"Der Körper kann nicht lügen"

Hamburger Osteopath Rainer Halbleib betreut seit 2007 die Profis des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg

Osteopath Rainer Halbleib (Zweiter von rechts) beobachtet zusammen mit den Trainern Felix Magath (von links), Seppo Eichkorn und Markus Zetlmeisl die Übungen der VfL-Profis.   

Osteopath Rainer Halbleib (Zweiter von rechts) beobachtet zusammen mit den Trainern Felix Magath (von links), Seppo Eichkorn und Markus Zetlmeisl die Übungen der VfL-Profis.   

Foto: citypress24/Hay/oh

WOLFSBURG. "Der Körper sagt die Wahrheit. Er kann nicht lügen", sagt Rainer Halbleib. Seit 2007 gehört der Osteopath zum medizinischen Stab des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Auch ihm haben es die VfL-Profis zu verdanken, dass es kaum Verletzungen im Kader zu beklagen gibt.

Halbleib kennt keinen Bundesliga-Verein, der nicht mit einem Osteopathen zusammenarbeitet. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Osteopathie eigentlich? Der Grundgedanke dieser alternativen Behandlungsform ist, dass Muskeln, Knochen und Gelenke auf der einen Seite und die inneren Organe auf der anderen in einem Zusammenhang stehen. Ziel ist es, dieses Gleichgewicht zu erhalten oder wieder herzustellen. "Alle Arten von Stressfaktoren werden berücksichtigt. Das kann organischer, aber auch seelischer Stress sein", erklärt Halbleib.

Der 45-Jährige versucht, mit seinen Händen Bewegungseinschränkungen und Störungen ausfindig zu machen und diese zu lösen. "Wenn ein Spieler zum Beispiel Rückenbeschwerden hat, kann es sein, dass die Becken-Bein-Achse nicht ganz stimmig ist", nennt Halbleib ein Beispiel. Doch auch der Kopf der Leistungssportler spielt eine wichtige Rolle. Hat er eventuell familiäre Sorgen? "Ich bin kein Psychologe", unterstreicht Halbleib, "aber auch die Seele ist wichtig. In den Gesprächen mit den Spielern geht es dann auch schon mal ans Eingemachte. Ich betrachte den ganzen Menschen, nicht nur den Körper."

Oft wüssten einige Fußballer gar nichts von ihren Defiziten. "Diese müssen wir analysieren und aufarbeiten, damit die Spieler das Optimum aus ihrem Körper herausholen können." Noch wichtiger sei aber, dafür zu sorgen, dass die Profis gar nicht erst krank werden.

Wenn Halbleib von seiner Arbeit erzählt, spricht er meistens in der Wir-Form. Er schließt die Ärzte, Physiotherapeuten und Masseure des Vereins immer mit ein. "Unsere ganze medizinische Abteilung funktioniert als Team. Die Kommunikation steht im Vordergrund. Nur so findet man schnellstmöglich eine Antwort."

Das Besondere der Osteopathie ist, dass sie ohne Medikamente und Apparaturen auskommt. "Die Heilung durch die Natur steht im Vordergrund", betont Halbleib. Der Osteopath versucht, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Dabei spielt zum Beispiel auch eine verstärkte Durchblutung eine Rolle.

Halbleib kam schon früh mit dem Fußball in Kontakt. Als junger Physiotherapeut war er mit der U21 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unterwegs. "Das war die Generation von Michael Ballack", erinnert sich der 45-Jährige. Viel gelernt habe er von Klaus Eder, der seit 20 Jahren die deutsche Fußball-Nationalmannschaft betreut. Später arbeitete Halbleib auch für den Hamburger SV. Dort lernte er Bernd Hollerbach kennen. Über den Assistenztrainer von Chefcoach Felix Magath kam der Kontakt zum VfL zustande. Einmal pro Woche – meistens dienstags – schaut Halbleib während der Saison in Wolfsburg vorbei. Im Spanien-Trainingslager war er die ganze Zeit vor Ort. "Nach einer längeren Pause ist es wichtig, sich ein Bild zu machen. Die Belastung in der Vorbereitung ist sehr hoch, und außerdem sind auch neue Spieler dabei", sagt Halbleib.

Mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn lebt der gebürtige Bayer in Hamburg. Dort betreibt er seit 2001 eine Privatpraxis für Physiotherapie mit fünf Mitarbeitern. Durch seine Arbeit in Wolfsburg hat er inzwischen "ein Herz für den VfL" entwickelt. So oft wie möglich schaut er sich die Spiele der "Wölfe" an. Und Halbleib guckt bei den VfL-Profis ganz genau hin. Denn: Der Körper lügt nicht.

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