, ein Tor zu schießen.“

Auch die Entstehung des zweiten Gegentreffers schmeckte dem VfL-Coach nicht. Nach einem schnell ausgespielten BVB-Freistoß schalteten die Wolfsburger nicht schnell genug, Hazard steckte auf Raphael Guerrero durch, der ins lange Eck vollendete (58.) – binnen sieben Minuten hatte Dortmund die Partie für sich in die richtigen Bahnen gelenkt. „Das fällt mir schon in den ersten vier Monaten auf, dass wir hier immer wieder mal dazu neigen, uns mit anderen Dingen zu beschäftigen wie mit den wesentlichen auf dem Platz“, so Glasner deutlich. Er musste mit ansehen, wie seine Mannschaft „zwei Geschenke verteilt“ hat. Der Trainer forderte stattdessen: „Ob es Foul ist – abhaken, sofort zurück in die Grundordnung, versuchen, hinter den Ball zu kommen, nicht zu lamentieren, sich nicht wegzudrehen, nicht mit dem Schiedsrichter zu diskutieren, nicht abzuschalten.“

Der VfL benötigte etwas, um den Doppelschlag aus den Kleidern zu schütteln. Er hätte sogar noch zurückkommen können, weil auch Dortmunds Abwehr weiter Lücken aufwies. Joao Victors Schussversuch entschärfte aber Hitz (69.), Wout Weghorst hätte statt des Kopfs aus kurzer Distanz besser den Fuß nehmen sollen, verpasste so (85.). Klar, auf der Gegenseite hätte der BVB auch schon früher für die Entscheidung sorgen können. So machte erst Mario Götze in der Schlussphase mit einem Elfmeter das 3:0, nachdem Bruma den Ball aus kurzer Distanz im Strafraum unglücklich an die Hand bekommen hatte (88.).

Doch das 0:3 war dann nichts mehr, worüber sich Glasner ärgern konnte, auch wenn die Zahl der Gegentore beim VfL binnen vier Tagen auf neun erhöht wurde. Der Coach meinte: „Wir haben in der einen oder anderen Situation Nachlässigkeiten. Warum das so ist, das werde ich die Spieler fragen, weil es dem nicht gerecht wird, was sie sonst immer investieren.“ Nach der zweiten Niederlage in Folge, der ersten im zehnten Bundesliga-Spiel unter dem neuen Trainer, muss der VfL nun am Donnerstag im Europa-League-Heimspiel gegen KAA Gent den Schalter wieder umgelegt kriegen. Mit einer durchgehend konzentrierten Leistung.

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