Tokio-Verschiebung: Das sagen Wolfsburgs Olympia-Hoffnungen

Wolfsburg.  Scoccimarro hofft, dass sich am aktuellen Quali-Stand nichts ändert, für Almas und Grolla könnte die Chance auf Tokio sogar noch einmal wachsen.

Giovanna Scoccimarro hofft, dass die Quali-Stände trotz der Verschiebung der Olympischen Spiele so bleiben.

Giovanna Scoccimarro hofft, dass die Quali-Stände trotz der Verschiebung der Olympischen Spiele so bleiben.

Foto: Revierfoto / imago images

Die Verschiebung der Olympischen und der Paralympischen Spiele 2020 durch das Coronavirus in das kommende Jahr hat auch für Wolfsburger Athleten Auswirkungen. Mit Judo-Ass Giovanna Scoccimarro hatte sich eine Athletin für Tokio so gut wie sicher qualifiziert. Die beiden VfL-Sprinter Deniz Almas und Phil Grolla hatten sich Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht – die in ihren Fällen durch die Verschiebung nicht unbedingt kleiner werden muss.

Scoccimarro hatte sich durch bärenstarke Leistungen, vor allem im zweiten Halbjahr 2019, im Olympiaranking des Weltjudoverbands IJF in die Top 10 vorgearbeitet. Ende Februar hatte der nationale Verband sie nach einem Zweikampf mit Miriam Butkereit (Glinde) in der Klasse bis 70 Kilogramm als Nummer 1 nominiert. Die Vorsfelderin trifft die Verschiebung von Olympia auf das kommende Jahr sehr, Tokio war erst ein Traum, dann ein Ziel und schien jüngst noch baldige Realität zu werden – einen kompletten Ausfall hätte sie nur ganz schwer verdaut. Die 22-Jährige sagt nun: „Eine Verschiebung ist besser, als wenn es ausfallen würde. Es ist jetzt die Frage, wie es mit der Nominierung gehandhabt wird.“ Natürlich hofft sie, dass sich an ihrer starken Position nichts verändert, einfach die nun ausgefallenen Turniere nachgeholt werden. Der Weltverband hat noch keine Direktive herausgegeben, will erst einmal abwarten, wie und wann es im Sport nach Covid-19 überhaupt weitergehen kann und dann die ausgefallenen Events neu ansetzen.

Almas, Topsprinter des VfL Wolfsburg, hat die Verschiebung spätestens ab dem Zeitpunkt erwartet, „als mit der Verschiebung der EM auch der heilige Fußball angefasst wurde.“ Almas, der sich für diesen Sommer gute Chancen auf die 4x100-Meter-Staffel ausgerechnet hat, nimmt es persönlich recht gelassen. „Ich bin jetzt 22 und noch ein sehr junger Athlet. Ich hoffe, im nächsten Jahr werde ich noch schneller sein“, sagt er, meint aber weiter: „Mir tut es für die Athleten leid, die nach Tokio eigentlich Schluss machen wollten und vielleicht durch die Verschiebung nicht mehr starten werden.“ Der deutsche Überraschungs-Hallenmeister über 60 m ist aktuell in Leizig, hält sich wie auch die weiteren Sprinter seiner Trainingsgruppe individuell fit.

Sein VfL-Kollege Grolla, der ohne linken Unterarm geboren wurde, hatte sich Hoffnungen gemacht, über 100 m bei den Paralympics zu starten. Ihm fehlte allerdings noch die nötige Qualifikationszeit, die er jetzt unter Umständen in bis zu einem Jahr noch erreichen kann. „Für mich ist es vielleicht gar nicht schlecht, um mich zu steigern und zu reifen“, so der 19-Jährige, der davon ab großes Verständnis hat, dass die Spiele in Tokio aktuell nicht stattfinden. „Angesichts der Situation ist das erst einmal vernünftig“, sagt Grolla.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Maximilian Arnold zum Thema Olympia geäußert und gesagt: „Man kann ja nicht eine Fußball-Europameisterschaft verschieben, aber Olympia dann nicht. Das finde ich verantwortungslos.“ Der Fußballprofi des VfL ist einer von mehreren Kandidaten für die deutsche Olympia-Elf von Bundestrainer Stefan Kuntz. Kuntz und Arnold als sein Kapitän hatten 2017 die U21-EM gewonnen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder