Weghorst: Wir können sehr stolz sein

Wolfsburg.  Der Stürmer des Wolfsburger Bundesligisten kann auf dem Platz ein Heißsporn sein, bei den Themen Nationalelf und Kritik am VfL-Stil bleibt er cool.

Wout Weghorst ist mit dem bisherigen Saisonverlauf seines VfL hochzufrieden.

Wout Weghorst ist mit dem bisherigen Saisonverlauf seines VfL hochzufrieden.

Foto: Darius Simka / regios24

In fast allen wichtigen Bundesliga-Statistiken ist Wout Weghorst der beste Wolfsburger – er hat die meisten Kilometer aller VfLer abgerissen, die meisten Kopfballduelle, die zweitmeisten Zweikämpfe gewonnen. Und fast selbstredend ist der Angreifer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten auch der erfolgreichste Torschütze des Klubs. Und doch sitzt der 27-Jährige in diesen Tagen wieder vor dem Fernseher, wenn die niederländische Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation am Donnerstag gegen Nordirland und am Sonntag in Weißrussland spielt. Eigentlich eine schreiende Ungerechtigkeit, doch der VfL-Stürmer bleibt beim Thema Nationalelf genauso cool wie bei einem anderen Aufreger-Thema, das in Wolfsburg diskutiert wird.

Auf dem Platz wirkt Weghorst verbissen, der Ärger über vergebene Großchancen, schlampige oder verpasste Anspiele spiegeln sich auf dem Platz direkt in der Mimik des Stürmers wider. Doch abseits des grünen Rasens ist er kaum aus der Ruhe zu bringen. So beim Thema Niederlande: Obwohl Weghorst sein starkes erstes Bundesliga-Jahr mindestens bestätigt, blieb auch jetzt der Anruf von Ronald Koeman aus. Eine Erklärung, ein Telefonat mit dem Bondscoach hat es nicht gegeben. „Das ist seine Entscheidung“, sagt Weghorst mit großer Ruhe in der Stimme. Im Verein hat er großen Rückhalt. Jörg Schmadtke sagte bei Sky: „Für mich ist es unverständlich. Aber ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis Wout für die Nationalelf auflaufen wird.“ Der Manager sagt weiter: „Seine Qualität steht für sich.“ Koeman sagte über Weghorsts Nichtberücksichtigung: „Viele Leute schauen sich nur die Tore an, aber wir sehen das komplette Spiel und stellen fest, dass er noch an seiner Spielweise arbeiten muss.“ Koeman sagte weiter: „Er muss weiter Tore schießen und zeigen, dass er sich auch in seinem Kombinationsspiel weiterentwickelt hat.“ Es sind Aussagen, die angesichts der Liga-Topwerte Weghorsts nur schwer verständlich sind.

Weghorst selbst gibt zu, dass ihn das Thema nicht ganz kalt lässt: „Natürlich wäre ich gerne dabei und stolz, für meine Nationalmannschaft zu spielen.“ Aber, so der Stürmer weiter: „Diese Entscheidung habe nicht ich zu fällen. Was ich im Griff habe, ist mein Spiel und meine eigene Leistung.“

Und die stimmt. Im vergangenen Jahr hatte er zwei Spieltage später vier Tore geschossen. Doch Weghorsts Wert für das Team lässt sich schon lange nicht mehr nur in Treffern messen. Und so kann er auch damit leben, wenn er mal – wie vor dem Union-Spiel, in dem er den Siegtreffer markierte – zweimal ohne eigenes Tor bleibt. „Mein Job ist es, Tore zu schießen“, sagt der Niederländer. „Ich denke, das hat man gegen Union auch gesehen, dass es für mich wichtig ist. Wenn ich noch ein Tor beisteuere, dann habe ich es am liebsten. Aber am Ende steht der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund.“ Wenn es mal sein Beitrag ist, anstelle von Toren mit seiner laufintensiven und kampfbetonten Spielweise dazu beizutragen, kann Weghorst auch damit leben.

Dabei macht er auf dem Platz oft den Eindruck, dass er ohne Tor nicht zufrieden ist. Das ist ein Aspekt, an dem sein neuer Coach Oliver Glasner mit ihm arbeitet. „Ich habe noch in der Halbzeit gesagt, Wout, bleib ruhig, du bekommst bestimmt noch ein, zwei Chancen. Über diese Thematik sprechen wir oft. Ich sage immer: Bleib bei dir. Gegen Union ist er zu 100 Prozent bei sich geblieben.“

Und so reagiert der Stürmer auch cool darauf, wie die Fans den VfL in dieser Saison bisher sehen. Denn nicht überall kommt der Spielstil des Trainers an. Kritikpunkt: Die Attraktivität sei den Grün-Weißen im Vergleich zum starken Vorjahr abhanden gekommen. Weghorst sagt angesichts von Platz 2 in der Bundesliga und der guten Ausgangslage in der Europa League: „Natürlich wollen wir selbst auch unser bestes Spiel abrufen, und wir spielen am liebsten jeden Gegner aus dem Stadion. Aber das Wochenende hat auch gezeigt: Es gibt keine einfachen Gegner in der Bundesliga.“ Weghorst tritt damit wie zuvor bereits Trainer Glasner auf die Erwartungsbremse, meint: „Ich bin selbst auch ein Perfektionist, und das sind viele in unserer Mannschaft. Aber ich glaube, wir können sehr stolz auf die Leistung sein, die wir bisher gebracht haben“, meint der 27-Jährige. Genauso wenig möchte er die aktuelle Bundesliga-Platzierung überbewertet wissen: „Wir haben erst sieben Spiele gehabt und müssen ruhig bleiben. Die Art und Weise, wie wir arbeiten, klappt gut, und wir machen viele Sachen richtig gut. Aber es gibt viele Sachen, die wir noch verbessern müssen.“ Macht er persönlich so weiter, sollte es wirklich nur eine Frage der Zeit sein, bis Koeman nicht mehr an ihm vorbeikommt.

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