Immer weniger Spiele für eine Aufholjagd

Braunschweig.  Corona macht den Abstieg von Freie Turner Braunschweig wahrscheinlicher. Im Kreis Braunschweig drohen englische Wochen oder Saisonverlängerung.

Niklas Neudorf (Mitte, hier im Spiel gegen SVG Göttingen) und seine Freien Turner Braunschweig haben größte Schwierigkeiten, die Oberliga zu halten.

Niklas Neudorf (Mitte, hier im Spiel gegen SVG Göttingen) und seine Freien Turner Braunschweig haben größte Schwierigkeiten, die Oberliga zu halten.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Sicher ist für die Braunschweiger Mannschaften im Fußball-Amateurbereich in der momentanen Situation nur eines: Ein neues Jahr hat begonnen. Ob es ein besseres wird als das gerade zu Ende gegangene, bleibt zu hoffen. Was 2021 für die Teams bereit hält, ist aber auch in Bezug auf die laufende Spielzeit völlig offen. Weil die derzeitige Infektionslage eine Wiederaufnahme von Trainings- und Spielbetrieb nicht mal ansatzweise in Sichtweite rücken lässt, machen sich Verbandsvertreter und Vereinsverantwortliche bereits jetzt Gedanken über einen Plan B.

Für die Freien Turner hätte die aktuelle Spielrunde besser gar nicht erst begonnen. Vier Punkte und noch kein Sieg nach neun Partien – das Team von Trainer Kosta Rodrigues steht als Schlusslicht der Oberliga Niedersachsen ganz schlecht da. „Eigentlich ist es doch einfach: Das Runde muss ins Eckige. Das hat bei uns zu selten gepasst. Die Chancenverwertung war nicht gut genug“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Olaf Barnbeck.

Im Pokal erfolgreich

Dass die Mannschaft gewinnen kann, zeigten die Auftritte im NFV-Pokal. Dort stehen die Turner im Viertelfinale. Der Verein vertraut dem Trainerteam um Rodrigues und dessen Assistenten Stefan Riedel, den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen. Und die Trainer wiederum vertrauen ihrem Kader. „Neue Spieler würde ich erstmal im Training testen wollen“, sagt Rodrigues, der in der Rückrunde auf Abwehrroutinier Marvin Fricke wird verzichten müssen. Der 29-Jährige wird studiumsbedingt ein halbes Jahr in Norwegen leben.

Was den Turnern nach der Winterpause eigentlich nur helfen kann: viele Spiele, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Doch das wiederum scheint die Pandemie nicht zu erlauben. Dabei hatten NFV und Klubs bereits vor Saisonstart Weitsicht bewiesen: Die 20er-Liga wurde in zwei Staffeln geteilt. Die Teams sollten eine Qualifikationsrunde mit Hin- und Rückrunde spielen.

Anschließend sollten die jeweils ersten fünf Mannschaften in eine Meisterschafts- und die jeweils unteren fünf in eine Abstiegsrunde einziehen. Ebenfalls im Modus enthalten ist eine Einschränkung: Sollte es wegen behördlicher Verfügungslage zu längeren Unterbrechungen im Spielbetrieb kommen, könne der Spielausschuss die Rückrunde der Qualifikationsrunde ersatzlos streichen.

Der Spielplan geht nicht auf

Und genau dieser Fall scheint jetzt einzutreten. Vonseiten des NFV ist zu hören: Dass die Runde auf geplantem Wege zu Ende gebracht werden könne, sei praktisch nicht mehr möglich. In dem Fall müssten die Freien Turner noch neun Rückrundenpartien austragen, um später in Auf- oder Abstiegsrunde noch weitere zehnmal zu spielen.

19 Begegnungen in einer Rückserie, deren Beginn selbst bei stark verkürzter Vorbereitungszeit nicht vor Mitte März realistisch erscheint? Das ist in einer Liga, in der Spiele unter der Woche aufgrund der größeren Entfernungen nicht durchgehend möglich sind, kaum zu schaffen. Zumal noch nicht mal alle Teams in der Lage der Turner sind und die Hinspiele der Qualifikationsrunde abgeschlossen haben. Der NFV hat bereits eine Alternative ins Spiel gebracht: Die Rückrunde der Qualifikationsrunde entfällt, danach spielen 6 Teams in einer Auf- und 14 Teams in einer wiederum zweigeteilten und staffelübergreifenden Abstiegsrunde. Alle Vereine waren bis Ende vergangener Woche dazu aufgerufen, Position zu beziehen. Die Freien Turner, so viel ist klar, haben sich klar dagegen ausgesprochen.

„Für die jeweils Viert- und Fünftplatzierten der Staffeln ist diese Regelung unserer Meinung nach sehr unfair. Sie spielen dann gegen den Abstieg statt um den Aufstieg“, sagt Barnbeck. Nachteil für den Verein wäre bei dem vorgeschlagenen Modus: Die Mannschaft hätte nur noch 12 Partien, um sich aus dem Keller zu kämpfen.

Freie Turner wollen noch 14 Mal spielen

Da sympathisieren die Turner schon eher mit einer anderen Variante, die zumindest 14 Begegnungen garantieren würde: In der vorgesehenen 10er-Abstiegsgruppe spielt jedes Team nur gegen die Mannschaften aus der anderen Staffel zweifach. Gegen die vier Konkurrenten aus der eigenen Staffel wird praktisch nur das Rückspiel der dann entfallenen Qualifikationsrunde ausgetragen.

Reichlich Diskussionsstoff und viele verschiedene Szenarien also, sodass prompt Erinnerungen an das Ende der vergangenen Saison aufkommen. Für die Oberliga wollen die NFV-Verantwortlichen nun das Meinungsbild innerhalb der Vereine auswerten und im Laufe des Januars weiter beraten.

Bezirk und Kreis warten ab

Etwas abwartender ist man noch in den Ligen darunter. Sowohl in Bezirk als auch Kreis wollen die Vertreter der zuständigen Gremien die Corona-Situation zunächst weiter beobachten. Zu ungewiss ist derzeit der Zeitpunkt einer Wiederaufnahme des Punktspielbetriebs. Aber auch Braunschweigs NFV-Kreisvorsitzender Thomas Klöppelt befürchtet, dass es eng werden wird mit der regulären Beendigung der Serie. „Die Jugend und die Frauen müssten schon Mitte März wieder starten, damit sie durchkommen.

Die Herren mit ihrer großen Staffel müssten eigentlich sogar schon Ende Februar loslegen“, sagt Klöppelt. Wenn nicht, käme man wohl nicht um englische Wochen oder eine Saisonverlängerung drumherum.

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