„Verschiebung ist die richtige Entscheidung“

Lichtenberg.  Olympionikin Antje Gleichfeld hätte die Spiele in Tokyo sogar früher abgesagt.

Antje Gleichfeld beim Ländervergleich zwischen Westdeutschland und den USA 1965 in München über die 800-Meter-Distanz.

Antje Gleichfeld beim Ländervergleich zwischen Westdeutschland und den USA 1965 in München über die 800-Meter-Distanz.

Foto: Horstmüller / Archiv

Nun ist es offiziell – das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Olympischen Sommerspiele in Tokyo (Japan) um ein Jahr in den Sommer 2021 verschoben. Im beschaulichen Salzgitter Lichtenberg hat die 82-jährige Antje Gleichfeld den langen Entscheidungsprozess genau beobachtet, war sie doch 1964 selbst Olympia-Teilnehmerin in der japanischen Hauptstadt. Und nicht nur das: Bereits vier Jahre zuvor trat sie über ihre Paradedisziplin – die 800 Meter – in Rom an. Beide Male wurde sie Fünfte. Bei den Spielen in München 1972 war sie als Trainer zum dritten Mal im Kreis der besten Athleten der Welt dabei.

Zu der erstmaligen Verschiebung der Wettkämpfe in der Olympia-Geschichte hat die gebürtige Hamburgerin eine klare Meinung: „Es wäre Wahnsinn gewesen, die Spiele stattfinden zu lassen. Die Ansteckungsgefahr ist bei den ganzen Kontakten, die man vor Ort pflegt, viel zu groß. Deshalb war es die einzig richtige Entscheidung, die das IOC hätte treffen können.“

Dass der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach so lange mit der Entscheidung gehadert habe, könne Gleichfeld nicht nachvollziehen: „Die aktuelle Lage rund um das Corona-Virus war schon länger bekannt und auch, dass sich diese voraussichtlich nicht so schnell verbessern wird. Eine Verschiebung der Spiele hätte also schon früher fallen können oder sogar müssen.“

Dass Bach so lange „rumgeeiert“ habe, sei für die Läuferin ein Ausdruck der zunehmenden Modernisierung und Kommerzialisierung des Sports. „Das gefällt mir überhaupt nicht“, sagt Gleichfeld deutlich. Die Sportler und Funktionäre würden immer mehr in Zwänge durch Sponsorenverträge geraten, welche Absagen von Wettkämpfen nicht so einfach zuließen. „Wir haben damals alle noch nebenbei gearbeitet und konnten zum Beispiel einen Ländervergleichswettkampf auch absagen. Heute wäre dies undenkbar. Der Sport wird immer mehr wegen des Geldes und nicht um des Sports Willen betrieben“, sagt Gleichfeld, die sich viele Jahre in der Olympischen Gesellschaft engagiert und eine Stadtgruppe in Salzgitter geführt hat.

Für die zweifache Mutter ist der Olympische Gedanke fester Bestandteil ihres Lebens geworden: „Der Sport verbindet Völker und Menschen – Olympische Spiele sind auch immer eine lehrreiche Zeit für die jungen Sportlerinnen und Sportler.“ Sie selbst hat diese Erfahrung mit Athleten aus der ehemaligen DDR gemacht: „Bei Wettkämpfen war denen untersagt mit uns zu reden oder uns anzugucken. Darüber haben sich aber viele hinweggesetzt.“ So zum Beispiel Ulla Donath, die Gleichfeld bei einem Leichtathletik-Meeting quer über den Platz begrüßte. Eine tiefe Freundschaft entstand zu ihrer Konkurrentin.

„Es ist schade, dass die aktuellen Sportler diese tollen Erfahrungen nun nicht machen können. Aber die Gesundheit geht nun einmal vor. Und ich habe die Hoffnung, dass die Spiele 2021 stattfinden werden.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder