MTV-Trainer über Neuzugang: „Artjom ist ein bisschen bekloppt“

Braunschweig.  Neuzugang Artjom Antonevitch ist ein spezieller Charakter. Nun zeigte er, wie wichtig er für den Handball-Drittligisten MTV Braunschweig sein kann.

Mit Kraft und Beweglichkeit setzt sich Artjom Antonevitch (links) in dieser Szene gegen Stralsunds Benjamin Hinz durch.

Mit Kraft und Beweglichkeit setzt sich Artjom Antonevitch (links) in dieser Szene gegen Stralsunds Benjamin Hinz durch.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung / Bernward Comes

Als Jugendspieler schaffte es Artjom Antonevitch sogar in die Junioren-Nationalmannschaft, selbst wenn nur wenige Einsätze für ihn verbrieft sind. Und auch in der Bundesliga sammelte er früh Erfahrung. Mit bereits 18 Jahren feierte der Rechtsaußen der MTV-Handballer sein Debüt in Deutschlands Eliteliga.

Dass sich der Russland-Deutsche mit seinen nun bald 27 Jahren in Braunschweig in der 3. Liga wiederfindet, könnte man als Abstiegsgeschichte sehen. Doch so wie sich Antonevitch am vergangenen Wochenende bei seinem ersten Heimspiel in der Sporthalle Alte Waage präsentierte, kann man hier nicht von fehlender Motivation sprechen. Der Neuzugang des MTV war der Braunschweiger Spieler, den die 279 Zuschauer immer hörten. Antonevitch feuerte seine Kollegen beim Sieg gegen Stralsund dauerhaft lautstark an. Man hatte das Gefühl, als wolle er sich selbst damit etwas pushen, und das gelang. Mit sechs Treffern war er zusammen mit Kreisläufer Niklas Wolters der beste Torschütze des MTV.

Antonevitch versucht beim MTV mit guter Laune voranzugehen

„Ich bin halt Linkshänder“, sagt Antonevitch lachend mit Blick auf die Vorurteile, mit denen diese speziellen Typen im Handball umgehen müssen. „Ich lebe von den Emotionen und versuche mein Team mitzureißen, immer mit guter Laune, auch wenn es mal schwer ist. Deshalb bin ich auf dem Feld so laut“, erklärt er. Nicht nur das zieht er konsequent durch. Auch sein Spielstil kennt keine Kompromisse. Antonevitch spielt explosiv, mit viel Wucht und einer unglaublichen Sprungkraft. Diese Stärken setzt er voll ein, in jedem Zweikampf, ohne Rücksicht auf den eigenen Körper.

„Artjom ist ein bisschen bekloppt“, sagt MTV-Trainer Volker Mudrow mit einem Augenzwinkern. Er wusste vorher, dass Antonevitch den Ruf eines verrückten Hundes genießt. „Er ist aber ein total lieber Kerl. Wir müssen nur noch seine Emotionen in die richtigen Bahnen lenken“, so der Coach. Denn das war in Antonevitchs Karriere wohl oft das Hindernis. Von seinen Anlagen ist er ein Erstliga-Spieler, doch er droht manchmal etwas zu überziehen. Wie auch beim Sieg in Stralsund, als er wichtige und teilweise auch spektakuläre Tore erzielte, sich aber auch eine sehr unnötige Zwei-Minuten-Strafe durch harten Einsatz abholte.

Sein perfektes Heimdebüt störte das nicht. „Ich bin unglaublich begeistert. Obwohl wegen Corona nicht so viele Zuschauer wie sonst da waren, haben die, die da waren, die Halle mit Lärm gefüllt und waren unser achter Mann“, freute sich Antonevitch. Die Atmosphäre in Braunschweig kann einen wie ihn vielleicht besonders beflügeln.

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