Privates Glück macht Vahdets Salih Ayaz zum Top-Torjäger

Braunschweig.  Hochzeit, neuer Job, Vertrauen vom Trainer – es gibt viele Gründe für die bemerkenswerte Trefferquote des Braunschweiger Fußballers.

Vahdets Salih Ayaz (rechts) kommt im Landesliga-Spiel gegen den FSV Schöningen hier einen Schritt zu spät, stellt ansonsten aber oft genug seine Treffsicherheit unter Beweis.

Vahdets Salih Ayaz (rechts) kommt im Landesliga-Spiel gegen den FSV Schöningen hier einen Schritt zu spät, stellt ansonsten aber oft genug seine Treffsicherheit unter Beweis.

Foto: Bernward Comes

Sich im Verein rundum wohlfühlen, privat glücklich sein – nicht selten sorgen solche Faktoren dafür, dass Fußballer im Wettkampf erfolgreich sind. Auch bei Salih Ayaz ist das so. Im TSC Vahdet hat er – neben Eintracht – seinen Herzensverein gefunden. Und auch abseits des Platzes ist er auf dem Höhenflug: Im Oktober heiratete Ayaz mit Merve seine große Liebe. So viel Zufriedenheit zahlte sich auch für seinen Verein aus. Für den Landesligisten erreichte der Angreifer Torquoten, die sonst nur in unteren Klassen erreicht werden.

14 Treffer erzielte Ayaz in fünf Bezirkspokal-Partien für seinen Klub, alleine 5 davon in einer der beiden Partien gegen Wenden. Später in der Liga war der Schnitt nur etwas niedriger: In drei Landesliga-Begegnungen schlug Ayaz sechsmal zu. 20 Mal jubeln in einem Zeitraum von nur rund acht Wochen – das lässt aufhorchen. „Eigentlich war es sogar noch ein Treffer mehr, aber ein Tor von mir gegen Schöningen wurde als Eigentor gewertet“, sagt Ayaz und lacht.

Er ist gut drauf, spricht offen über Vergangenes und vielleicht noch Folgendes. Seit wenigen Wochen ist er als Lackierer bei MAN angestellt. „Da möchte ich gleich mal meinen Arbeitskollegen Detlev grüßen, der ist klasse und hat mir so viel geholfen“, sagt der 23-Jährige, der sein Geld auch anders verdienen könnte. Familienmitglieder betreiben ein Autohaus in Braunschweig und ein Restaurant in Wolfsburg. Doch Salih Ayaz wollte seinen eigenen Weg gehen.

Drei Jahre Fußball in der Türkei

Auch in Sachen Fußball wollte der Mittelstürmer das immer. Als er in der Saison 2014/15 in Eintrachts U19 mit Julius Düker einen starken Konkurrenten vor sich hatte und keine Perspektive sah, entschloss er sich zum Wechsel in die Türkei – mit gerade mal 18 Jahren. Doch in den drei Jahren klappte es für Ayaz bei drei verschiedenen Klubs nicht wie erhofft. Ayaz erinnerte sich an einen Satz seines früheren Eintracht-Trainers Sascha Eickel: Man hat nur dort Erfolg, wo man auch glücklich ist.

Ayaz, schon immer Eintracht-Fan, ging zurück zu den Blau-Gelben und spielte unter Deniz Dogan für die U23. Als der Verein die Oberliga-Mannschaft ein Jahr später vom Spielbetrieb abmeldete, entschloss sich Ayaz mit Vahdet nicht für die hochklassigste Option – sondern für einen Klub, bei dem er meinte, heimisch werden zu können.

„Ich hatte Angebote aus der Oberliga vorliegen. Und dann wollte mich Regionalligist Wacker Burghausen verpflichten. Die hatten große Pläne und wollten in die 3. Liga“, erzählt Ayaz. Er habe dort mittrainiert. Es sei reizvoll gewesen, finanziell lukrativ. Der Verein sei professionell organisiert, sagt der Offensivmann. Aber dann sei ihm eine Frage gekommen, so Ayaz: „Was soll ich da unten im Süden, fast 700 Kilometer weg von meiner Heimat?“

Er habe das Gefühl gehabt, sich nicht hundertprozentig mit dem Klub an der deutsch-österreichischen Grenze identifizieren zu können und habe schließlich abgesagt. Es folgte eine eher durchwachsene Saison bei Vahdet. „Vielleicht habe ich die Liga etwas unterschätzt. Aber es sei auch einfach schwer, sich heimisch zu fühlen, wenn dauernd die Trainer wechselten, so Ayaz. Trotz erneuter Angebote von höherklassigen Vereinen im Sommer blieb er.

Und das war eine gute Entscheidung. Denn jetzt läuft es bei Vahdet richtig rund. Seit Sommer ist dort Sean Krebs Coach – und der baut voll auf Ayaz. „Es ist toll, wenn der Trainer einem so vertraut“, meint der Torjäger. Krebs habe ihn gegen Schöningen sogar spielen lassen, obwohl er vorher hochzeitsbedingt nur individuell habe trainieren können. Ayaz ist voll des Lobes über den Trainer und erklärt: „Die Mannschaft steht zu 100 Prozent hinter ihm.“ Und: Der Klub habe einen solchen Mann gebraucht. „Vahdet ist ein türkischer Verein. Aber es gibt einige deutsche Spieler und jetzt auch einen deutschen Trainer. Dadurch zieht eine Disziplin ein, die dem Klub gut tut“, erklärt Ayaz. Auch er selbst hat türkische Wurzeln, fühlt sich aber als Deutscher.

Mit Vahdet soll der Oberliga-Aufstieg klappen

Salih Ayaz wohnt mit seiner Frau in einer Eigentumswohnung am Schwarzen Berg und scheint nicht mehr wegzuwollen aus Braunschweig. Mit Vahdet will er unbedingt hoch in die Oberliga. „Ich habe schon Lust, noch drei oder vier Jahre auf gutem Niveau zu kicken“, sagt er. Dann wolle er unbedingt seinen Trainerschein machen. Nicht einfach so nebenbei, sondern mit vollem Einsatz. „Ich konzentriere mich gerne auf eine Sache“, sagt er. Das hat er schon immer so gemacht, ist seinen Weg gegangen. Jetzt, so scheint es, ist er auf dem richtigen angekommen.

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