Die große Liebe mit dem großen blauen „U“

Salzgitter-Bad.  Hermann Keune ist das Urgestein beim SV Union Salzgitter und die gute Seele des Vereins.

Hermann Keune im Kreise seiner Jugendfußball beim Altstadtfest-Umzug 2018. Noch heute ist der 72-Jährige als Trainer der Jüngsten an der Seitenlinie aktiv.

Hermann Keune im Kreise seiner Jugendfußball beim Altstadtfest-Umzug 2018. Noch heute ist der 72-Jährige als Trainer der Jüngsten an der Seitenlinie aktiv.

Foto: Manfred Spittler / regio-press

Max Frisch hat schon gesagt: „Tue Gutes und rede drüber!“ Hermann Keune ist Urgestein beim SV Union Salzgitter und macht viel Gutes für seinen Verein, doch drüber reden, ist nicht sein Ding. Der 72-jährige ehemalige Lehrer stellt sich viel lieber in den Dienst der Sache – er ist eine Integrationsfigur mit Herz.

Keune ist ein leidenschaftlicher Salzgitteraner und mit Leib und Seele Unioner. Wenn man ihn per Telefon erreichen möchte, nimmt nicht selten seine Frau Martina ab: „Er ist bei seiner großen Liebe mit dem Blauen „U“ und räumt bestimmt mal wieder das Vereinsheim auf oder ist im Geschäftszimmer. Vielleicht sitzt er auch auf dem Trecker und mäht Rasen, bevor er am Nachmittag die F-Jugend trainiert.“ So in etwa sehen die Tage eines Mannes aus, der voller Leidenschaft im Ehrenamt aufgeht.

Norddeutscher A-Jugend-Meister

1948 in Flachstöckheim geboren, hat er schon als Steppke seine Liebe für den Fußball entdeckt. In seinem Heimatort hat der Sohn eines Bau-Unternehmers von 1963 bis 1965 beim örtlichen FC gekickt, bevor er 1966 ein erstes erfolgreiches Gastspiel beim SV Union hatte. Er wurde mit den Blau-Weißen Bezirksmeister, Niedersachsenmeister und zuletzt auch noch Norddeutscher A-Jugendmeister.

Studienbedingt wechselte Keune zu den Amateuren des VfL Osnabrück. Es folgten Stationen bei den Freien Turnern Braunschweig und beim TSV Groß Flöthe. Bald reichte es ihm nicht mehr aus, auf dem Feld zu stehen. Er wollte auch etwas von seiner mittlerweile beachtlichen Erfahrung weitergeben. 1970 war er erstmals mit Erfolg an der Seitenlinie der A-Jugend des FC Flachstöckheim als Trainer zu finden.

Nach einem Aufenthalt in Süddeutschland stand er ab 1972 wieder bei seinem SV Union als Spieler auf dem Platz und sollte bis 1992 für die Südstädter spielen und wurde noch einmal Niedersachsenmeister. Keune feilte auch weiter an seiner Trainerlaufbahn, indem er 1975 die Trainer C-Lizenz erwarb und danach die Bezirksligisten SSV Sehlde und den SC Gitter trainierte.

Im Dienst der Jugendarbeit

Sein eigentliche Liebe gehörte aber von Anfang an der Jugendarbeit. 1982 erweiterte er seine Trainerkompetenz und erwarb die B-Lizenz. Die Liste seiner Trainertätigkeit bei den Unionern ist lang und dauert bis heute an. So begleitete er unter anderem die Mannschaft, in der auch sein Sohn Hannes von 1995 bis 2006 spielte, von der G- bis zur B-Jugend. Und auch heute ist die Begeisterung der Fußballkids groß, wenn ihr Hermann mit ihnen auf dem Trainingsplatz steht. „Es ist schön, in diese strahlenden Augen der Zwerge zu blicken“, sinniert er, wenn er von den Meistern von morgen spricht.

Neben dem Fußball hat der rüstige Pensionär, der seit 1983 im Hauptvorstand aktiv ist, schon immer über den Tellerrand hinaus geschaut und sich sehr offen und leidenschaftlich für die sozialen, integrativen Dinge, für die Sorgen und Belange der Menschen eingesetzt. Keune kümmert sich seit 1980 darum, dass die Unioner am Festumzug beim Altstadtfest teilnehmen. „Früher, als es sich noch ein wenig rechnete, habe ich mich auch darum gekümmert, dass wir mit einem Getränkestand auf dem Traditionsfest vertreten waren“, blickt er etwas wehmütig zurück.

Ernstzunehmendes Warnzeichen

Doch die vielfältigen Engagements forderten 2000 ihren Tribut, ein Hirnschlag mit nachfolgendem zeitweiligen Gedächtnisverlust war ein ernstzunehmendes Warnzeichen. „Von einem auf den anderen Moment haben wir begriffen, wie wertvoll das uns allen anvertraute Leben ist“, berichtet seine Frau und Keune ergänzt: „Ich habe wohl die Grenzen der Belastung überschritten, konnte manchmal vielleicht auch zu wenig von Aufgaben loslassen. Ich hoffe, ich habe ein wenig daraus gelernt.“

Die Zeit danach war zwar von mehr Augenmaß geprägt, doch ganz ändern kann sich ein Mensch wie Keune nicht. Ganz besonders während der Flüchtlingskrise hat er sich auch um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gekümmert. „Insbesondere der Sport kann Menschen zueinander führen“, so Keune, der den Migranten den Weg zum Fußball aber auch anderen Bereichen des Vereins geöffnet hat.

Wie sehr sein Herz am Sport oder besser gesagt am Verein hängt, beweist seit 40 Jahren Keunes regelmäßige Spendentätigkeit und auch das Einbringen seiner Beziehungen, um Sponsoren zu gewinnen. Er hat bis 2015 das Weihnachtsturnier organisiert, die Stadionzeitung war ein Produkt aus seiner Hand und auch die Festschrift zum 100. Geburtstag des Vereins hat er ins Leben gerufen. „Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, was wir alles vor hatten. Festakte, Sportveranstaltungen und nun wird durch die Corona-Pandemie fast alles zunichte gemacht. Hoffentlich können wir im Herbst wenigstens ein wenig feiern, denn der 100. ist schon was Besonderes “, so der Wunsch des nimmermüden Optimisten.

Einer der aussterbenden Art

Das Ehrenmitglied des SV Union ist Ehrenamtsträger des DFB und hat neben vielen Auszeichnungen auch die Ehrenamtsgabe der Stadt für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit erhalten. Keune ist laut, wenn es erforderlich ist, aber generell ein leiser Zeitgenosse. Denn „wer gut zuhört, hat oft viel mehr zu sagen“ ist die Maxime eines Menschen, der in der heutigen Zeit leider zur aussterbenden „Art“ zu zählen ist.

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